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Geplanter Tetrafunkmast in Kranzberg: Es formiert sich Widerstand

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Kranzberg - Vor zwei Wochen sind in Kranzberg die ersten Bagger angerollt: Am Ortseingang soll ein 44 hoher Tetrafunkmast errichtet werden. Die Bürger wurden eiskalt erwischt - hatten bis dahin keine Ahnung von dem Vorhaben. Nun formiert sich Widerstand.

Die Anwohner in der Nähe des Kranzberger Ortseingangs waren überrascht: Vor zwei Wochen haben sie die kleine Baustelle am Ortseingang von Kranzberg entdeckt. Doch was dort entstehen soll, war ihnen nicht klar - bis sie bei den Arbeitern nachfragten. Antwort: ein 44 Meter hoher Tertrafunkmast. Dieser wird für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (kurz BOS) benötigt und derzeit flächendeckend eingeführt. Die Bewohner waren besorgt gerade auch im Hinblick auf die zu erwartende Strahlung. Kurzfristig haben sie eine Informationsveranstaltung einberufen. Dafür konnten sie auch Siegfried Zwerenz als Referenten gewinnen. Der Vorsitzende des Vereins „Bürgerwelle“ - dem Dachverband der Bürger und Initiativen zum Schutz vor Elektrosmog - sprach am Donnerstag beim „Metzgerwirt“ über die Risiken der Behördenfunktechnologie.

Rund 150 besorgte Bürger hatten sich eingefunden. Mit so vielen habe man gar nicht gerechnet. Das zeige aber, dass Aufklärungsbedarf bestehe.

Zwerenz, Heilpraktiker und Baubiologe, sprach eine Stunde lang über das Projekt Tetrafunk im Allgemeinen, klärte über Strahlung und Grenzwerte auf und erläuterte die Auswirkungen des Masten auf die Gesundheit der Anwohner. Immerhin soll der Mast nur rund 150 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt errichtet werden. In rund 300 Metern Entfernung befindet sich die Volksschule. Und Zwerenz hat nachgemessen: „Die Strahlung an der Schule beträgt derzeit 0,3 Mikrowatt pro Quadratmeter. Mit dem Mast wird sie sich in der Hauptstrahlrichtung auf 100 bis 200 erhöhen.“

Vor diesem Hintergrund musste sich Bürgermeister Robert Scholz, der sich eine halbe Stunde nach Beginn des Vortrags unter die Zuhörer gemischt hatte, einige unangenehme Fragen gefallen lassen, etwa wann die Gemeinde über die Pläne informiert wurde und welche Möglichkeiten es gebe, den Masten doch noch zu verhindern. „2009 haben wir die Information vom Bayerischen Innenministerium erhalten und zunächst nicht-öffentlich darüber beraten. Uns gefällt das auch nicht, aber wir mussten es zur Kenntnis nehmen“, antwortete er. Im Januar 2010 habe es eine öffentliche Sitzung des Gemeinderats zu diesem Thema gegeben, im April gar ein Rundschreiben. „Damit war das Thema für uns öffentlich bekanntgegeben. Beschwerden von Bürgern haben wir danach nicht bekommen.“ Grundsätzlich aber, so räumte der Rathauschef auch ein, habe die Gemeinde beim Thema Tetrafunkmast kein Mitspracherecht. Auch für Sorgen rund um die gesundheitlichen Auswirkungen sei sie der falsche Ansprechpartner. Dennoch zeigte er Verständnis für die Sorgen der Kranzberger. „Ich kann zwar nicht einer Bürgerinitiative beitreten, weil ich das Thema neutral behandeln muss, aber wir werden versuchen, einen Baustopp bei der Regierung zu erreichen“, sagte er am Donnerstag zu. Damit wolle man Zeit gewinnen und zusätzliche Informationen einfordern. Die Zuhörer quittierten das mit spontanem Applaus.

Den gab es auch für den Grundstücksbesitzer, auf dessen Land der Mast errichtet werden soll. Auch er - seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen - gab zu: „Der Mast ist nicht schön. Ich bin dabei, wenn sich ein anderer Standort dafür fände.“ Nach seiner Aussage hatte die Regierung sein Grundstück auserwählt, weil er bereits vor 15 Jahren Flächen für einen analogen Funkmasten der Feuerwehr sowie einen Vodafonemasten bereitgestellt hatte.

Wann genau der Mast nun errichtet werden soll, konnte weder Bürgermeister noch Referent sagen. Fest steht: Bis Ende 2012 sollen zahlreiche in ganz Bayern in Betrieb gehen. Bis dahin wollen sich die Kranzberger aber nicht auf die faule Haut legen, sondern handeln: Spontan haben sich rund 50 Zuhörer bereiterklärt, einer Bürgerinitiative „Funkmast Kranzberg - Nein danke“ beizutreten, berichten die Initiatoren begeistert. Überhaupt haben sie nicht mit solch einer Resonanz gerechnet. Und: „Wir sind froh, dass uns auch der Bürgermeister und der Grundstückseigentümer unterstützen. Jetzt wollen wir erstmal einen Alternativstandort finden.“

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