Geplantes Windrad in Johanneck: Gemeinderat votiert dagegen

Paunzhausen - Der Gemeinderat Paunzhausen lehnt das von Johann Gasteiger geplante 180 Meter hohe Windrad in Johanneck einstimmig ab. In einer Stellungnahme an das Landratsamt zählt das Gremium die Gründe dafür auf.

Rund 70 Interessierte verfolgten am Dienstagabend die Diskussion im Gremium um das geplante Windrad in Johanneck. Bürgermeister Johann Daniel und Gemeinderat Konrad Offenberger hatten in Abstimmung mit den Räten eine fünfseitige Stellungnahme an das Landratsamt erarbeitet. 20 Minuten dauerte es, bis der Rathauschef alle insgesamt 13 Punkte vorgetragen hatte.

Hintergründe: Am 26. Juli hatte Johann Gasteiger die Antragsunterlagen für das 180 Meter hohe Windrad bei der Verwaltungsgemeinschaft Allershausen eingereicht. Erst am 4. August legte er auf Bitten des Bürgermeisters auch die Schallimmissions- und Schattenwurfprognose, ein signaturtechnisches Gutachten sowie eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung vor. Die gesamten Planunterlagen waren öffentlich ausgelegt. Jeder Betroffene konnte seine Einwände gegen das Projekt geltend machen. In einem Schreiben an das Landratsamt Freising nimmt auch die Gemeinde Stellung.

Besonders kritisierte Bürgermeister Johann Daniel gleich zu Beginn, dass im Lageplan und im Lärmgutachten zwei verschiedene Standorte für das Windrad angegeben werden. Bauherr Johann Gasteiger, der die Sitzung ebenfalls aufmerksam verfolgte, wollte die Standortfrage beantworten. Der Rathauschef jedoch verweigerte ihm das Rederecht.

Weiter geht’s in der Stellungnahme mit den Punkten Schallimmission und Lärm: Hierbei stellt die Gemeinde die im Lärmgutachten aufgeführten Belastungen in Frage. In Johanneck werde demzufolge von einem Lärmpegel von 104 dB ausgegangen. Bei einer ähnlichen Anlage in Ammerfeld, die schallreduziert betrieben wird, seien die tatsächlichen Immissionen aber deutlich höher. Damit rechnet die Gemeinde auch in Johanneck mit einer noch höheren Lärmbelastung.

Ein weiterer Grund für die negative Haltung der Gemeinde zu dem Projekt, ist der Punkt „Landschaftsbild“: Ihrer Meinung nach werde dieses „gravierend und nachhaltig geschädigt“. Die Attraktivität der Gemeinde könnte sinken und damit auch der Wert der Grundstücke. Zudem bewertet die Gemeinde die durchgeführte artenschutzrechtliche Prüfung „als nicht schlüssig und nicht akzeptabel“.

Auch die Erschließung ist laut Schreiben nicht gegeben. Zum Bau der Anlage sei eine Straße von mindestens vier bis fünf Metern Breite nötig. Die Zufahrt beträgt aber nur zirka 3,5 Meter. Außerdem seien die gemeindlichen Straßen nicht für den erforderlichen Schwertransport ausgelegt, der für den Bau des Windrads nötig ist. Zudem verwehren die Anlieger ihr Einverständnis zur Nutzung der Wege.

Großer Streitpunkt ist auch der geringe Abstand zur Wohnbebauung. Nicht nur wegen dem zu erwartendem Infraschall (wir haben berichtet) fürchten sich die Anwohner vor gesundheitlichen Schäden. Gefahren bestehen ihrer Meinung auch durch Eisbildung auf der Anlage im Winter. Konrad Offenberger regte an, in die Stellungnahme folgenden Vorschlag aufzunehmen: „Bei Eisansatz soll die Anlage stillgelegt werden.“ Weiterer Vorschlag: „Weil das geplante Windrad an der Gemeindegrenze zu Schweitenkirchen und damit auch an der Grenze zum Nachbalandkreis Pfaffenhofen liegt, ist die Gemeinde ebenfalls als betroffene Kommune zu beteiligen.“

Einstimmig votierte das Gremium anschließend, Johann Gasteiger das Einvernehmen für die Errichtung des Windrads zu verweigern. Die weitere Arbeit liegt nun beim Landratsamt. Es muss in den kommenden Wochen alle eingegangenen Stellungnahmen bearbeiten und die Argumente für oder gegen die Anlage abwägen. Am Montag, 17. November, findet zudem eine öffentliche Anhörung statt. Ab 10 Uhr werden in der Mehrzweckhalle Allershausen alle form- und fristgerecht erhobenen Einwendungen erörtert.

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