Kläger: Monika und Detlef Gebhardt wollen den neuen Kindergarten verhindern. Afo

Gerichtsstreit: Heimische Ruhe contra Kindergarten

Mauern - Was hat Vorrang: Ein zeitgemäßer Kindergarten oder die Lebensqualität der Anwohner? In Mauern ist um diese Frage ein Rechtsstreit entbrannt.

Noch vor einem Jahr genossen Monika und Detlef Gebhardt den Ausblick aus ihrem Mauerner Haus: Eine 100 Jahre alte Linde stand dort auf dem Nachbargrundstück, einer 700 Quadratmeter großen Wiese. Für den Baugrund nebenan hatte sich das Paar 2004 entschieden, „weil im Grundstücks-Exposé stand, dass gegenüber alles unbebaut bleibt“, erzählt Detlef Gebhardt.

Die Linde ist seit einem Jahr gefällt. Und geht es nach den Plänen der Pfarrgemeinde St. Johannes, dem Grundstückseigentümer, soll dort in wenigen Monaten ein Neubau des Pfarrkindergartens entstehen. „Den haben wir dann fünf Meter neben unserem Schlafzimmer.“ Gebhardt, 48, Informatiker, hat das schon mal durchgerechnet: „Da sollen vier Gruppen à 15 Kinder reinkommen, also 120 An- und Abfahrten täglich vor unserem Fenster.“ Seine Frau und er fürchten um ihre Lebensqualität - und eine Wertminderung ihres Heims. Ihr Vorwurf: „Die Abstandsflächen werden nicht eingehalten, die Einrichtung fügt sich nicht in die Umgebung ein und unsere Interessen wurden ignoriert.“ Sie fordern, dass statt des Neubaus der bestehende Kindergarten saniert werden soll.

Die Gebhardts klagten vor Gericht gegen die Baugenehmigung des Landratsamtes. Der Eilantrag wurde vom Verwaltungsgericht München abgelehnt, und auch in einer Anhörung gestern Vormittag blitzte das Paar vor Gerichtspräsident Harald Geiger ab. „Das Bebauungsgrundstück fügt sich auf jeden Fall in die Umgebung ein, denn ein Kindergarten ist in fast allen Gebieten zulässig“, argumentierte der. „Auch die Abstandsflächen sind eingehalten und die Brandschutzmaßnahme wird durch eine Ersatzmaßnahme kompensiert.“ Er wisse also nicht, was es noch zu verhandeln gebe. Im übrigen, meinte der Richter, würden Kinder nun mal zum Leben dazugehören, „sonst gäb’ es uns ja bald nicht mehr“. Die Klage wurde abgewiesen.

Auch Mauerns Bürgermeister Alfons Kipfelsberger, dessen Kommune den Zahler darstellt, hatte den Prozess verfolgt. Und fühlte sich vom Urteil bestätigt: „Wir haben alles extra so geplant, dass niemand beeinträchtigt wird.“ Den Vorwurf Gebhardts, der Neubau sei nur angestrebt worden, „um an Subventionen in Millionenhöhe zu kommen“, wies er zurück. „Das ist völlig unlogisch“, sagte Kipfelsberger. „Im alten Kindergarten regnet es rein, der ist ökologisch nicht mehr zeitgemäß und wir haben Zuzug in der Gemeinde.“ Der Neubau sei also unumgänglich. Und der Rathauschef fügte ironisch an: „Ich möchte die Leute hören, die sonst keinen Platz für ihr Kind bekommen.“

Die Kläger haben Revision angekündigt, wollen sich ans Fernsehen wenden. Detlef Gebhard sagt: „Wenn wir scheitern, bleibt uns nur der Hausverkauf.“ Seine Maklerin hat er schon vorgewarnt.

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