Die Geschichte der Tafernwirtschaft

Neufahrn - Allzu viel ist nicht geblieben von der Tafernwirtschaft in Grüneck. In dem seit Mitte des 15. Jahrhundert erstmals erwähnten Gasthaus hatte es 1991 gebrannt, dann wurde es abgerissen.

In Vergessenheit geraten ist die an der Landstraße nach München gelegene Tafernwirtschaft aber nicht, wie sich bei einem Vortrag des Heimat- und Geschichtsvereins Neufahrn im Hotel Maisberger zeigte. Gut siebzig Leute waren gekommen, um der Volkskundlerin Brigitte Holzner zuzuhören. Die bat zunächst um Verständnis dafür, dass es bei weitem nicht so viel Material über die Traditionswirtschaft gäbe, wie sie zu Anfang vermutet hatte.

Eine Einschätzung, die aus wissenschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein mochte. Sie stellte gleichzeitig jedoch eine Untertreibung dar, eingedenk dessen, was Holzner alles bei ihren Recherchen herausgefunden hatte. Dazu zählt etwa ein Inventar, das im Detail die historische Ausstattung der Tafernwirtschaft im Jahr 1768 aufführt. Außerdem ließ die Referentin die Geschichte Wirtshauses anhand von Erbfolgen Revue passieren. Den Anfang machte sie im Jahr 1570, als ein Gastwirt mit Namen Caspar Hollinger „auf der Tafern zu Neufahrn“ ansässig war . Es bestand „Zapfrecht an der Hofstatt an der Straße“, es gab ein „Tanzhaus“ und „ein kleines Gärtel“, wie Holzner versicherte. Auch ein „Brotbackrecht“ sei mit dem Besitz verbunden gewesen. Auffällig an der wechselvollen Geschichte der Tafernwirtschaft war laut Holzner, dass die Wirte starben und die Witwen ziemlich schnell wieder heirateten. Ihre Ehepartner kamen bisweilen von weither. Für damalige Verhältnisse verwunderlich, „ohne Internet“, wie Holzner fand.

Zudem stellte sie Bezüge zum Ort Mintraching, zur Gegenwart, zu den Hofnamen und Familien her, die später dort lebten oder immer noch ansässig sind. Zu den Bonmots, von denen Holzner zu berichten wusste, zählt zweifelsohne die Geschichte des Tafernwirtes Anton Wild. Zwischen ihm und einem damals im Ort tätigen Hilfspfarrer war es zum Streit, zu „Ehrabschneidungen“, gekommen. „Du Saupfaff, du Tropf“ und dergleichen schändlicher Ausdrücke mehr soll Wild dem Gottesmann einem Schriftstück aus dem Jahr 1750 zufolge an den Kopf geworfen haben. Mehr noch, den Ausführungen von Holzner zufolge soll der Gastronom den Pfarrer mit einem Messer bedroht und mit einem Holzprügel verfolgt haben. Verhältnisse also, wie man sie etwa von der Fernsehserie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ her kenne, haben sich, wie Holzner anmerkte, dereinst zugetragen in Grüneck.

Wie es zu Zeiten des Freisinger Hofmalers Christopher Paudiß (1630 - 1666) in der Tafernwirtschaft ausgesehen haben mag, das machte Holzner anhand zweier Bilder deutlich. Diese stammten zwar nicht nachweislich aus der Wirftschaft in Grüneck, aber die dargestellten Szenen hätten sich sicher auch dort abspielen können, sagte die referentin. Überliefert sei, dass Paudiß „dermal in Grüneckek“ respektive in der Wirtschaft gewohnt haben soll. (af)

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