Flugzeug bei Ravensburg abgestürzt: Drei Tote

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Dr. Thomas Teuber.

Gesundheitsratgeber

Darmkrebs: Mit der Kamera in das Innere des Darms

Die Zahlen sprechen für sich: Jährlich erkranken rund 60 000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Früh erkannt ist der Darmkrebs in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar.

Ab dem 50. Lebensjahr übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für den sogenannten Hämoccult-Test – dabei wird kontrolliert, ob sich im Stuhl Blut befindet. Seit Oktober 2002 wird Versicherten ab dem 55. Lebensjahr die Darmspiegelung (Koloskopie) alle zehn Jahre als Vorsorgeuntersuchung kostenlos angeboten. Sie ist die beste und sicherste Methode der Vorsorge: Stuhlbluttests und immunologische Tests sind ungenauer. Bei der Darmspiegelung können Ärzte gutartige Veränderungen (Adenome) entfernen, die sich sonst zu bösartigen Tumoren weiter entwickeln könnten. Laut Robert Koch Institut ist die Zahl der Neuerkrankungen ab 55 Jahre durch die Vorsorge und rund 20 Prozent zurück gegangen. Unter dem Oberbegriff „Darmkrebs“ werden Krebserkrankungen des Dickdarms (Kolon), des Enddarms (Mastdarm/Rektum) und des Darmausgangs (Anus) zusammen gefasst.

Darmkrebs entsteht meist aus gutartigen Krebs-Vorstufen, sogenannte Polypen, die sich bei der Koloskopie leicht entfernen lassen. Dabei führt der Arzt dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein biegsames Endoskop in den Darm ein. Das schlauchförmige Gerät enthält eine Lichtquelle, eine winzige Kamera mit einer sehr guten Auflösung und einen Arbeitskanal, über den der Arzt kleine Zangen zur Entnahme von Gewebeproben einführen und etwaige Polypen entfernen kann. Entdeckt er bei der Koloskopie einen Tumor, kann er eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung entnehmen. Viele haben Angst vor dem Eingriff mit dem Endoskop. Auch die vorbereitende Darmreinigung, für die man mindestens zwei Liter Spülflüssigkeit trinken muss, empfinden viele als unangenehm. Gefährlich ist eine Darmspiegelung nicht, zu Komplikationen kommt es sehr selten, so dass die Chancen einer erfolgreichen Krebsvorsorge die Risiken bei weitem überwiegen. Nach einer unauffälligen Spiegelung kann die nächste Koloskopie erst nach zehn Jahren durchgeführt werden.

Für viele Menschen ist wohl auch das Schamgefühl ein Hindernisgrund, eine Koloskopie durchführen zu lassen, denn schließlich ist diese mit der instrumentellen Untersuchung des Intimbereichs verbunden. Wer eine Darmspiegelung aus diesen Gründen für sich ausschließt, dem steht mit der sogenannten Kapselkoloskopie eine gute Alternative zur Verfügung. Die Kapselkoloskopie ist noch komplikationsärmer als die herkömmliche Darmspiegelung, schmerzfrei und nicht-invasiv, das heißt es findet keine instrumentelle Untersuchung des Intimbereichs statt. Außerdem entfällt im Gegensatz zur herkömmlichen Darmspiegelung die Notwendigkeit der Betäubungsspritze.

Wie wird die Kapselkoloskopie durchgeführt?

Man schluckt eine Kapsel in der Größe einer großen länglichen Tablette. Sie hat eine glatte Oberfläche, so dass sie sich leicht schlucken lässt. Die Kapsel reist dann für einige Stunden selbstständig durch den Magen-Darm-Kanal, bis sie auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden wird. Sie ist bestückt mit hoch entwickelter optischer Technik, die es ermöglicht, das Innere des Darms hoch aufgelöst abzubilden und die Bilder nach außen zu senden. Damit die Bilder empfangen und nach Abschluss der Untersuchung vom Arzt ausgewertet werden können, trägt der Untersuchte ein Empfangsgerät am Gürtel. Nach dem Ausscheiden kann die Kapsel in der Toilette weg gespült werden. Da für die Kapselkoloskopie keine Betäubungsspritze notwendig ist, ist man im Gegensatz zur herkömmlichen Darmspiegelung am Untersuchungstag voll verkehrstüchtig und geschäftsfähig.

Vor der Kapseluntersuchung

Damit Veränderungen der Darmschleimhaut von der Kapselkamera zuverlässig erkannt werden, muss der Darm absolut sauber sein. Vorbereitend muss zu diesem Zweck wie bei der herkömmlichen Darmspiegelung eine abführende Spüllösung und zusätzlich reichlich Flüssigkeit getrunken werden. Das exakte Einhalten der Trinkvorschrift ist Voraussetzung für eine aussagekräftige Untersuchung. Einschränkungen des Verfahrens

Wer sich für die Durchführung einer Kapselkoloskopie entscheidet, muss wissen, dass bei der Untersuchung keine Gewebeproben entnommen werden oder Polypen entfernt werden können. Dies muss dann noch zusätzlich bei einer herkömmlichen Darmspiegelung geschehen. Bleibt die Kapselkoloskopie ohne Befund, so kann man sich zehn Jahre Zeit lassen bis zur nächsten Darmkrebsfrüherkennungsuntersuchung.

Wer führt die Kapselkoloskopie durch und was kostet sie?

Welcher Arzt in Wohnortnähe die Kapselkoloskopie durchführt, erfahren Sie bei einem Hausarzt, einem niedergelassenen Gastroenterologen oder beim ärztlichen Leiter einer internistischen oder gastroenterologischen Krankenhausabteilung. Die Praxis Dr. Thomas Teuber im Freisinger Steincenter bietet diese Untersuchungsmethode an (s.Kasten unten). Die Kosten für eine Kapselkoloskopie liegen derzeit bei etwa 1000 Euro. Sie werden von den Krankenversicherungen bisher nur in Ausnahmefällen übernommen. In jedem Fall aber lohnt sich die Anfrage bei ihrer Krankenversicherung.

Interview mit Dr. Teuber

Herr Dr. Teuber, für wen ist denn die Kapselkoloskopie besonders geeignet?

Dr. Thomas Teuber: Für Patienten mit einem ausgeprägten Schamgefühl ist diese Untersuchungsmethode eine Alternative. Allerdings kann man sie nur als eine Ergänzung zur Darmspiegelung ansehen. Der Patient muss nämlich bei einem auffälligen Befund trotzdem eine konventionelle Koloskopie über sich ergehen lassen. Denn es können keine Gewebeproben entnommen oder Polypen entfernt werden.

Worauf muss man bei der Einnahme achten?

Dr. Thomas Teuber: Wie bei der Darmspiegelung muss der Darm vollständig geleert und gut gereinigt werden. Der Arzt verschreibt dafür spezielle Trinklösungen, die der Patient bereits am Vortag einnimmt.

Wohin sendet die Kapsel die Bilder?

Dr. Thomas Teuber: Während der Untersuchung zeichnet die Kamera bis zu 400 000 Bilder von Dick- und Dünndarm auf. Diese werden an ein kleines Aufzeichnungsgerät gesendet, das der Patient an der Hüfte trägt. Anschließend werden die Bilder zu einem Video zusammen gefügt, das der Arzt auswertet. Krankhafte Gewebe¬strukturen, Polypen und Tumore können erkannt, allerdings nicht entfernt werden. Zwischen dem Schlucken der Kapsel bis zum Ausscheiden vergehen meist vier bis sechs Stunden. Nach einer kurzen Wartezeit kann der Patient dann die Praxis verlassen.

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