Gewalt gegen Frau und Töchter - Geldstrafe für Familienvater

Freising -  Frau und Töchter will der 52-Jährige niemals geschlagen haben. „Meine Pflichten als Familienvater habe ich erfüllt: Wir essen gemeinsam, gehen spazieren.“

Seit zehn Jahren zieht der Busfahrer der Familie seine Geliebte (45) vor. Verbale und körperliche Misshandlungen lassen sich Mutter und Töchter jetzt nicht mehr gefallen. Vor dem Amtsgericht Freising wurde dem 45-Jährigen der Prozess gemacht.

Seit zehn Jahren gönnt er sich eine Freundin, ließ der Angeklagte das Gericht wissen. Kein Problem: „Alles war okay.“ Frau (42) und Töchter hätten die Geliebte akzeptiert. Vor fünf Jahren habe seine Frau ihm einen Sohn geboren, sagt der 52-Jährige wie zum Beleg seiner These von der heilen Welt, die Frau und Töchter hätten bersten lassen.

Als weiteren Beweis der These, Familie und Geliebte hätten sich arrangiert, führt er einen gemeinsamen Urlaub an. Die im Kreis Freising lebende Familie kennt eine andere Version: Im vergangenen Sommer kehrt der Angeklagte mit der 42-jährigen Tunesierin aus dem Urlaub zurück. Mutter und Töchter wollten in die Türkei. Wegen finanzieller Schwierigkeiten lehnte der Angeklagte ab – just nachdem er mit der Geliebten einen vierwöchigen Urlaub genoss. Als er im Mai 2015 handgreiflich wird, wendet sich die Familie an die Polizei. Die 22-jährige Tochter erinnert sich, wie der Vater ihr und der Schwester als Kind sagte: „Wir fahren in die Türkei und lassen deine Mutter zurück.“ Die Familie stammt ursprünglich aus der Türkei.

Vor rund zehn Jahren, als sie ihren Mann auf die Geliebte ansprach, habe ihr Gatte sie zum ersten Mal geschlagen. Der 52-Jährige schlug, würgte und beleidigte Frau und Töchter, spuckte der Ehefrau ins Gesicht. Von einem „unerhörten“ Verhalten sprach Richter Boris Schätz in seiner Urteilsbegründung. „Der eigenen Frau ins Gesicht zu spucken – das ist das Letzte.“ Die erlittenen Verletzungen sind durch Atteste belegt. Dennoch musste Schätz einen Teil der Übergriffe wegen Verjährung einstellen.

Der Angeklagte bestritt, seine beiden Töchter oder die Frau jemals geschlagen zu haben. „Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte er in seinem „letzten Wort“ vor dem Urteil: „Statt sie arbeiten zu schicken, habe ich sie studieren lassen.“ Er hingegen habe bloß „Kaffee ohne Kuchen“ genießen können.

Richter Schätz verurteilte den 52-Jährigen wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe über 3900 Euro. Eine vom Staatsanwalt geforderte Freiheitsstrafe war aufgrund der Verjährungen nicht zu begründen. Schätz ließ es sich aber nicht nehmen, den Angeklagten in scharfen Worten zu richten: Annähernd zehn Jahre traute sich die Ehefrau nicht aus dem Haus. So weit könne es mit der liberalen Gesinnung nicht her sein, „wenn die Mutter nach 30 Jahren im Land kein Wort deutsch spricht“.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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