„Sie sahen aus wie Menschen, waren aber keine.“ Wolfgang Welsch berichtete den Schülern von Foltermethoden und Scheinhinrichtungen in der DDR. Foto: Lehmann

Die Grausamkeiten des DDR-Regimes im Fokus

Freising - „Ich bin ein explizites Beispiel für die Grausamkeit des DDR-Regimes.“ Offene Münder, entsetzte Gesichter - gebannt lauschten die Schüler der zehnten und elften Klassen des Camerloher-Gymnasiums dem Vortrag des einstigen DDR-Widerstandskämpfers Wolfgang Welsch. Der gab ihnen auch eine Warnung mit auf den Weg.

Mit Elan betritt der frühere DDR-Widerstandskämpfer und Fluchthelfer Wolfgang Welsch die Bühne in der Aula des Camerloher-Gymnasiums - im Hintergrund die Geräuschkulisse der Zehnt- und Elftklässler. „In Geschichtsbüchern liest man heutzutage immer, dass die Bürgerrechtler am Untergang der DDR beteiligt sind, das entzürnt uns Widerstandskämpfer“, beginnt er seinen Vortrag - und augenblicklich wird es still im Saal. Der Politologe und Publizist betont: „Wir, die Flüchtlinge, haben alles aufgegeben, um frei zu sein. Das System der DDR hat komplett versagt.“

Wolfgang Welsch, der in Ost-Berlin aufwuchs, wurde 1964 bei einem Fluchtversuch vom Ministerium für Staatssicherheit verhaftet und wegen Flucht, Hochverrat, staatsgefährdender Hetze und Propaganda zu fast zehn Jahren Haft in den Strafanstalten Bautzen und Brandenburg verurteilt. „Ich habe die Grausamkeit der DDR erlebt. Ich wurde in der Gefangenschaft auch gefoltert.“ Sein Tod „war eigentlich schon eingeplant“. Welsch weiter: „Die Stasi dachte sich: Wir foltern weiter, und wenn er stirbt, dann stirbt er eben“, sagt der 71-Jährige mit bewegter Stimme. Er erzählt den Schülern von der schrecklichen Zeit in der Haft, die er dank seines starken Willens überlebt hat.

Immer wieder unterlegte er seinen Vortrag mit Ausschnitten aus der Verfilmung seines Buchs „Der Stich des Skorpions: Ich war Staatsfeind Nr. 1“. So schilderte er auch die schlimmste Foltermethode, die ihm widerfuhr: die Scheinhinrichtung. Welsch stand vor einem Exekutionskommando, das auf ihn anlegte, zielte und schoss. Die Gewehre waren zwar nur mit Platzpatronen geladen. „Ich wurde nicht von den Gewehren getroffen, aber trotzdem mitten ins Herz - dieses Trauma bleibt für immer in mir.“ Die „Folterknechte der DDR“ beschrieb Welsch so: „Sie sahen aus wie Menschen, waren aber keine.“

Am Ende des Vortrags verließen die Schüler bedrückt den Saal - mit Welschs abschließender Warnung in den Ohren: „Freiheit ist ein Geschenk. Wer aber in der Demokratie schläft, kann ganz schnell in einer Diktatur aufwachen.“

Olivia Krüger

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