Ein großer Spaß war die Aufführung – und nicht nur für die Besucher: (v. l.) Karin Troidl, Alexander Waldhier, Klaus Stallmeister und Gisela Fritschi hatten viel zu lachen. FOTO: EV

Griechisches Bauerntheater ein Volltreffer

Hallbergmoos - Die Moosbühne „Graf Hallberg“ kann nicht nur bayerisch. Sie kann auch griechisch. Und wie! Mit der Komödie „Ölwechsel“ hat die Laienbühne Mut zum Genre-Wechsel bewiesen - und einen Volltreffer gelandet. Die Premiere vor ausverkauftem Haus gedieh zur Galavorstellung.

Bauerntheater mit Anspruch - das ist seit vielen Jahren das Metier der Moosbühne. Nun ist man, wie Regisseurin Christine Wimmer ausführte, ein „kleines Wagnis“ eingegangen: Die Komödie des jungen Autorenteams Florian Appel, Johannes Brandhofer, Tobias Egger und Markus Ollinger wurde erst einmal zuvor auf einer bayerischen Bühne gespielt. Statt Dirndl und Lederhosen gibt’s bei der Moosbühne diesmal bunte Sommerkleidchen, Shorts und Hawaii-Hemden zu sehen: Denn das Stück spielt im Hier und Heute - und dazu noch in gebeutelten Griechenland. Und das, so eine Intention des Dreiakters, darf man ruhig auch mal mit einem lachenden Auge betrachten.

Mit überzeugenden Argumenten locken der ausgeschlafene Sepp Schnellinger (Helle Wolter), Chef des Reisebüros „Konkurs-Reisen“, und Hotelier Sotirios Strombolopoulosarikakis (Harry Kindshofer) eine illustre Gästeschar in eine marodes, griechisches Gästehaus, wo diese ihr blaues Wunder erleben. Die Darsteller trumpfen in einem (aber-) witzigen Spiel mit Klischees, Kulturen und Charakteren gleichermaßen auf. Denn das Stück persifliert deutsche Urlauber - vom abenteuerhungrigen Single bis zum intellektuellen Bildungsreisenden - genauso wie vermeintlich griechische Eigenarten in Sachen Arbeitsmoral, Gastronomie und Gastlichkeit.

Trotz grassierender Grippewelle präsentierte sich das Ensemble in Bestform. Und man mag es nicht entscheiden, wem die Rolle des Griechen besser steht: Alexander Waldhier, der brillant mit griechischem Zungenschlag und Dauergrinsen den Hotelangestellten Costa mimt. Oder Harry Kindshofer, dem die Rolle des griechischen Hoteliers förmlich auf den Leib geschneidert ist: Goldkettchen, Sirtaki und griechische Lebensfreude inklusive. Und schon bei den ersten Silben des sächselnden „Animatörs“ Ludwig (Thomas Mach) bog sich das Publikum im ausverkauften Gemeindesaal vor Lachen.

Und dann erst die Deutschen: Helle Wolter als überarbeiteter, ausgefuchster Reisebüro-Chef versteht sich blendend darauf, eine baufällige Unterkunft in ungünstiger Lage gewinnbringend an den Mann zu bringen. Markus Streitberger, als hypochondrischer Urlauber mit Olivenöl-Intoleranz, seine dominante Gattin (Christina Karl), ein ungleiches Zwillingspaar auf der Suche nach amourösen Abenteuern (Martin Schuster, Robert Walter), eine attraktive Schriftstellerin mit Schreibblockade (Carina Fritsch) und der distinguierte Professor (Klaus Stallmeister) mit seiner ruhebedürftigen Gattin (Gisela Fritschi) sowie die urkomische Karin Troidl als Erbtante Monika, die auch mal in einer „Bettszene“ zu sehen ist: Sie alle verkörpern die Gäste, die sich mit den Widrigkeiten in Hotelzimmern, Küche und Strand arrangieren müssen. Gewitzte Rhetorik, originelle Pointen und wunderbare Darsteller, die - oft von Szenenapplaus begleitet - beherzt aufspielten, ließen den Theaterabend zu einem „Happy Sunshine Smile Special“-Paket werden.

Das I-Tüpfelchen setzten Ute Dattinger, Renate Schmidmeier und Harald Kindshofer mit ihrer Version von „Griechischem Wein“, die Küchencrew und die Bühnenbildner, die nicht nur die Hotelrezeption, sondern auch noch zwei Gästezimmer neben der Bühne aufgebaut haben.

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