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Gute Freunde: Raissa und Klaus-Peter Nohr nahmen Hildegard Krost in ihre Mitte – und die trat bei ihnen daheim auf. 

Besuch von Hildegard Krost 

Große Schauspielkunst in kleinen Räumen

Wenn die gute Stube zum Theatersaal wird, dann rücken die Gäste gerne zusammen: Raissa und Klaus-Peter Nohr luden am Sonntag Nachmittag zu einem kulturellen Event der ganz besonderen Art.

Freising – Die Schauspielerin Hildegard Krost war zu Gast und rezitierte im Wohnzimmer ihres Hauses an der Heiliggeistgasse aus dem klassischen Epos „ Hermann und Dorothea“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Eines schon mal vorab: Dem neuen Trend „Wohnzimmer-Happening“, bei dem Menschen ihre Wohnung für kulturelle Events öffnen, ist das Ehepaar Nohr Meilenstiefel weit voraus. Knapp zwanzig Jahre ist es her, als das Ehepaar, das Ende des letzten Jahrhunderts von München nach Freising in das Alte Zollhaus an der Heiliggeistgasse gezogen war, die „Große Dame“ des deutschen Theaters zum ersten Mal zu Gast hatte. Eine langjährige persönliche Freundschaft verbindet das Ehepaar mit Krost, einer Schauspielerin, die mit ihren 91 Jahren immer noch auf den Brettern großer Bühnen Erfolge feiert.

„Wir haben Hildegard in München in vielen Rollen erlebt“, erinnert sich Raissa Nohr. Gut in Erinnerung sei das Ein-Personen-Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ des Dramatikers Peter Hacks, in dem Hildegard Krost die Frau von Stein mimte. Von vielen Theateraufführungen schwärmen Peter und Raissa Nohr noch heute. Sie seien glücklich, all dies erlebt haben zu dürfen.

Die beiden Räume im Erdgeschoss des Alten Zollhauses sind gerade mal zehn Quadratmeter groß. Doch kleine Aperitifs, Kaffee und Kuchen, die vor der Vorstellung gereicht werden, schaffen für die Gäste eine entspannte Atmosphäre.

Hildegard Krost – die übrigens zuletzt im November in der Rolle der deutschen Theater-Legende Tilla Durieux am Theater am Haidplatz in Regensburg zu sehen war – hat sich schon nach oben zur Bühne begeben. Krost rezitierte direkt vor den Gästen. Die Nähe zum Publikum ist ihr wichtig, sagt sie. Die wundervollen Jamben des klassischen Epos könne man so ganz anders auspacken. Krost verzichtete auf große Gesten, setzte auf Mimik und vor allem auf ihre Stimme. Innerhalb weniger Sekunden switchte sie zwischen verschiedenen Rollen, dem tiefen Bass von Hermanns Vater, der sanften Stimme der Mutter und steigerte sich vom Flüsterton zum Tremolo der Protagonisten. Das alles hatte Hörspielcharakter und sei auch noch erschreckend aktuell, waren sich die Gäste einig. Denn der Epos zeige auf, dass sich Geschichte wiederhole. 

Maria Martin

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