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Tolles Ambiente in wunderschöner Landschaft: Das Café im (und vor dem) Schafhof zieht auch viele Freisinger an. Hinter den Kulissen gab es jetzt ein merkwürdiges Pacht-Geschachere.

Groteskes Geschachere um das Café im Künstlerhaus

Das Schafhof-Schlamassel

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Freising - Das Café im Schafhof ist beliebt – vor allem wegen seines Ambientes in wunderschöner Landschaft. Doch hinter den Kulissen geht es weniger idyllisch zu. Seit Monaten gärt ein Streit um die Zukunft des Lokals – ein Konflikt mit bemerkenswerten Wendungen.

Seit fast sechs Jahren trägt das Café im Schafhof wesentlich dazu bei, Besucher in das Europäische Künstlerhaus zu locken, das mit Werkschauen von internationalem Rang glänzt. Doch jetzt wurde die bisherige Erfolgsgeschichte mit einem wenig ruhmreichen Kapitel fortgesetzt, in dem sich nicht nur eine hochrangige Behörde blamiert hat, sondern das auch voller Merkwürdigkeiten gespickt ist. So spielt unter anderem eine Meise eine Rolle, die in einem Briefkasten wohnt.

Die Misere begann, als Dino Corda, einer der drei Pächter des Schafhof-Cafés, im Frühsommer 2015 die Absicht erklärt hat, dem Schafhof den Rücken zu kehren und aus der GbR auszusteigen, in der das Pächter-Team organisiert ist. Wie Corda berichtet, wollten seine Kompagnons, Andreas Eckert und Matthias Franck, das Café im Rahmen dieser Gesellschaft bürgerlichen Rechts weiterbetreiben. Doch das war offenbar nicht im Sinne des Bezirks Oberbayern, dem das Haus gehört, und der vor Ort vom künstlerischen Leiter Eike Berg und der Hausverwalterin Beatrix Kornhaas vertreten wird. „Uns wurde gesagt: Passt auf, wir machen einen Schnitt und schreiben die Stelle neu aus“, berichtet Corda. „Ich fand das komisch: Drei Leute betreiben jahrelang einen Laden. Einer will aufhören, die beiden anderen möchten weitermachen. Da muss ich doch nicht neu ausschreiben.“

Noch befremdlicher wurde es für Corda, als der Bezirk seinen Partnern signalisierte, dass sie an der Ausschreibung gerne teilnehmen könnten: „Meine Kompagnons haben sich schon gewundert, dass sie sich quasi auf den eigenen Laden bewerben sollen.“ Sie taten es trotzdem – offenbar in der Annahme, dass einer der beiden den Zuschlag schon erhalten würde, wie Corda erzählt. „Sonst hätte man ihnen doch gleich sagen können: Bewerbt euch nicht, ihr habt eh keine Chance.“

Trotz allem scheinen die bisherigen Pächter dem Frieden nicht getraut zu haben. Zumindest brachten die drei bei Berg und Kornhaas einen Nachfolger ins Spiel, mit dem sie selbst gut hätten leben können: ein Wirt aus dem Landkreis Freising, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Der hätte die Ablöse für unser Kücheninterieur getragen, unsere Leute weiterbeschäftigt und den Laden in unserem Sinne geführt“, sagt Corda. Doch die Bewerbung kam erst gar nicht bei der Behörde an – oder zumindest verspätet. Offenbar lag die Ausschreibung tagelang im Briefkasten des Schafhofs. „Ich habe mich irgendwann erkundigt, was mit meiner Bewerbung los ist“, berichtet der Gastronom. Die verblüffende Antwort, die er am anderen Ende der Leitung erhält: Der Briefkasten werde nicht mehr geöffnet, weil dort eine Meise niste. „Das ist doch absurd. Wenn ich einen Briefkasten nicht mehr ausleere, kann ich ihn gleich abbauen.“

Ob seine Unterlagen jemals bei den anderen Bewerbungen für die Ausschreibung angekommen sind – der Gastronom weiß es nicht, und die Vertreter des Bezirks verraten es nicht. Berg und Kornhaas, denen Corda die Schuld an dem Schlamassel zuschreibt, verweisen an Constanze Mauermayer, Pressesprecherin des Bezirks, und die wiederum verweist darauf, dass es sich bei einer Ausschreibung um ein vertrauliches Verfahren handle. Aber warum hat man überhaupt auf diese Ausschreibung gedrängt, wo doch zwei bewährte Kräfte weitermachen wollten? „Der Bezirk ist aufgrund von Äußerungen aus dem Kreis der Pächter gegen Mitte vergangenen Jahres davon ausgegangen, dass diese das Pachtverhältnis beenden wollen“, schreibt Mauermayer. Und warum wurde den beiden dann empfohlen, sich im Rahmen der Ausschreibung nochmal zu bewerben? „Bei einer Ausschreibung steht es jedem Interessenten frei, sich zu bewerben. Dies gilt selbstverständlich auch für bisherige Vertragspartner.“

Den Zuschlag soll schließlich das Catering-Unternehmen Muskat aus Zolling bekommen haben, verrät Corda. „Als wir wissen wollten, wie es denn nun mit der Ablöse für unser Küchen-Interieur aussieht, kamen von der Gegenseite komische Kommentare – etwa, dass unsere Forderungen völlig überzogen seien.“ Mit dem Caterer selbst kamen die GbR-Mitglieder nie in Kontakt. „Das war offenbar nicht gewollt.“

Also ziehen die drei Pächter eine andere Karte. Denn der Bezirk leistet sich einen unglaublichen Patzer: Er hat der GbR nie die Kündigung ausgesprochen. Eine Ausschreibung hätte noch gar nicht erfolgen dürfen. „Bedauerlicherweise ist dem Bezirk Oberbayern hier ein formaler Fehler unterlaufen“, räumt Mauermayer ein. Die Folge. Der Pachtvertrag hat sich um ein Jahr verlängert, ist jetzt bis zum Frühjahr 2017 gültig. Und Corda? Bleibt noch ein Jahr mit an Bord. Denn, so sagt er: „Das hat jetzt etwas mit Loyalität gegenüber meinen beiden Kompagnons zu tun.“ Wie Mauermayer mitteilt, haben inzwischen Gespräche mit allen Betroffenen stattgefunden: Es geht weiter wie gehabt.

Berg, der nächste Woche das Jahresprogramm vorstellen will, kann damit offenbar gut leben. Der künstlerische Leiter des Schafhofs sagt: „Mir ist wichtig, dass das Café weiterhin seine positive Rolle spielt und die erfolgreiche Entwicklung der Kunstvermittlung mit dem Europäischen Künstleraustausch und internationalem Ausstellungsprogramm unterstützt.“

Das ist auch der Wunsch des Freisinger Bezirksrats Johannes Becher (Grüne). Der hat sich in der Causa an Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer gewandt. Tenor seines Schreibens: Wie konnte es zu dem Schlamassel kommen, und wie lässt sich so etwas in Zukunft verhindern? Bechers wichtigste Botschaft aber lautet: „Die positive Entwicklung des Schafhofs soll auch in Zukunft weitergehen Ein attraktives Café ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.“

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