Gemeinsame Arbeit an einem Herzensprojekt: (v.l.) Sebastian Thaler, Bürgermeister in Eching, Matthias Heidler, Geschäftsführer des HPCA, Christoph Böck, Bürgermeister in Unterschleißheim, und Architekt Norbert Koch vor der Baustelle zum HPCA-Neubau am Geflügelhof in Hollern. Foto; förtsch

Grundsteinlegung für besondere Appartements

Eching - Den wohl letzten schönen Spätsommertag des Jahres hat sich das HPCA für das ersehnte Wohnhaus in Hollern gesichert. Bei der Grundsteinlegung im alten Geflügelhof freuten sich die Bürgermeister von Eching und Unterschleißheim über ein Projekt mit Vorbildcharakter.

Im Heilpädagogischen Centrum Augustinum (HPCA) in Hollern sind seit 1954 behinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene eingeladen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. In der freundlich gestalteten Anlage am Geflügelhof 16 arbeiten Behinderte vornehmlich in der Gärtnerei. Der Betrieb beliefert sogar Kunden aus der Wirtschaft. Der voraussichtlich im Juli 2017 fertiggestellte Neubau bietet Behinderten die Möglichkeit, im HPCA zu leben. Zur Zeit sind die „Hollerner“ auf HPCA-Wohnheime in München und im Landkreis-Norden verteilt. Das Gros der Leute wohnt in der Sondermeierstraße (Unterföhring).

Gerdi Seibold etwa ist schon eine Weile mit von der Partie in Hollern. Jetzt freut sie sich auf ein eigenes Zimmer mit Bad - auf viel Platz im neuen Haus, darauf, „Zeit mit Freunden zu verbringen, einem Hobby nachzugehen und im Garten die Sonne zu genießen“. Für 6,3 Millionen Euro entstehen in dem Neubau 39 modern eingerichtete Appartements. Jeder Bewohner ist mit seinem Appartement Teil einer sechsköpfigen Wohngruppe. Wie die übrigen Gebäude im Geflügelhof wird der Neubau mit Holz vertäfelt. Das Dach wird begrünt.

Die Idee, Wohnen und Arbeit an einem Ort zu verknüpfen, gefällt HPCA-Geschäftsleiter Matthias Heider besonders gut an dem Projekt. „Wo gibt es das sonst noch in unserer arbeitsteiligen, industrialisierten Welt?“ Dabei meint er, sie täglich zu spüren, diese Lust auf ein naturnahes, idyllisches Leben in einer intakten sozialen Gemeinschaft. „Ein Leben, um das uns mit Sicherheit einige großkopferte Schwabinger beneiden werden.“ Ähnlich sieht das Jutta Simon. Für die Dienststellenleiterin aller HPCA-Wohngruppen bietet der Neubau Bewohnern und Beschäftigten Räume, „in denen Beziehungen intern und extern wachsen werden“. Viel Wert legt sie auf weiterhin gute Kontakte zur Nachbarschaft.

Aus dem Nachbarort angereist ist Christoph Böck (SPD), Bürgermeister von Unterschleißheim. Ein möglichst selbstbestimmtes Leben, eingebettet in ein gutes Gemeinschaftsgefühl - all das sieht er in Hollern gewährleistet. Dass seine Anfahrt vom benachbarten Unterschließheim kürzer war, als der Weg, den der Kollege aus Eching zu bewältigen hatte, veranlasste Böck, ein wenig Salz in offene Wunden zu streuen. Er habe ja Bedenken gehabt, überhaupt erscheinen zu dürfen, sagte er spitzbübisch. Schließlich gehöre der Geflügelhof formal zu Eching. Böck weiß ganz genau, dass nicht wenige Bürger des Echinger Ortsteils lieber Unterschleißheimer wären. „Darüber werden wir noch sprechen, lieber Kollege“, kündigte Sebastian Thaler (SPD) gegenüber an.

Vorerst ist Thaler erst einmal „froh und auch etwas stolz, dass HPCA in Eching ein Gebäude baut“, dem der neue Rathauschef als Musterbeispiel durchaus eine Vorreiterrolle für ähnliche Projekte zutraut. Demnächst steht für den noch in München lebenden Thaler ein Umzug ins Haus. „Ich beneide Sie um diese gepflegte, schöne Einrichtung“, sagte er: „Wenn ich meinen Garten dagegen sehe. . .“

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