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Eines der ältesten Motorräder der Welt dürfte dieses Dampfmotorrad sein, das Rudolf Lang nach alten Plänen nachgebaut hat.

Kaiserzeitausfahrt in Haag

Das Familienfest der Oldie-Enthusiasten

Die Kaiserzeitausfahrt hat sich mittlerweile zu einer europäischen Veranstaltung entwickelt. Sie fand heuer zum siebten Mal unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Anton Geier in Haag statt.

Haag – Pressesprecher Professor Thomas Stauffert bezeichnete das Treffen der Motorrad-Enthusiasten als „internationales Familienfest“, bei dem Teilnehmer aus Deutschland, den Niederlanden, England, Schottland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, aus Tschechien und Belgien in der Haager Schlossallee beim Biertrinken an einem Tisch sitzen, ihrem ausgefallenen Hobby frönen und ein vereintes Europa bemerkenswert vorleben würden. Viele sind Teilnehmer der ersten Stunde und gehören somit zur Familie der Fans alter Motorräder, die das Wissen und die Begeisterung über das wertvolle technische Kulturgut für die Nachwelt erhalten wollen.

Am Wochenende verwandelte sich die Haager Schlossallee zum Start- und Zielpunkt dieser ungewöhnlichen Ausflugsfahrt, als sich die Besitzer historischer Motorräder aus den Baujahren vor 1924 trafen, um alte Freundschaften zu pflegen und zu fachsimpeln.

Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Oldtimertreffen wurde übrigens bereits vor gut sieben Jahren am Münchener Motorrad Oldtimer Stammtisch (MOMS) geboren. Initiator der Veranstaltung war Stammtischfreund Manfred Schlottau, der die erste Ausfahrt im Jahr 2011 auf die Beine stellte. Während seinerzeit bei der Jungfernfahrt nur etwa 40 Maschinen an den Start gegangen waren, habe sich die Zahl in den folgenden Jahren rasch auf über 80 Motorräder erhöht, berichtet Thomas Stauffert. Aufgrund der vielen Treffen seien europaweite Freundschaften entstanden, man treffe sich auch außerhalb der Ausfahrten und pflege beste Kontakte miteinander.

Stolz ist der Besitzer auf sein 100 Jahre altes Gefährt, das die Ausfahrt gut überstand.

Wer nun meint, das Motorrad-Hobby sei reine Männersache ist weit gefehlt, denn im Starterfeld waren heuer auch einige Damen zu sehen, die ein 100 Jahre altes Motorrad fahren – und vor allen Dingen beherrschen.

Wie robust die damalige Technik war, konnte man am guten Erhaltungszustand der Maschinen erkennen. Ein Großteil der Motorräder war fahrtauglich, obwohl sie nie restauriert wurden.

Wie man dereinst die menschliche Muskelkraft durch Dampfkraft zu ersetzen suchte, zeigte Rudolf Lang mit seinem Dampfmotorrad als Höhepunkt der siebten Kaiserzeitausfahrt. Die dampfgetriebene Maschine versetzte die Haager Gäste – ähnlich dem Gefährt des badischen Forstmeisters Freiherr von Drais im Jahr 1817 – in Staunen, als sie sich am Samstagnachmittag entlang der gesperrten Zufahrt zur Schlossallee in Bewegung setzte und in erstaunlichem Tempo an den Zuschauern vorbei knatterte.

Organisiert hatten die Kaiserzeitausfahrt auch heuer Otto Schwarz nebst Ehefrau Irmi Schwarz-Leeb, Franz Pelkermüller, Andreas Huber sowie Professor Thomas Stauffert. Los ging es am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr nach einer festgeschriebenen Reihenfolge. Vorher wurden die Maschinen von den Ingenieuren des TÜV Süd auf ihre Verkehrssicherheit geprüft. Die Reiseroute führte auf einer markierten Strecke von Haag über Zolling, Wolfersdorf, Schweitenkirchen, Scheyern, Schrobenhausen, Ilmmünster, Paunzhausen, Aufham und Kirchdorf zurück nach Haag. Streckenposten halfen an unübersichtlichen Stellen oder auch bei Steigungen, wenn zwei Pferdestärken am Berg einmal nicht rauseichten. Wer hängen blieb, wurde samt Schmuckstück in den „Besenwagen“ von Rosi Pelkermüller verfrachtet und sicher heimgebracht. Zum Schluss bekam jeder Fahrer eine Medaille als kleine Erinnerung an die Sternfahrt.

Mit von der Partie waren bei der diesjährigen Auflage längst vergessene Motorradmarken wie Achilles, Rösler & Jauernig, Indian Special Racer, Royal Enfield und natürlich uralte Modelle von Harley Davidson, Wanderer oder Husqvarna.

Wolfram Riedel

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