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Was ist denn jetzt passiert? Während bei den Heimbewohnern Panik herrscht, wirkt die Schwester beim Betreten des Raums relativ entspannt.

Gesellschaftskritisches Stück

Happy-End im Herbst des Lebens: Komödienbrettl Haag begeistert mit „Weidmanns Heim“

Kurios, böse und rabenschwarz war das Stück, das das Haager Komödienbrettl präsentierte. Das Publikum hatte mit „Weidmanns Heim“ trotzdem seinen Spaß.

Haag – Nach dem besinnlichen Stück „Ich bin schon da“ über den Jakobsweg überraschten die Haager Schauspiel-Akteure dieses Mal die Zuschauer mit der kuriosen, bösen und ziemlich rabenschwarzen Komödie namens „Weidmanns Heim“ – die in einem Pflegeheim spielt. Ziel des Marchenbacher Autors Reinhard Seibold war es zweifellos, dem Zuschauer die aufkommende Tristesse im Alter zu zeigen. Er führte Widersprüche und Ungerechtigkeiten unseres Gesellschaftssystems dem Publikum vor.

Happy-End mit Video

In vielen Pflegeheimen dürfte es, genauso wie in dem Stück, traurig, trist und farblos für die meisten Bewohner sein. Die Zuschauer wurden jedoch durch Gags und Sprüche, über die sie nachdenken konnten, aufgeschreckt, wobei die Laienschauspieler mit ihrer Gestik bewiesen, dass in ihnen manchmal auch eine Superkraft stecken kann. Das Happy-End der ins Heim abgeschobenen Senioren erlebten die Gäste mithilfe eines Videoclips, professionell gestaltet vom Haager Kameramann Reimund Berg.

Nichts für schwache Nerven war „Weidmanns Heim“. Das Publikum hatte trotzdem seinen Spaß.

Stimmung wie in der Leichenhalle

Zum Inhalt des Stücks: In der Station „Schlussakkord“ des Senioren- und Pflegeheims Endspurt hat es zu Beginn den Anschein, dass die dort lebenden Bewohner bereits mit einem Fuß die Grenze des Jordans überschritten haben. Der ehemalige Tierarzt Ben Metzger alias Richard Fischer, die früher als Stewardess tätige Elke Winter, verkörpert von Elke Pump, der pensionierte Beamte Moritz Untreu (Reinhard Seibold) und die ausrangierte Maskenbildnerin Uschi Keramik (Uschi Weigslberger) haben eine Gemeinsamkeit: Ihnen fehlen die Verwandten, dafür haben sie eine frischen Wunde am rechten Oberbauch. Als der neue Bewohner Horst Dunkler (Richard Pflügler), der sein Bestattungsunternehmen aufgegeben hat, zu dieser Gruppe stößt, merkt er bald, dass hier eine Stimmung herrscht wie in seiner Leichenhalle.

Turbulente Angelegenheit

Es dauert nicht lange, da ist auch Dunkler auf dem Level seiner Mitbewohner. Verantwortlich dafür sind Dr. Wolfgang Dreiecks (Thomas Hoffmann) und Schwester Esther Rinds (Vanessa Landgraf), die wohl unter einer Decke stecken. Als die neue Schwester Saya (Bernice Quinz) in die Station versetzt wird, erwachen die Halbtoten plötzlich zum Leben – und dann wird daraus durchaus eine turbulente, allerdings nicht unblutige Angelegenheit.

Mit Selbstironie und ansteckender Freude

Gespielt und erzählt wurde eine hoch ironische, böse und sprühende Geschichte über den Herbst des Lebens, bei der Gesellschaftskritik auf Komik und Melancholie stößt. Den stärksten Auftritt des Abends lieferte Hauptdarstellerin Vanessa Landgraf zusammen mit Thomas Hoffmann, die beide eine großartige Bühnenpräsenz an den Tag legten. Ebenso souverän präsentierten sich Richard Pflügler und Reinhard Seibold sowie Bernice Quinz. Lautstark und mit vollem Körpereinsatz bewiesen die Darsteller viel Selbstironie und eine ansteckende Freude am Theaterspiel.

Die Haager Laienspieler meisterten die Herausforderungen mit Bravour, und die Haager Besucher belohnten das Ganze mit Szenenapplaus. Das bestens aufeinander eingespielte Team erwies sich als Garant für eine schräge Komödie, die allerdings nichts für schwache Nerven ist. Wolfram Riedel

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