Als billige Entsorgungsstätte für zweifelhaften Abfall wurde die Kiesgrube in Plörnbach genutzt. Im Hintergrund ist die bereits kultivierte Kiesgrube zu sehen.
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Als billige Entsorgungsstätte für zweifelhaften Abfall wurde die Kiesgrube in Plörnbach (Gemeinde Haag) genutzt. Im Hintergrund ist die bereits kultivierte Kiesgrube zu sehen.

Asbesthaltiges Material entsorgt

Kiesgrubenbesitzer vermutet Umweltskandal: Untersuchungen laufen

Der Besitzer eine Kiesgrube in Plörnbach (Gemeinde Haag) schlägt Alarm. Sein Verdacht: Der Pächter soll dort jahrelang umweltschädliches Material entsorgt haben.

Haag/Plörnbach - Gerhard Herrmann, ist stocksauer. Vor zwei Jahren hat er für sein Erdbau- und Abbruchunternehmern eine Kiesgrube in Plörnbach angekauft, für die es seit 1998 die Genehmigung zum Trockenkiesabbau gibt. Der Pächter seiner Kiesgrube, eine Firma aus dem Landkreis Freising, die dort mit Erlaubnis des Freisinger Landratsamtes seit 1998 Kies abbaut, soll, so Herrmanns Verdacht, bei der Wiederverfüllung möglicherweise auch asbesthaltiges Material verfüllt haben. Neben normalem Bauschutt, Beton oder Ziegel sollen auch Materialien wie Kunststoff, Metall, Pressspanplatten, Linoleum und Dachpappe entsorgt worden sein. Zuerst berichtete der Bayerische Rundfunk darüber.

Spuren von krebserregenden Stoffen - Gefahr für Grundwasser?

Als Beweis legte Gerhard Herrmann Fotos vor, die die Umweltsünden belegen sollen. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, habe ihm der Pächter den Zutritt zu seinem eigenen Grundstück verwehrt. Herrmann ließ auf eigenen Auftrag Löcher in das danebenliegende – vom Pächter bereits rekultivierte Grundstück – graben, in dem dieser früher ebenfalls Kies abgebaut und Schutt verfüllt hatte. Nachträglich ließ Herrmann zwei Privatgutachten erstellen. Das Ergebnis: Im Erdreich aus dem Nachbargrundstück gebe es Spuren von krebserregenden Stoffen. Eine Gefahr für das Grundwasser könne nicht ausgeschlossen werden. Der Grundstücksbesitzer wandte sich an die Öffentlichkeit – in Sorge, dass er, wenn der Verdacht stimme, als Eigentümer irgendwann einmal für die Fehler seines Pächters haftbar gemacht werden könne.

Besitzer konfrontiert Pächter mit Vorwürfen - und kassiert Betretungsverbot

Nach der Recherche des Bayerischen Rundfunks soll es bereits in der Vergangenheit zu Verstößen gekommen sein. Baustoffe, die der Pächter eigentlich nicht hätte verfüllen dürfen, seien seit 1999 insgesamt neun Mal gefunden worden, berichtete das Freisinger Landratsamt auf Anfrage des BR. Allerdings habe der Pächter auf den Appell der Behörde hin immer alles ordnungsgemäß entsorgt. Es seien auch keine giftigen Stoffe im Grundwasser gefunden worden. Konkret lägen dem Landratsamt Freising keine Erkenntnisse vor, die weitergehende Maßnahmen rechtfertigen würden, hatte die Kreisbehörde zunächst mitgeteilt.

Landratsamt leitet weitere Untersuchungen der Kiesgrube ein

Der Gruben-Pächter selbst wollte sich nicht äußern. Er habe stets ordnungsgemäß verfüllt, ließ er dem BR über seine Anwältin mitteilen. Wie das Freisinger Landratsamt am Freitagnachmittag jedoch mitteilte, sollen nun doch Untersuchungen in der Grube stattfinden. Wenn Ergebnisse vorlägen, werde über das weitere Vorgehen entschieden. „Das Landratsamt Freising und das Wasserwirtschaftsamt München überwachen den betroffenen Betrieb seit dessen Genehmigung zum Trockenkiesabbau mit Wiederverfüllung regelmäßig. Zu einer Grundwassergefährdung kam es im gesamten Zeitraum nicht“, heißt es seitens der Freisinger Behörde.
Maria Martin

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