+
Über die Schutzfunktion und die Wirtschaftlichkeit des Waldes informierten sich die Waldbesitzer bei der Exkursion in den Auenwald westlich von Inkofen.

Winterversammlung der Waldbesitzervereinigung

Sozialer Wohnungsbau der Natur

In freier Natur fand am vergangenen Donnerstag die Winterversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) in den Amperauen westlich von Inkofen statt. Hauptthema waren die sogenannten Biotop-Bäume.

Haag – Die beteiligten Waldbesitzer erfuhren durch die beiden Referenten Andreas Ploner und Ingo Kellner, wie man Naturschutz und Forstwirtschaft in Einklang bringen könne. Ingo Kellner, seines Zeichens Förster bei der Waldbesitzervereinigung, sprach zu Beginn über Pflanzenbestellung, Holzsortierung, Durchforstungsarbeiten, Marktlage und die aktuellen Holzpreise sowie über das Holzaufkommen in der Zukunft, während bei Andreas Ploner (Natura 2000-Gebietsbetreuer) die biologische Seite des Waldes und der damit verbundene Vertragsnaturschutz im Vordergrund stand. Das Waldgebiet neben den Amperauen in der Nähe von Haag hatte man ausgewählt und in Augenschein genommen, weil es besonders gut erreichbar und vor allem sicher begehbar ist – und gleichzeitig über viele Biotop-Bäume verfügt.

Im Auwald wachsen Laubbäume wie Pappeln, Eichen, Weiden, Heimbuchen, Eschen und Erlen. Den Besitzern von Fichten-Wäldern wurde empfohlen, die Bäume auf Käfer zu kontrollieren. Der Borkenkäfer lebe in den Baumrinden und werde im kommenden Jahr wieder massiv auftreten, meinten die Experten. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang über Käfer-Fallen, die jedoch bisher keine befriedigenden Ergebnisse gebracht hätten.

Und dann wanderte die Gruppe vom Amperkanal aus über eine Wiese in den kahlen Auenwald. Mitten im tiefen Wald hatte Andreas Ploner eine Schautafel aufgestellt, auf der er Farbfotos von seiner Urlaubsreise nach Kanada zeigte. Anhand der Farbbilder erklärte er der Besuchergruppe den Unterschied der Waldbewirtschaftung in Bayern gegenüber Kanada. Dort gäbe es großflächige Kahlschläge, aber auch viele Nationalparks ohne Nutzholzernte, die ausschließlich der Erholung dienen würden. Mit Hilfe von Schautafeln zeigte Ploner den Waldbesitzern die einzelnen Waldfunktionen. In der Nutzfunktion gehe es um Holz, Papier, Beeren, Pilze, Jagd und Einkommen, während die Schutzfunktion den Lebensraum, Natur, Wasser, Luft, Lawinen und Steinschlag beinhaltet. Der Wald habe aber auch eine Sozialfunktion, denn er diene gleichzeitig der Erholung sowie der Gesundheit, sei Arbeitsplatz, Freizeitraum und Landschaftsbild.

Typische Biotopbäume hatte Andreas Ploner vorab mit Nummern-Schildern versehen. Er machte die Exkursionsteilnehmer auf die vorhandenen Höhlen der Schwarz- und Buntspechte aufmerksam. Nach den Spechten würde der Waldkauz die verlassenen Baumhöhlen benutzen. In den Baumhöhlen leben weiterhin Tauben, Stare, Stockenten, Fledermäuse, Eichhörnchen sowie Siebenschläfer, Haselmäuse, Hornissen und Bienen. Deshalb sei es wichtig, einen Teil des Totholzes stehen zu lassen, damit der „soziale Wohnungsbau der Natur“ für Tiere erhalten bleibe.

Nach so viel Biotop-Ausführungen gab Förster Ingo Kellner den Waldbauern noch wertvolle Tipps zur Marktlage und nannte die derzeitigen Durchschnittspreise für Frischholz, Papierholz sowie Brenn- und Langholz. Wolfram Riedel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fahrer streiken - Etliche Freisinger warten vergeblich auf  Stadtbusse
Fahrer streiken - Etliche Freisinger warten vergeblich auf  Stadtbusse
Das neue Testzentrum in Freising: So funktioniert’s
Das neue Testzentrum in Freising: So funktioniert’s
Neue Coronafälle an der Mittelschule Moosburg: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
Neue Coronafälle an der Mittelschule Moosburg: Zwei weitere Klassen in Quarantäne
„Viel zu spät“: Bund Naturschutz kritisiert Klimaschutzgesetz vehement
„Viel zu spät“: Bund Naturschutz kritisiert Klimaschutzgesetz vehement

Kommentare