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„Kindheit muss Kindheit bleiben“: Haags Schulleiterin Kerstin Rehm hatte mit dem Autoren Josef Kraus einen absoluten Hochkaräter im Bereich Bildungskritik eingeladen. Sein Buch „Helikopter-Eltern“ ist ein Bestseller.

Bestellerautor Josef Kraus zu Gast in Haag

Wenn aus Fürsorge absolute Kontrolle wird

Haag - Erziehung braucht Leichtigkeit und Humor. Davon ist Bestsellerautor Josef Kraus überzeugt. Wie das umzusetzen ist, erklärte er nun in einem Vortrag in Haag.

„Erziehung heute – ein Spagat zwischen Führen und Wachsenlassen.“ Josef Kraus ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und gleichzeitig Buchautor. Aus seiner Feder stammt der Bestseller „Helikopter-Eltern“. Auf Einladung der Schulleiterin Kerstin Rehm war Josef Kraus in die Grundschule nach Haag gekommen. Und das Interesse der Eltern war überwältigend. Kein Wunder, gilt Kraus doch als einflussreichster deutscher Bildungskritiker der letzten 30 Jahre. Außerdem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Das besondere an dem Abend: Die Eltern nahmen nicht nur zahlreiche wichtige Infos in Sachen Erziehung mit nach Hause, sondern fühlten sich zudem von der ersten bis zur letzten Minute des Vortrags amüsiert und unterhalten. Und das, obwohl Kraus den Erziehungsberechtigten – den Eltern ebenso wie den Lehrern – einen Spiegel vorhielt; ganz in Anlehnung an an einen Fernsehauftritt vor Jahren in einer Sendung mit dem provokanten Titel „Verwöhnt vom Kreissaal bis in den Hörsaal – Erziehen wir eine Generation Weichei?“ Nach dieser Sendung trat ein Verlag an Kraus heran mit der Bitte, er möge zu diesem Thema ein Buch schreiben. Und auch, wenn er das nie vorgehabt hatte, sagte er Ja. Das Buch wurde ein voller Erfolg. Im Rahmen seines Vortrags stellte Josef Kraus acht Thesen und drei Appelle auf. Sowohl zu wenig, als auch zu viel elterliche Fürsorge können enorme Auswirkungen auf das spätere, eigenständige Leben von Kindern haben, so seine Überzeugung. Er erklärte den interessierten Eltern – viele von ihnen saßen unter seinen Zuhörern – dass überzogene Fürsorge oft mit absoluter Kontrolle zusammen kommen. Die Eltern wollen ihren Kindern jeden Wunsch erfüllen, gleichzeitig jedoch möchten sie die absolute Kontrolle über das Leben ihres geliebten Sprösslings behalten. Eine weitere, immer mehr verbreitete Art der Erziehung sei der Förderwahn, in den Mütter und Väter oftmals verfallen. Eltern drängen ihre Kinder dazu, ihr Können in jeder Hinsicht extrem auszuschöpfen. Kraus sprach von der Vision des „maßgeschneiderten Designer- und Premiumskindes“. Der Ehrgeiz sei dabei größer als das Leistungsvermögen der Kleinen. So sportlich wie möglich, Gesangsunterricht hier, Nachhilfe da – der Druck, der hierbei für den Nachwuchs entsteht, sei enorm. Am Ende des Vortrags mit großem, nicht immer leicht verdaulichem Wahrheitsgehalt, sprach sich Josef Kraus für eine Erziehung mit der richtigen Mischung aus Führen und Wachsenlassen aus: Man müsse einen Mittelweg finden zwischen geschehen lassen und Führen. Jede einseitige Betonung sei falsch, es gäbe in jeder Situation einen geeigneten Kompromiss. Und: „Erziehung braucht Leichtigkeit und Humor.“ Schulleiterin Kerstin Rehm rief die Eltern dazu auf, der Schule und ihren Lehrkräften mehr zu vertrauen, insbesondere die Lehrer nicht als Gegner zu sehen. „Das innere Bestreben von Schule und Lehrern ist es, gemeinsam mit den Eltern das Beste für die Kinder zu tun“, sagte Rehm. Darüber hinaus gehe es auch darum, Konflikte auszuhalten, keine Angst vor einem etwaigen Liebesentzug seitens des Kindes zu haben, wenn Eltern einmal nicht alle Wünsche des Kindes erfüllen und bei Problemen auch mal „die Kirche im Dorf“ zu lassen. Doch das Wichtigste: „Kindheit muss Kindheit bleiben“.

Pascale Fuchs

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