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Heimische Politprominenz scharte sich um den hohen Gast Wolfgang Bosbach (2. v. l.): Franz Donauer (CSU-Ortsverbands-Vorsitzender), Florian Herrmann (Staatsminister) sowie Franz Obermeier (früher MdB; v. l.).

CDU-Größe zu Gast

Wolfgang Bosbach in Marchenbach: „Ohne Einigung gibt‘s nur Verlierer“

Ein CDU-Mann redete Klartext: Am Montagabend war Wolfgang Bosbach in Obermarchenbach zu Gast. Und ohne das Ergebnis im großen Asylstreit von CSU und CDU zu kennen, lautete seine Einschätzung: „Es wäre eine Tragödie, wenn die Union auseinanderginge.“

Haag – Als der CSU-Kreisverband Freising Wolfgang Bosbach für den vergangenen Montagabend nach Obermarchenbach einlud, konnte keiner ahnen, dass gerade an jenem Tag der Streit in der Asylfrage zwischen CSU und CDU seinen Höhepunkt erreicht hatte und just in der Stunde, als Bosbach in der Gemeinde Haag vor versammelter CSU-Landkreis-Prominenz referierte, beigelegt wurde. Jeder Stuhl im Festsaal des Gasthauses Stegschuster war belegt. Florian Herrmann bezeichnete die politische Veranstaltung am Montag als „die Größte je in Marchenbach Dagewesene“.

Empfangen wurde Bosbach bereits bei seiner Ankunft mit stürmischem Applaus. Der CDU-Politiker war von Februar 2000 bis November 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union und von November 2009 bis Juli 2015 Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, saß bis Oktober 2017 im Bundestag. Wolfgang Bosbach trat nach den Begrüßungen durch Bezirksrat Simon Schindlmayr und Staatsminister Florian Herrmann auf die Bühne und richtete zunächst eine Bitte an die Gäste: „Halten sie ihre bayerische Heimat in Ehren, auch in turbulenten Zeiten“. Bei aller Turbulenz sollten Maß und Mitte erhalten bleiben, sagte er. Er hoffe auf eine Einigung der beiden Schwestern-Parteien, ansonsten gäbe es nur Verlierer. Es wäre eine Tragödie, wenn die Union auseinander ginge, sagte Bosbach, ohne zu wissen, dass während er diese Worte sprach die beiden Parteien ihren Streit beilegten.

Kein Stuhl blieb leer, als Wolfgang Bosbach (CDU) über Asylpolitik, den Streit zwischen CSU und CDU und den Problemen einer unkontrollierten Zuwanderung ausführlich Stellung bezog.

In seiner Rede blickte er auf erfolgreiche 68 Jahre Bundesrepublik Deutschland zurück. In Europa seien nach dem Zweiten Weltkrieg Feinde zu Freunden geworden. Ein Zerfall der EU würde zu einer Katastrophe führen. Bosbach nahm ausführlich Stellung zur Flüchtlingspolitik, zur Problematik der Zuwanderung und er lobte das ehrenamtliche Engagement der Flüchtlingshelfer. Er erinnerte an die vielen Gastarbeiter, die nach Deutschland gekommen seien. „Deutschland ist kein ausländerfeindliches Land, wir haben bisher viele Flüchtlinge aufgenommen, viel mehr als andere Länder.“ Nach dem Asylrecht von 1993 habe allerdings niemand, der aus einem sicheren Staat komme, Anspruch auf Asyl, betonte Bosbach. „Es kann nicht geduldet werden, dass Flüchtlinge durch ganz Europa wandern, um sich das Land mit dem höchsten materiellen Standard auszusuchen.“

Deutschland habe bislang bereits 890 000 Flüchtlinge aufgenommen, während andere Länder weniger als 1000 aufgenommen hätten, wobei diese Staaten Milliarden-Hilfe erhalten würden. Inzwischen habe sich die Sicherheitslage verändert, denn es kämen nicht nur Engel, sondern manchmal auch Ganoven zu uns. Alles, was die Kanzlerin wegen des Asylrechts in Brüssel beschlossen habe, bezeichnete Bosbach als unsicher, denn die europäische Rhetorik entspreche oft nicht der Realität.

Am Ende des Abends blickte Bosbach noch auf seine Kindheit zurück, wo zum Glücklichsein kein Handy notwendig gewesen war. „Heute ist Bildung wichtiger als Muskelkraft, denn wir leben in einer Industriegesellschaft, die sich zur Wissensgesellschaft gewandelt hat.“

Wolfram Riedel

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