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Immer mehr Grundschüler kehren in die Schulen zurück. In den Klassenzimmern wird auf Abstand geachtet, doch bereits in den Schulbussen ändert sich das.

Unterricht in der Pandemie

„Wir fühlen uns schon wie Zirkusdompteure“: Schulleiterin sieht Situation weiter kritisch

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Jetzt sind auch die Erstklässler in die Klassenzimmer zurückgekehrt. Daniela Nager, Leiterin der Grundschule Haag, befürchtet, dass es die Ruhe vor dem Sturm sein könnte. 

Freising – „Das ist Wahnsinn“: Mit deutlichen Worten hat Daniela Nager, Leiterin der Marina-Thudichum-Grundschule Haag, Ende April Kritik an der Schulöffnung geäußert. Seit einer Woche werden nun die Viertklässler unterrichtet, seit Montag sind auch die Erstklässler zurück.

Frau Nager, haben sich Ihre Befürchtungen bestätigt oder in der Praxis relativiert?

Das muss man noch abwarten. Die Viertler machen ihre Sache schon recht gut. Klar, ein paar Ausreißer sind immer dabei, die ermahnt werden müssen. Allerdings endet der Einfluss der Schule nach Unterrichtsschluss.

Schon im Schulbus gibt es keine Abstände mehr

Ob die Kinder sich auch nachmittags an alle Vorsichtsmaßnahmen halten, können Sie nicht steuern.

Nein, das fängt schon bei der Heimfahrt an. Auf dem Schulhof wird noch auf die Abstände geachtet, aber im Bus sitzen die Kinder dann doch direkt nebeneinander. Hinzu kommt, dass durch die Lockerungen eine Aufbruchstimmung entstanden ist. Da wird das Gefühl vermittelt, dass jetzt wieder alles erlaubt ist.

Daniela Nager leitet die Haager Grundschule.

Ein Gefühl, das möglicherweise auch die Eltern ihren Kindern vermitteln.

Wir haben jedenfalls Kinder, die nicht verstehen, warum sie sich vormittags an Regeln halten müssen, die nachmittags in ihrem Alltag offensichtlich nicht mehr existent sind. Die fragen sich schon: Was stimmt jetzt?

„Ich befürchte, dass dies die Ruhe vor dem Sturm sein könnte“

Und was stimmt?

Ich bin kein Experte. Ich befürchte, dass dies die Ruhe vor dem Sturm sein könnte. Interessant wird es ja nach Pfingsten, wenn alle Klassen wieder am Start sein sollen, und 50 Prozent der Schüler gleichzeitig im Haus sind. Es würde mich nicht überraschen, wenn es wieder zu Situationen kommt, dass ganze Klassen daheimbleiben oder Schulen schließen müssen.

„Bei den Erstklässlern werden Spieltrieb und Übermut zurückkehren“

Seit Montag sind auch die jüngsten Schüler wieder am Start. Sind Erstklässler wirklich schon in der Lage, eigenständig Mundschutz zu tragen und Abstände einzuhalten?

Das wird man sehen. Gestern hat es einigermaßen funktioniert. Aber generell waren die Kinder natürlich auch sehr verhalten, weil sie mit so vielen neuen Situationen konfrontiert waren - mit weit auseinanderstehenden Tischen, etlichen Pfeilen auf dem Boden, Abstandsmarkierungen, permanentem Händewaschen. Das hat unsere Erstklässler schon auch verunsichert. Ich gehe aber davon aus, dass in ein paar Tagen, wenn das für sie normal wird, Spieltrieb und Übermut zurückkehren und damit auch der Leichtsinn im Umgang mit den neuen Regeln an der Schule

Macht bestimmt nicht immer Spaß, fröhliche Kinder ständig zu ermahnen, Abstände einzuhalten?

(lacht) Mein Team und ich, wir fühlen uns schon ein wenig wie Zirkusdompteure, aber das gehört in dieser irren Zeit eben mit zum Job.

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