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Eine Atmosphäre der Angst herrscht im Haager Pfarrhaus, wo derzeit zwölf Flüchtlinge untergebracht sind. 

Flüchtlingsunterkunft in Haag

Asylbewerber versetzt Mitbewohner in Angst und Schrecken

Haag - Ein aggressiver Asylbewerber sorgt nach Mitteilung des Helferkreises in der Haager Flüchtlingsunterkunft für eine Atmosphäre der Angst. Der Afghane, der am Montag einen jugendlichen Flüchtling gewürgt und mit einem Messer bedroht habe, muss nun umziehen – aber erst nächste Woche. Einige Damen des Helferkreises trauen sich derzeit nicht mehr ins Pfarrhaus.

Der Flüchtling soll nach einem Bericht von Raimund Strolo aus dem Helferkreis am Montag gegen 13 Uhr in der Pfarrhaus-Küche einen Mitbewohner gewürgt und mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht haben. Grund: Das Baby des Angreifers sei wach geworden, weil der jugendliche Asylbewerber zu laut gewesen sei. Laut Strolo habe der Aggressor auch alle Anwesenden bedroht: Wer jetzt zur Polizei gehe, werde von ihm abgestochen. Trotzdem habe man den Vorfall bei der PI Freising zur Anzeige gebracht – allerdings erst fünf Stunden nach dem Vorfall, also um 18 Uhr. Die Polizei informierte daraufhin das Landratsamt noch am Abend per Fax.

Laut Strolo soll es sich bei dem Angreifer um einen polizeibekannten und bereits wegen schwerer Körperverletzung verurteilten Gewalttäter handeln. Erst im Herbst habe er eine Hausbewohnerin angegriffen und im Sommer bereits deren Ehemann attackiert. Der etwa 30 Jahre alte Afghane wohne zusammen mit seiner Frau und dem einjährigen Kind in einem Zimmer. Strolo: „Und immer, wenn das Baby schreit, tickt er aus“. Der Mann, so Strolo, sei offenbar schwer traumatisiert und psychisch instabil. „Noch vor einigen Monaten, als man noch mit ihm reden konnte, hat er zu mir gesagt: ,Wenn es in meinem Kopf klick macht, kann ich für nichts mehr garantieren‘.“

Die Atmosphäre im Pfarrhaus war nach der Attacke am Montag von Angst geprägt: Noch in der Nacht zum Dienstag wandten sich laut Strolo einige Hausbewohner an Mitglieder des Helferkreises, weil sie vor Angst nicht schlafen konnten. Am Dienstag habe man dann den zuständigen Asylsozialarbeiter im Landratsamt informiert: Aufgrund der „hohen Gefährdungslage“ könne der Helferkreis nicht mehr für die Sicherheit der Bewohner garantieren, lautete die Botschaft.

Auch gestern war die Situation noch nicht entschärft: „Alle schleichen auf Zehenspitzen in der Küche und im Haus herum“, schilderte Strolo. „Was passiert, wenn jemandem ein Glas herunterfällt? Wird er mit seinem Leben bezahlen?“ Strolo spricht von „Behördenversagen“, fordert eine „Sofortmaßnahme“ und schlägt vor, den wilden Mann, der schon aus drei Einrichtungen verwiesen worden sei, in die Unterkunft bei Wolfersdorf zu bringen. Dort gebe es „viel Raum und Ruhe“. In dem vergleichsweise kleinen Pfarrhaus in Haag wohnen zwölf Flüchtlinge – außer der Familie des Afghanen drei junge Männer, ein Ehepaar, ein junges Mädchen, zwei Frauen und zwei Schüler (ein Bub und ein Mädchen).

Noch am Mittwoch kam dann aus dem Landratsamt die Nachricht, dass der aggressive Flüchtling nächste Woche in die Flüchtlingsunterkunft nach Eching verlegt werde. So könne man die Situation in Haag „entzerren“. Der Afghane, der tatsächlich schon negativ aufgefallen sei, erhalte eine schriftliche „Umzugsaufforderung“. Er werde dann von Mitarbeitern des Landratsamts samt Familie nach Eching gebracht.

Einfach weggesperrt werden könne ein aggressiver Flüchtling laut Polizei übrigens nicht: Das Herumfuchteln mit einem Messer reiche nicht aus, um einen Angreifer zu inhaftieren. Aufgabe der Polizei sei es in diesen Fällen, sofort die Staatsanwaltschaft und die Behörden zu informieren. Man könne den Betreffenden nur in eine andere Unterkunft verlegen – wofür das Landratsamt zuständig sei. Streit und Auseinandersetzungen seien inzwischen in den Asyl-Unterkünften an der Tagesordnung: „Das hat nichts mit der Herkunft der Menschen zu tun“, sagt ein Sprecher. „Es sind einfach zu viele Menschen auf zu engen Raum.“

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