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Ehrliche, erdige Rockmusik und Lagerfeuerromantik – dafür steht Rock am Bad in Marchenbach. Das Feuer war eine von nur zwei mückenfreien Zonen . . .

Marchenbach

Rock am Bad: Fette Bässe und dicke Mücken 

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Marchenbach - Es ist klein, aber es ist fein. Es hat alles zwischen Lagerfeuerromantik und Badefreuden. Vor allem aber hat Rock am Bad das, was Marchenbach Berühmtheit verschafft: Rockmusik. Richtige, ehrliche und erdige Rockmusik – am Freitag aus bayerischen Landen, am Samstag von Bands aus Übersee.

Stammgäste wissen es, „Frischlinge“ hätten es sich denken können: Nach Marchenbach strömen Ende Juli nicht nur Fans harter Rockmusik, sondern auch Mücken. Viele Mücken. Sehr viele Mücken. Nur zwei Stellen gab es auf dem Festivalgelände, an denen man vor Stech-Angriffen verschont blieb: Ganz in der Nähe des großen Lagerfeuers oder direkt vor einer der Boxen, wo die Mücken allein durch den Druck der Bässe vertrieben wurden. Und Druck gaben die sechs Bands an jenen zwei Tagen genug. 

Mit Wohnwagen und Sofaecke lässt es sich aushalten bei Rock am Bad. Sechs Bands an zwei Tagen forderten aber auch einiges an Kondition von den Besuchern.

Die Sunbear Bluesband aus Landshut hatte am Freitagabend das liebens- und vor allem lebenswerte Open Air-Event stilecht eröffnet: Ob das nun rockiger Blues oder bluesiger Rock war, den die Combo aus der Niederbayern-Metropole mit an das Schwimmbad gebracht hatte, war nicht zu entscheiden. Und es war auch egal, denn was nach Eric Clapton, ZZ Top, Gary Moore oder auch den Rolling Stones klang, war als Opener ideal geeignet. Nicht zu vergessen, dass die Landshuter Gruppe auch eigene Songs mit im Gitarrenkoffer hatte. 

Mit Lem Motlow aus Dachau folgten die Sieger des letztjährigen Rockavaria-Contests: Hard Rock der alten Schule und in seiner reinsten Form – das ist die Welt der fünf Musiker. Ihr Credo, wie sie es am Freitag per Mikrofon verkündeten: „Das ist ein geiles Festival. Jetzt gibt es 90 Minuten Hard Rock!“ Und zwar, so wurde schnell klar, exzellent gespielten Hard Rock: Während die Dunkelheit über Marchenbach hereinbrach, glänzte das Quintett mit heftigen, aber sehr klaren und extrem exakten Riffs, schmutzigen, cool und rauchig vorgetragenen Lyrics, atemberaubend schnellen Gitarrensoli, knallharten Drums und gaaaanz fetten Bässen. Lem Motlow ließen es so richtig krachen, dass sich das Wasser im Schwimmbad kräuselte. 

Quasi das musikalische Gegenstück zum politischen Brexit ist das Alternative-Rock-Duo Dull Knife aus England.

Band Nummer 3 am Freitag kam aus der Oberpfalz-Metropole Regensburg, hieß The Mystic Eyes und stand für den Sound der 60er und 70er Jahre. Unvergessene Rockklassiker wurden nicht nur gespielt, sondern sie wurden gelebt und sie werden geliebt. Das merkte man bei diesem Best of-Programm mit Perlen der wilden 60er und 70er Jahre. Festivalfeeling pur schon jenseits von Mitternacht. 

Und in genau diesem Stil, mit genau derselben Qualität ging es am Samstag weiter – nur dass jetzt Bands von jenseits des Großen Teichs auf die Bühne kletterten. Da war zunächst die Monkey Day Parade aus den USA: Die Band aus Ohio kombinierte ganz verschiedene Einflüsse, herauskam ein grandioser Mix aus Psychedelia und Punk – mal ironisch, mal lustig, aber auch sehr ernst. 

Danach kam Dull Knife aus England – sozusagen also das musikalische Gegenstück zum politischen Brexit. Das Alternative-Rock-Duo setzt sich aus dem Bassisten und dem Drummer von The Pretty Things zusammen, Rocklegenden aus den 60er Jahren. George Woosey und Jack Greenwood heißen die Könner, die Dull Knife gegründet haben und seither durch die Lande touren. Dass sie nach Marchenbach kamen, adelte das Open Air. 

Zum Abschluss dann nochmal Rock aus den Staaten und zugleich eine Band, die seit Jahren in der Region zu den festen Größen der Szene gehört: Simeon Soul Charger aus Ohio. Wohl zum allerletzten Mal waren sie bei RAB zu sehen, denn die US-Boys haben kürzlich das Ende ihres Bandprojekts für Oktober angekündigt. Den Jungs persönlich „Good bye“ zu sagen, das ließen sich die eingefleischten Fans des ehrlichen, stampfenden, aber fein gespielten Rock’n’Roll nicht entgehen. 

Gut also, dass der Dialog zwischen Lem Motlow und dem Publikum nur ein Witz war: „Habt Ihr Bock auf Rock’n’Roll?“, wollten die Musiker wissen. „Jaaaaa!“, so die laute Antwort: „Sorry. Wir spielen heute nur Schlager."

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