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Wildkameras hat Jagdaufseher Stefan Strasser am Weidezaun installiert – und ausgewertet. Außer der Kuhherde waren seit Dienstag keine anderen Tiere auf der Weide.

Gerissenes Kalb sorgt für wilde Spekulationen

Der Wolf, der keiner war

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Haag/Amper - Auf der Weide eines Biobauern in Sollern liegt ein acht Tage altes Kälbchen. Was immer das Tier getötet hat, hat es übel zugerichtet. Der Tierkadaver ist ausgeweidet und halb gefressen. Am nächsten Tag geht in Haag das Gerücht um, ein graues Tier würde nachts durch die Straßen streifen. Ein Wolf?

„Vielleicht war es aber auch ein Ufo“, meint Jagdaufseher Stefan Strasser ironisch zu den Gerüchten, die in Haag die Runde machen. Wie es dazu kommen konnte, nach diesem Vorfall die Angst vor einem Wolf zu schüren, kann Strasser nicht verstehen. Fakt ist: In der Nacht vom vergangenen Freitag auf Samstag ist ein Kalb in offener Weidehaltung umgekommen. Wie es starb, von welchem anderen Tier (oder Tieren) es angefressen worden ist – darüber könne man nur spekulieren.

Gerüchte, wonach sogar die Kriminalpolizei bei dem Landwirt vor Ort gewesen sei, verwies Strasser ins Reich der Phantasie. Oder, anders gesagt: „Das ist ein Schmarrn!“ Er, Strasser, selbst Polizist, kümmert sich in seiner Freizeit um die Jagd. Und auch, wenn es laut Eva Dörpinghaus, Pressesprecherin des Landratsamts, theoretisch aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde möglich sei, dass ein allein wandernder Wolf bei uns anzutreffen ist: Die Beweislage am Tatort Sollern spricht nicht dafür. Das tote Kalb wurde am Dienstag von einem Experten genauer untersucht. „Es wurden keine Bissspuren im Halsbereich festgestellt“, fasst Michael Friedrich, Netzwerker des Wildtiermanagements „Große Beutegreifer“, das Ergebnis der Untersuchungen zusammen. Genau solche Bissspuren am Hals aber wären ein untrügliches Indiz dafür, dass entweder ein Wolf oder Luchs das Tier getötet hat. Und es spricht noch mehr gegen die Wolf-Theorie: „Es waren keine Innereien mehr da – auch kein Pansen. Und den hätte der Wolf auf jeden Fall liegen lassen.“ Wobei Friedrich einräumt, dass theoretisch ein weiteres Tier – ein Fuchs beispielsweise – am Kadaver gefressen haben könnte. Da der betroffene Landwirt aber selbst vermutet, dass das Kälbchen von einem Tier gejagt und sich beim Sprung über den Zaun das Genick gebrochen hat, sei es laut Friedrich und Strasser wahrscheinlich, dass sich ein Fuchs oder Hund am Tierkadaver gütlich getan hat. 

„Das Kalb ist da bis Dienstag gelegen, in vier Tagen kann sogar ein Fuchs gemütlich was wegfressen“, sagt Friedrich. Zwischenzeitlich hat Strasser auch zwei Wildkameras, die er nach dem Vorfall am Weidezaun installiert hat, ausgewertet – ohne Ergebnis. Und auch Haags Bürgermeister Anton Geier glaubt nicht, dass in seiner Gemeinde der Wolf umgeht. „Der würde sich bei uns gar nicht wohlfühlen“, sagt Geier im Hinblick auf die dichte Besiedelung. „Das scheue Tier braucht mehr Ruhe und mehr Freiraum.“ Gestern Nachmittag bestätigte auch die Sprecherin des Landesamts für Umwelt nach der Auswertung aller Daten: „Der Vorfall wurde vor Ort durch ein Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer ausführlich dokumentiert. Die Auswertung durch das Landesamt für Umwelt ergab, dass das Kalb nicht durch eine gewaltsame Einwirkung von außen getötet wurde. Ein Wolf (oder auch Hund) kann als Verursacher ausgeschlossen werden.“

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