Nicht scheu: Ministerin Christine Haderthauer stellt sich vor dem Festzelt der Wolfersdorfer Burschen der Kritik der Attachinger Startbahngegner. Foto: Rainer Lehmann

Haderthauer und die Startbahngegner

Wolfersdorf - Ministerin Christine Haderthauer durfte sich in Wolfersdorf Schelte abholen. Dabei wollte sie dem Burschenverein eigentlich nur zum 100-jährigen Bestehen ihre besten Wünsche überbringen.

Christine Haderthauer (CSU) machte auf ihrem Heimweg von München nach Ingolstadt schnell einen Abstecher zum Wolfersdorfer Burschenverein. Hier erklärte sie den unverheirateten, ihr 100-jähriges Jubiläum feiernden Jungmannen, dass sie, Haderthauer, durchaus auch „die Ministerin für Männer“ in Bayern sei.

Und der Empfang für die frühere CSU-Generalsekretären mit holsteinischen Wurzeln vor dem Festzelt des jubilierenden Wolfersdorfer Burschenvereins war ein ganz außergewöhnlicher. Damit hatte Haderthauer wohl nicht gerechnet. Mitglieder der Attachinger Bürgerinitiative gegen die dritte Startbahn hatten sich mit Transparenten auf dem Festgelände aufgestellt. Auf ihren Schildern standen Dinge zu lesen wie: „Christine H. Hände weg von Startbahn 3“.

Aber die forsche Sozialministerin wäre nicht sie selber gewesen, hätte sie nicht das Gespräch mit den Demonstranten gesucht hätte. Schnurstracks ging sie auf die Männer und Frauen aus Attaching zu, unterhielt sich mit ihnen. Sie machte keinen Hehl aus ihrer Ansicht, dass sie die dritte Startbahn nach wie vor für notwendig erachte. Haderthauer meinte, man habe jetzt, nach dem Bürgerentscheid, „ein Jahr Gelegenheit, miteinander in den Dialog zu treten. Es geht wieder bei Null los“. Sprach’s, lächelte ihr bekanntes Zahnpastalächeln und wandte sich dem eigentlichen Anlass ihres Besuches zu.

Von der Fahnenmutter Alexandra Wennesz und zehn Festjungfrauen in Empfang genommen, marschierte sie unter Marschmusikklängen inmitten von Dirndln und Trachtenanzügen ins Festzelt des Burschenvereins. Der Vorsitzende Martin Taschner begrüßte sie ebenso wie die örtliche CSU-Prominenz und Bürgermeister Sebastian Mair samt Gemeinderat. Der Gemeindechef brachte in seinem Grußwort auch gleich zur Sprache, was ihn persönlich bedrückt: „Ich bin mit der Politik der Kinderbetreuung nicht immer einverstanden“. Es werden, so Mair, dabei immer nur die Gemeinden in die Pflicht genommen. Das war das Stichwort für die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Sie verteidigte vehement das Betreuungsgeld. „Es gilt in Bayern nicht als Schande, sich als Eltern selber um die Kinder zu kümmern.“ Viel wichtiger sei es in ihren Augen, als Staat sich um die Drei- bis 16-Jährigen zu kümmern. „Aber das war der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zu langweilig und sie hat sich auf die Einjährigen - also auf die Krippenplätze - gestürzt“.

Weiter sprach Haderthauer die Bildungspolitik und die Situation in der Pflege an. Und auch der Länderfinanzausgleich wurde herangezogen. Hier zahle Bayern Unsummen für andere Bundesländer, „damit die sich Dinge leisten, die wir uns nicht leisten können“. Es müsse Schluss sein mit diesem ungerechten Länderfinanzausgleich, forderte sie - aber kein Wort darüber, ob Bayern nun eventuell gegen die Handhabung vor dem Bundesverfassungsverfassungsgericht Klage erheben will. Dann endete die Sozialministerin und für den CSU-Abgeordneten Florian Herrmann blieb nur noch, seinen Dank an die Veranstalter zu richten - ehe der Großbildschirm eingeschaltet wurde und das Fußballschicksal seinen Lauf nahm . . .

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