Konzentriert zählen: Schulbegleiter helfen Kindern mit Behinderung oder Problemen im Unterricht. Foto: fkn

Halbe Million für Helfer - Tendenz steigend

Landkreis - Depressionen, Ängste oder auch ADHS: Betroffene Kinder haben in der Schule oft Probleme, ihre Emotionen zu kontrollieren. Manche brauchen deshalb Hilfe, um durch den Schulalltag zu kommen - und die kommt von Schulbegleitern.

Kinder im Unterricht begleiten, ihnen Hilfestellung leisten, damit sie mit ihren Emotionen zurecht kommen, ihnen bei der Eingliederung in die Klasse helfen - oder auch auf Dinge wie Heftführung und Organisation achten: Dafür sind Schulbegleiter zuständig. Seit dem Schuljahr 2013/14 gibt es in Freising dieses Modell. Die Begleiter müssen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen - und werden laut Kultusministerium von den Erziehungsberechtigten und der Schule entsprechend instruiert.

Moosburgs Schulreferent Gerhard Beubl erklärt das Prozedere: „Ein Therapeut erstellt ein Fachgutachten, um den Bedarf zu ermitteln.“ Dann suchen sich die Eltern den Begleiter selbst - „eine Vertrauensperson, aber normalerweise kein Verwandter“. Beubl kritisiert: „Da müssten eigentlich einheitliche Standards her.“ Eine spezielle Ausbildung sei bisher nämlich nicht erforderlich. Einige der Begleitungen werden immerhin von Hilfsorganisationen gestellt. Der Schulreferent stellt aber klar: „Wenn man die Inklusion ernst nimmt, müsste die Begleitung eigentlich Aufgabe der Schulen selbst sein.“

25 Begleiter waren es im vergangenen Jahr - „Tendenz schnell steigend“, wie die Leiterin des Amts für Jugend und Familie, Arabella Gittler-Reichel, erklärt. Eine konkrete Zahl für das aktuelle Jahr gebe es momentan noch nicht.

Kinder mit Behinderungen haben es im Schulalltag nicht leicht. Auch Störungen wie Depressionen, Ängste oder Panik erschweren das Lernen in der Schule zunehmend. „Die Möglichkeit der Schulbegleitung hat sich mittlerweile eingebürgert“, berichtet Gittler-Reichel. Dabei werde bei jedem Kind der entsprechende Eingliederungsbedarf festgestellt - „und dann je nachdem bewilligt“. Aktuell steckt das Projekt aber noch in den Kinderschuhen. Das Amt für Jugend und Familie arbeitet zur Zeit zusammen mit dem Schulamt an Konzepten, wie man noch effektiver am Projekt arbeiten kann. „Das wird aber noch etwas dauern“, sagt Gittler-Reichel.

Probleme dürfe man dabei nicht außer Acht lassen: „Es kann vorkommen, dass zwei oder drei Schüler mit Begleitung in der Klasse sitzen.“ Da diese dafür sorgen, dass das Kind aufpasst, konzentriert bleibt und in manchen Fällen auch Hilfestellungen gibt, könnte Unruhe in die Klasse kommen. „Und dann wird’s mit dem normalen Unterricht schwierig.“

Die Schulbegleitung fällt in die Kategorie Eingliederungshilfe. Da ist ein generell großer Anstieg zu verzeichnen. Waren es im Jahr 2012 noch 206 Fälle, so konnten 2013 bereits 273 gezählt werden: „Das wird weiter steigen“, versichert Gittler-Reichel. Der Nettoaufwand entwickelt sich entsprechend: Alleine 2012 war er 380 000 Euro hoch, 2013 wurden schon 500 000 Euro ausgegeben. Für das aktuelle Jahr gibt es noch keine Zahlen.

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