Mittagsbetreuung in Hallbergmoos

Applaus für den Kompromiss

Flexible oder starre Abholzeiten in der Mittagsbetreuung? In dieser Frage war zuletzt eine hitzige öffentliche Debatte entbrannt. Nun, da der Gemeinderat darüber zu entscheiden hatte, rechneten Beobachter mit einer harten Auseinandersetzung. Doch die blieb aus. Denn Bürgermeister Harald Reents hatte ein Kompromissangebot in der Tasche, mit dem alle Seiten – betroffene Eltern und Kommune – gut leben können.

Hallbergmoos – „Die Mittagsbetreuung und deren Besuchsbestimmungen war eine Thematik, die in den letzten Wochen für emotionale Diskussionen gesorgt hat“, so der Gemeindechef. Ausgangspunkt waren Beschlüsse des Gemeinderats, die Betreuung auszuweiten, mit einem pädagogischen Konzept zu versehen und erstmals in diesem Schuljahr umzusetzen. Daraufhin war ein Streit zwischen Eltern und Gemeindeverwaltung über das damit einhergehende Ende flexibler Abholzeiten entbrannt. Reents räumte ein, dass „in Sachen Information nicht alles optimal gelaufen ist“. Nun aber gehe es nicht darum, „die Vergangenheit Revue passieren zu lassen“ oder „nach Schuldigen zu suchen“. Ziel müsse eine Lösung sein, „die die Qualitätsansprüche sichert und den Interessen der Eltern gerecht wird“.

Um die Wogen zu glätten, schlug Reents folgenden Weg vor: Für diese Schuljahr bleibt es bei völlig flexiblen Abholzeiten „unabhängig von Fördergeldern“, von denen die Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder im Frühjahr ausgegangen waren. „Damit jeder weiß, wie’s künftig laufen soll“, so Reents, werde man Eltern rechtzeitig und umfassend über das neue pädagogische Konzept mit festen Abholzeiten – es gilt ab dem kommenden Schuljahr – informieren.

Zugleich will man eine Bedarfsabfrage durchführen, für die sich auch Sabina Brosch (Grüne) und Stefan Kronner (SPD) aussprachen: Beide unterstrichen, dass es Ziel sein müsse, bedarfsorientierte Lösungen für Familien zu entwickeln. Wenn man teilweise aus der Förderung rausfalle, könne die Gemeinde das finanziell „aushalten“, so Brosch. Kronner geht davon aus, dass die künftige Regelung für 90 bis 95 Prozent der Familien „handelbar“ sei.

Die besagt, dass „14 Uhr-Kinder“ mindestens einmal pro Schulwoche bis zum Ende der gebuchten Zeit anwesend sein müssen, „15.30 Uhr-Kinder“ zweimal pro Woche. Dies, so Kronner, biete die notwendige Flexibilität, beispielsweise für Eltern die im Schichtbetrieb arbeiten. Und: Bei einzelnen Abweichungen verliere man ja nicht den vollen Zuschuss von 26 000 Euro, sondern nur den auf das jeweilige Kind entfallenden Anteil: Das macht nach Kronners Rechnung gerade mal einen Euro pro Kind und Tag aus. Wichtig sei nun, die Aspekte des pädagogischen Konzepts in den Vordergrund zu stellen.

Mit dem vorgeschlagenen Weg konnte der Hallbergmooser Gemeinderat mitgehen. Der Entscheidung fiel einstimmig. Auf einen steigenden Betreuungsbedarf muss sich die Kommune aber generell einrichten: Derzeit sind 466 Grundschüler registriert, zum Schuljahr 2019/2020 rechnet man mit 500. Nicht näher treten wollte das Gremium einer alternativen Betreuungsform ohne feste Abholzeiten, Mittagsessen und pädagogischer Betreuung, die mangels vorhandener Räume in einem Container hätte stattfinden müssen.

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