Stimmenfang: Walter Wirl sammelte mit dem Kescher die Stimmzettel der Mitglieder ein.
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Stimmenfang: Walter Wirl sammelte mit dem Kescher die Stimmzettel der Mitglieder ein.

In Zeiten der Pandemie kreativ in den Wahlkampf

Bürgermeister-Kandidatenkür in Hallbergmoos: CSU mit dem Kescher auf Stimmenfang

Eine Jahreshauptversammlung während Corona-Pandemie und Lockdown: Es war ein Kraftakt, den die Hallbergmooser CSU da stemmen musste.

Hallbergmoos - Es galt, das Mitglieder-Votum für den designierten Bürgermeisterkandidaten Josef Niedermair einzuholen, einen neuen Ortsvorstand und die Kreisdelegierten im Vorfeld der Bundestagswahl zu wählen. Die Wahlen müssen aus rechtlichen Gründen als Präsenzveranstaltung stattfinden. Der CSU-Ortsverband hat am Valentinstag diese Herausforderung gemeistert – corona-konform, mit einem straffen Programm und einer gewitzten Idee: Die Stimmzettel wurden mit einem Kescher eingesammelt. Da bekam der Begriff „Stimmenfang“ eine ganz neue Bedeutung.

CSU Hallbergmoos: Drei Frauen im Führungsquartett

Drei vom neuen Führungsteam (v.l.): Walter Wirl (Stellvertretender Vorsitzender), Tanja Knieler (1. Vorsitzende) und Silvia Edfelder (2. Vorsitzende).

Die Wahlen waren zentraler Punkt der etwa einstündigen Vollversammlung. Auf den Vortrag der Rechenschaftsberichte, die zuvor schon per Post an die Mitglieder verschickt worden waren, wurde verzichtet. 47 wahlberechtigte Mitglieder waren im Gemeindesaal erschienen, um zunächst die neue Vorstandschaft unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Reinhold Stegschuster zu wählen. Und die ist so weiblich wie nie zuvor: Tanja Knieler ist und bleibt Vorsitzende. Silvia Edfelder, bisher Geschäftsführerin, ist nun eine von drei Stellvertretern – genauso wie Sylvia Merczak, die ihren Posten als Schriftführerin an Rita Guske abgibt. „Quotenmann“ im Führungsquartett ist Michael Fischer (zuvor Beisitzer). Schatzmeister bleibt Michael Vogler.

Das neu geschaffene Amt des Digitalbeauftragten besetzt Walter Wirl (zuvor stellvertretender Vorsitzender). Beisitzer sind Anita Kreilinger, Laura Behrendt, Karin Eigeldinger, Jasmin Ghubbar-Mohammed, Markus Kreilinger, Wolfgang Förg, Bernd Meyr und Alois Walbrun. Aus dem Vorstand verabschiedeten sich Helmut Beer, Mike Hora und Gerd Schünemann, der über 40 Jahre auf Vorstandsebene mitgewirkt hatte.

Bürgermeisterkandidat Niedermair einstimmig gewählt

Voll motiviert gab sich Kandidat Josef Niedermair. 

Einstimmig und unter dem Applaus der Anwesenden, darunter auch Vertreter von Freien Wählern und Einigkeit, wurde Josef Niedermair von den CSU-Mitgliedern zum Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 18. April gewählt: „Das ist nun meine siebte Aufstellungsversammlung und vielleicht die schwierigste“, wandte sich Niedermair im Anschluss in sehr persönlichen Worten an die Anwesenden. Er verglich die aktuelle Situation – nach dem Tod von Harald Reents und mitten in der Pandemie – mit der Besteigung des Mount Everest. Er ließ keinen Zweifel offen, dass er dafür den Atem habe: „Ich bin voll motiviert und schon im Wahlkampf-Fieber.“

Wie schon zuvor in der Pressekonferenz der Ratsfraktionen zeigte der 63-Jährige auf, wie er’s angehen will: Mit Lebenserfahrung und Kompetenz, die er sich in 36 Jahren als Kommunal- und Kreispolitiker angeeignet habe.

Seine persönliche Visitenkarte sei sein Lebenslauf als gebürtiger Hallbergmooser, Vater, Großvater, Sportler, Teamplayer und Politiker, der immer die Sache und nie das Parteibuch in den Mittelpunkt gestellt habe. Politisch wie im Leben gilt für Niedermair ein Leitsatz: „Fehler darf man machen. Aber halt nur einmal.“ Der 63-Jährige erinnerte daran, dass er – auch bei politisch zunächst umstrittenen Projekten wie Sportpark und Goldachpark – immer nach seiner persönlichen Überzeugung und „überparteilich“ gestimmt habe. Fraktionssprecher Christian Krätschmer bestätige dies: „Sepp sucht immer nach den besten Lösungen. Wenn die Fronten mal verhärtet waren, war Sepp immer derjenige, der so lange mit allen gesprochen hat, bis ein Kompromiss gefunden war.“

Einen großen Dank richtete Krätschmer an Niedermairs Ehefrau Petra: „Danke, dass du ihn lässt. Ihr hättet die nächsten fünf Jahre sicherlich ruhiger verbringen können.“ Niedermair hatte sich 2020 eigentlich aus der Politik zurückgezogen, um sich mehr Familienleben und Zeit für seinen Sport, das Kegeln, zu gönnen. Er ließ sich von Vertretern der Ratsfraktionen dann aber überzeugen, als Konsenskandidat bei der Bürgermeisterwahl am 18. April anzutreten.

Eva Oestereich

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