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Sauber eing’schenkt wurde beim Maibock der Hallbergmooser CSU: Ortsvorsitzende Tanja Knieler, Bürgermeister Harald Reents, Minister Florian Herrmann und Redner Damian Edfelder (v. l. ), der extra aus Prag mit dem Flixbus angereist war. 

Maibock-Derblecken der Hallbergmooser CSU

„Charmant wia a Saustall-Türl“

Als Einheizer für Maibock-Redner Erich Irlstorfer hatte Damian Edfelder im vergangenen Jahr schon seine Visitenkarte abgegeben – und dem Bundestagabgeordneten fast ein wenig die Schau gestohlen. Am vergangenen Samstag nun empfahl sich der JU-Chef endgültig als legitimer Nachfolger: Er sprang „Lastminute“ für den erkrankten Irlstorfer ein – und derbleckte die lokale Polit-Prominenz mit Sprachwitz, Charme und einem Augenzwinkern.

Hallbergmoos – Der CSU-Vorsitzenden Tanja Knieler war wegen Irlstorfers Absage tags zuvor beinahe das Herz in die Lederhosen gerutscht. Wie gewohnt hatte sie statt eines Dirndl das Beinkleid gewählt, „weil bei der Hallbergmooser CSU die Frauen die Hosen anhaben.“ 80 Gäste hatten für die Traditionsveranstaltung im Alten Wirt gebucht, eine Absage „unmöglich“. Also bat man den jungen Mann, dem Irlstorfer nachsagt, er sei „charmant wia a Saustall-Türl“, einzuspringen: Edfelder weilte gerade mit dem JU-Kreisverband in Prag, sprang morgens in den Flixbus und schrieb auf der spontanen Heimfahrt eine 40-minütige Rede für „Maiböcke und Gamsen“. In der ließ Edfelder nichts aus – bis auf seine Mutter Silvia Edfelder, die sich im Vorjahr Einiges über ihre Kochkünste hatte anhören müssen. Der Sohn leistete Abbitte, ließ aber wissen, dass sich daraus eine „Win-Win-Situation“ ergeben habe: Für den Sohn kocht die Gemeinderätin nicht mehr, freilich auch, weil er nicht mehr daheim wohnt. „Und bei der Frauenunion wird’s nicht mehr gefragt, ob’s was kocht oder backt, sondern nur noch, ob sie das Brot besorgt.“

Den politischen Blick ließ der Maibock-Redner zwischen Hallbergmoos und Maximilianeum schweifen. „Des lasst si guad o, der Bürgermeister zapft o, der Staatsminister Florian Herrmann is mei Vorredner“, wandte sich Edfelder an die Ehrengäste. Reents, Gemeindechef und frisch gebackener Bier-Sommelier, hatte das erste Maibock-Fassl angezapft und Staatsminister Florian Hermann die Grußworte gesprochen. „Wer dreimal in sechs Wochen nach Hallbergmoos kommt, fühlt sich wohl und is froh, wenn er ins Paradies derf“, erinnerte Edfelder schmunzelnd an die Worte von Ministerin Ilse Aigner.

Weniger lustig sei der Empfang des Ministers im Heimatlandkreis gewesen: Statt Blasmusik gab’s Schmähungen als „Heimatzerstörer“. Edfelder rüffelte den „grenzwertigen“ und „verseuchten“ politischen Ton dieser Tage. Dies sei wohl in dem Wahlkampf und dem Umstand geschuldet, dass SPD, Grüne, AfD und „Freibierwähler“ quasi „mit weißer Fahne“ anträten. Ein amüsantes Bild zeichnete Edfelder von den kommunalpolitischen Akteuren: „Weil nix G’scheids nachkommt“, kandidieren alle drei SPD-Gemeinderäte – zwei davon über 70 Jahre alt – 2020 ein weiteres Mal. Die Freien Wähler übten sich derweil im „Staffelrennen der Nachrücker“: „Jetzt san’s bei Nummer 8, bis zur nächsten Wahl vielleicht bei 20“. Bei der CSU vertraut man indes auf die drei „Auto-Rambos“ Christian Krätschmer, Rudi Zeilhofer und Franz Leichtle, die sich ihre und Strafzettel quasi selbst ausstellen.

Im CSU-Ortsverband, verriet Edfelder, rangelt man sich derweil schon um die besten Listenplätze für die Kommunalwahl 2020: „Vielleicht sollte man die alle auf der Einser-Linie aufstellen“, sinnierte er. Aufstrebende Kraft im Ortsverband sei, so Edfelder, Laura Behrend, die wegen ihrer extravaganten Strumpfhosen als „schwarze“ Mischung aus Claudia Roth und Katharina Schulze gelte. Für den Brüller des Abends sorgte Edfelder mit seiner Ankündigung „Harry heiratet!“ Unvermittelt wandten sich alle Blicke auf Bürgermeister Harald Reents und seine Lebensgefährtin Sabrina. Bevor aber dem Hallbergmooser „Harry“ der Schweinebraten im Hals steckenbleiben konnte, folgte die Erklärung: „Ned unser Harry, sondern der Prinz von England“. Da aber 2018 noch mehr „Prinzenhochzeiten“ anstehen – Edfelder und andere ehemalige Faschingsprinzen heiraten heuer – kam der Redner nicht umhin, auch Reents zu animieren, Werbung für den Bund der Ehe zu machen: „Schau auf meine Braut, die Euphorie in Person.“

Eva Oestereich

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