Bürgermeisterkandidat Josef Niedermair und die Sprecher der Parteien
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Einer für alle, alle für einen: Josef Niedermair (vorne) sowie (v.l.) Sabina Brosch (Grüne), Wolfgang Reiland (Einigkeit), Thomas Henning (FW), Christian Krätschmer (CSU) und Stefan Kronner (SPD).

Pressekonferenz: Parteisprecher äußern sich über die Kandidatur

Niedermair verspricht, als „Unparteiischer“ auf dem Hallbergmooser Rathaussessel Platz zu nehmen

Einer für alle, alle für einen: Josef Niedermair (CSU) geht als Konsenskandidat der etablierten Parteien in die Hallbergmooser Bürgermeister-Wahl am 18. April.

Nominieren wird Niedermair die CSU am 14. Februar. Freie Wähler, Einigkeit, Grüne und SPD werden die Kandidatur des 63-Jährigen tolerieren. Die Parteisprecher äußerten sich dazu nun in einer Pressekonferenz im Rathaus. Josef Niedermair gab dabei das Versprechen ab, ein „unparteiischer“ Gemeindechef sein zu wollen.

Niedermair (63) hatte sich vor knapp einem Jahr aus der Politik zurückgezogen und wurde nach dem Tod von Amtsinhaber Harald Reents zur Rückkehr überredet: „Es hat mir imponiert, wie ihr alle zusammen besonnen und verantwortungsvoll gehandelt habt, um die beste Lösung für Hallbergmoos zu finden“, sagte Niedermair zu seinen Beweggründen. Umgekehrt genießt der Mann, der 36 Jahre in der Kommunalpolitik und zwölf Jahre 2. Bürgermeister war, ganz offensichtlich große Wertschätzung. Dies bekräftigten alle Parteivertreter noch einmal ausdrücklich.

Henning und Brosch verzichten auf eine Kandidatur

Beobachter hatten eigentlich damit gerechnet, dass Thomas Henning (FW) – vor einem Jahr noch stärkster Konkurrent von Harald Reents – nun seinen Hut in den Ring wirft. „Ich würde mir das Amt genauso zutrauen“, sagte er am Donnerstagabend. Er verzichtet aber auf eine Kandidatur, weil er in seinem Unternehmen angesichts der Pandemie mehr gebraucht werde denn je. Und: „Wir wollen den Bürgern keinen knallharten Wahlkampf zumuten.“ Henning äußerte sich überzeugt davon, dass man mit Niedermair als Bürgermeister drängende Aufgaben übergangslos „anpacken“ könne.

„Ich hätte einen Wahlkampf nicht gescheut, bin aber als Freiberuflerin aktuell nicht in der Lage“, unterstrich Sabina Brosch. Die Journalistin war bei der Kommunalwahl 2020 Bürgermeisterkandidatin der Grünen. Gleiches gelte für die Parteikollegen. Deshalb habe man eine „Vernunftsentscheidung“ getroffen und sich entschlossen, den CSU-Kandidaten zu tolerieren. „Weil es Sepp Niedermair ist, vor allem wegen seiner persönlichen Art“, wie sie hinzufügte.

Kontroverse Debatten bei den Sozialdemokraten

Bei der SPD wurde nach den Worten von Anna Kreilinger-Pitters die Personalie kontrovers diskutiert. Am Ende stand, so die stellvertretende Ortschefin, eine „basisdemokratische Entscheidung“: „Wir akzeptieren und unterstützen Herrn Niedermair in seiner Arbeit, soweit es unseren Zielen entspricht.“

Ein hohes Maß an Verantwortung, Kompetenz und Sachlichkeit bescheinigte Wolfgang Reiland (Einigkeit) Niedermair. In der gegenwärtigen Situation sei dieser „die beste Option“. Von einer „Idealbesetzung“ für den Generationswechsel im Rathaus genauso wie für das Teambuilding im Gemeinderat sprach CSU-Fraktionschef Christian Krätschmer. Natürlich werde man sich um politische Themen streiten. „Aber Sepp war nie parteiisch“, betonte er.

Dies bekräftigte auch Josef Niedermair selbst: „Meine beste Visitenkarte waren die letzten zwölf Jahre – Ihr habt mich persönlich kennengelernt, wie ich mit Menschen umgehe.“ Er versicherte: „Ich werde mich nicht verbiegen.“ Für „Fraktionsgeplänkel“ sei er nicht zu haben, es gelte, die besten Ideen des Rats „zusammenzuschmeißen.“ Seinen Fokus werde er auf die Umsetzung von Ratsbeschlüssen und die Arbeit im Rathaus legen: „Da war zuletzt ein bisserl Unruhe drin.“

Noch bis 25. Februar kann ein Gegenkandidat gemeldet werden

Niedermair ist bewusst, dass Bürgermeister ein 24-Stunden-Job ist. Mit Rücksicht auf seine Familie werde er sich aber nicht daran messen lassen, „auf wie vielen Geburtstagen und Veranstaltungen ich war“. Dafür gebe es Vertreter und Referenten. Eine Sorge treibt ihn allerdings um: eine geringe Wahlbeteiligung bei möglicherweise nur einem Kandidaten. „Ich möchte ein Bürgermeister der Mehrheit sein. Zehn Prozent Wahlbeteiligung wären für mich deprimierend.“ Vor einem etwaigen Gegenkandidaten, der noch bis 25. Februar gemeldet werden könnte, fürchtet er sich indes nicht. „Ganz im Gegenteil. Das weckt meinen Ehrgeiz.“

Falls er am 18. April gewählt wird, will Niedermair rasch eine Klausurtagung ansetzen, um eine Prioritätsliste für vordringliche Projekte – aus seiner Sicht Schulbau und Wohnungsbau – festzulegen. Wunsch der CSU ist es, so Ortsvorsitzende Tanja Knieler, dass am 18. April (ausschließlich) per Briefwahl über einen neuen Rathauschef abgestimmt wird.

Eva Oestereich

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