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Gericht fällt Urteil

Nach brutalem Überfall auf Rentner in Hallbergmoos: Haft und Entzug für Räuberduo 

Sie hatten im März dieses Jahres ein Rentnerehepaar in Hallbergmoos brutal überfallen. Gestern wurden am Landgericht Landshut massive Freiheitsstrafen gegen zwei der Täter verhängt.

Landkreis – Massive Freiheitsstrafen verhängte die Jugendkammer beim Landgericht Landshut am Dienstag nach drei Verhandlungstagen gegen den 22-jährigen Maurer-Azubi und den 18-jährigen Maler-Azubi, die im März 2018 ein Hallbergmooser Rentner-Ehepaar überfallen haben. Allerdings müssen sie nur noch wenige Monate hinter Gitter verbringen, statt dessen dann eine Drogentherapie antreten.

Das Duo hatte das Duo zusammen mit einem erst 13-jährigen Kumpan das Anwesen des Rentnerehepaares ausgespäht und sich am Abend des 12. März rabiat Zutritt zur Wohnung beschafft. Mit Halstüchern vermummt, brachten sie den schwer kranken Hausherrn, der auf ihr Klingeln hin die Tür geöffnet hatte, im Flur zu Boden und verlangten Geld. Dabei drohten sie, den Ehemann, der sich beim Sturz eine Kopfplatzwunde und eine Fraktur am Handgelenk zugezogen hatte, mit einem Messer abzustechen. Die 69-Jährige Ehefrau händigte ihnen rund 700 Euro aus, mit denen das Trio abzog, kurz drauf aber festgenommen wurde.

Vor der Jugendkammer hatten sich lediglich der Maler- und der Maurer-Azubi zu verantworten, da ihr Mittäter, der das eingesetzte Messer mitgeführt hatte, zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt und damit noch strafunmündig war. Das Duo legte zum Prozessauftakt Teilgeständnisse ab, beteuerte aber, dass für die Bedrohungen des Rentner-Ehepaares vor allem der 13-Jährige verantwortlich gewesen sei. Außerdem machten sie geltend, dass sie bei der Tat erheblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden hätten. Das Duo ist mehrfach wegen Diebstählen und Drogendelikten vorbestraft.

Emotional wurde es bei der Vernehmung der Rentnerin. „Ich habe geglaubt, das ist unsere letzte Stunde, ich habe heute noch Angst, Alpträume und Schlafstörungen“, warf sie dem Duo auf der Anklagebank vor und akzeptierte keine Entschuldigungsversuche. Ihrem schwerkranken Mann habe man sogar den Zugang zum Beatmungsgerät, auf das er angewiesen sei, verwehrt.

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Staatsanwalt Thomas Bauer fand es erschreckend, mit welch hoher krimineller Energie man vorgegangen sei. Den Rentner habe man „wie eine Geisel behandelt“. Für den 18-Jährigen forderte er eine Jugendeinheitsstrafe von sechs Jahren und fünf Monaten, für den 22-Jährigen sieben Jahre und acht Monate. Für beide sah der Anklagevertreter weder die Voraussetzung für eine verminderten Schuldfähigkeit noch für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gegeben. Das sahen die Verteidiger Thomas Novak und Thomas Fauth anders. Beide seien durch Drogen und den Alkohol enthemmt gewesen. Die Verteidiger plädierten auf moderatere Freiheitsstrafen und beantragten die Unterbringung.

Die Jugendkammer legte bei der Bewertung der Straftaten noch eins drauf und erkannte für den Überfall auf besonders schweren Raub, besonders schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung. Sie verurteilte den 22-Jährigen zu sechs, den 18-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren. Allerdings relativiert sich das jeweilige Strafmaß, denn gleichzeitig wurde auch die Unterbringung der Beiden in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Nach einem Vorwegvollzug von 18 und 13 Monaten (wobei die U-Haft von acht Monaten angerechnet wird) sollen beide eine Drogentherapie antreten. Ohne die, so Vorsitzender Richter Theo Ziegler, seien sie sozial gefährdet und gefährlich. Straferschwerend sei bei beiden die üble Art der Misshandlung des Rentner-Ehepaares ins Gewicht gefallen, das seelisch schwer geschädigt worden sei. Walter Schöttl

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