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Nur eines von 14 Bauprojekten am Flughafen ist der Ausbau von Vorfeld (Ost) und Flugsteigen am Terminal 1.

Flughafen stellt seine Pläne vor

Hallbergmooser Räte haben mehr Angst vorm Verkehr als vor dem „LabCampus“

Es ist nicht zu übersehen: Am Flughafen wird kräftig gebaut. Was genau, darüber gaben nun Vertreter des Airport-Betreibers dem Gemeinderat in einer Sondersitzung Auskunft.

Hallbergmoos/Flughafen – 14 Bauprojekte laufen oder sind in Planung. Die Verkehrsprobleme, die daraus entstehen, rückten die Gemeinderäte in den Fokus der Aussprache. „Es schadet ja nicht, wenn man weiß, was der Nachbar in seinem Garten so macht“, schickte Bürgermeister Harald Reents den gut einstündigen Ausführungen vom Josef Schwendner (Prokurist der FMG) zu den Bauprojekten des Flughafens voraus.

14 Projekte sind in Bau oder Planung und sollen in den nächsten fünf Jahren Gestalt annehmen. Als größtes Projekt gelten das Forschungs- und Innovationszentrum „LabCampus“, die unterirdische, eigenfinanzierte Verlängerung des S-Bahn-Tunnels für 115 Millionen Euro in Richtung Schwaigerloh als nächster Schritt zum Erdinger Ringschluss sowie Zufahrtswege im Osten (Zubringer-Ost, Erdinger Allee und Südring). Der Ausbau von Vorfeld (Ost) und Flugsteigen (Terminal 1), ein neues Budget-Hotel (Accor), ein Handwerkerhof, ein FMG-Lager- und Logistikzentrum, Service- und Experience-Zentren von BMW und Audi, die Feuerwache-Süd, die Airport Academy (Schulungszentrum der FMG), ein neuer Verkehrsknoten (West 0) und tausende neuer Parkplätze für Urlauber, Mitarbeiter und Autovermieter zählten zu den vorgestellten Maßnahmen.

Attraktivität der B 301 wurde unterschätzt

Die Sorge, dass der „LabCampus“ im Nordwesten des Flughafens eine ernsthafte Konkurrenz für den Wirtschaftsstandort Hallbergmoos sein könnte, kam in der Ratsdebatte überraschenderweise nicht zur Sprache. Dabei verfolgt man in der Moosgemeinde die Pläne für das Innovationszentrum mit 29 400 Quadratmeter Büroflächen und 14 400 Quadratmetern in der Airport Academy bislang mit Skepsis. Das erste Bürogebäude soll 2021 in Betrieb gehen.

Angesprochen wurde indes die Sorge über den massiven Druck auf Verkehrswege, Wohnungsmarkt und Infrastruktur. „Wir müssen den Verkehrsminister herholen und aufzeigen, wie problematisch die Verkehrssituation ist. Jeden Tag ist bei uns Stau“, unterstrich Josef Fischer (Freie Wähler). „Da teilen wir Ihre Meinung voll und ganz“, ließ Schwendner verlauten. Die Attraktivität der Bundesstraße B 301 habe die Straßenverkehrsbehörde, so der FMG-Manager, offenbar unterschätzt. Die B 301 werden zunehmend als Ausweichroute nach München genutzt. „Gefühlt“, so Schwendner, habe der Verkehr um 30 Prozent zugenommen.

Auch ein 10-Minuten-Takt der S8 würde für Entlastung sorgen

Entlastung für die Straßen brächte aus Sicht der FMG auch ein 10-Minuten-Takt der S-Bahn-Linie  8. Denn 36 Prozent der Passagiere fahren mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen. Dass hier „dringender Handlungsbedarf“ besteht und auch der Flughafenbetreiber ein „massives Interesse“ an Verbesserungen habe, will man im Juni bei einem Termin mit dem neuen Leiter des Straßenbauamts unterstreichen, betonte Jochen Flinner. Der Bau der neuen, um einiges aufnahmefähigeren B 301-Trasse ist zwar im „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans ausgewiesen, ein Realisierungszeitpunkt aber noch nicht absehbar.

Die Frage, wie viele neue Beschäftigte das Flughafen-Umland im Zuge der Erweiterungsmaßnahmen wird aufnehmen müssen, stellte Robert Wäger (Grüne) in den Raum. 1000 bis 1200 neue Arbeitsplätze werden, so Schwendners Schätzung, in den kommenden Jahren entstehen. Die FMG bemüht sich laut Schwendner darum, Wohnraum zu schaffen. Entsprechende Programmen für „mehrere hundert bis 1000 Mitarbeiterwohnungen“ seien „aufgesetzt“ – unter anderem auch in Hallbergmoos. Man müsse, so der FMG-Prokurist, eine verdichtete Bebauung ins Kalkül ziehen, auch wenn dies in den Kommunen nicht unbedingt auf Gegenliebe stoße.Eva Oestereich

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