Ein Eichhörnchen knabbert.
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Mahlzeit: Hier gönnt sich einer der sechs Nager einen kleinen Snack.

Wolfgang Reiland hat ein besonderes Paradies geschaffen

Eichhörnchen-Auffangstation am Goldachpark: Wo kleine Nager Kraft tanken

Sechs Eichhörnchen wohnen in einer Voliere im Garten von Wolfgang Reiland in Hallbergmoos - erst im Frühjahr werden sie ausgewildert.

Hallbergmoos – Sie sorgen immer wieder für Schlagzeilen und rühren zu Herzen: Eichhörnchen, die in Gullydeckeln steckengeblieben sind oder Nager-Babys, die den Anschluss zur Familie verloren haben. Sie sind auf die Hilfe von Menschen angewiesen. In München rettet der Eichhörnchen Schutz e.V. solche Tiere. Ein wunderschönes Zuhause haben sie nun auch in Hallbergmoos: Wolfgang Reiland hat in seinem Garten am Rande des Goldachparks eine Auffangstation eingerichtet – und da wuselt es seit ein paar Tagen gewaltig.

Eine Tierärztin hat die Findelkinder aufgepäppelt

Sechs Jungtiere hat der Verein in Reilands Obhut gegeben. Die verwaisten Findelkinder wurden Ende August, Anfang September geboren und von einer Tierärztin aufgepäppelt. Bis sie im Frühjahr ausgewildert werden können, leben sie in einer Voliere in Reilands Garten.

Wie er Ziehvater wurde, berichtet Wolfgang Reiland dem Tagblatt: „Ich habe vor einigen Monaten im Münchner Merkur die Berichte über zwei Eichhörnchen gelesen. Eines bekam den Namen Gulliver, weil es in einem Gullydeckel feststeckte. Das andere wurde auf Olivio getauft, weil es mit Olivenöl übergossen werden musste, um es aus einer misslichen Lage befreien zu können“, erinnert er sich. Mitte September kontaktierte er den Verein und bot seine Hilfe an. Die Reaktion kam prompt: Zwei Vorstandsmitglieder standen kurz darauf vor Reilands Tür und schauten sich die Örtlichkeit an: „Sie waren begeistert und sagten, so etwas hätten sie noch nie gesehen.“

Beste Unterhaltung zwischen Wolltaschen und Seilen

Nun, vor wenigen Tagen, sind sechs Eichhörnchen schon bei ihrem Ziehvater eingezogen. Seitdem ist mächtig Leben in der Bude, die Voliere ein kleines Tollhaus. Äste, Seile, ausrangierte Feuerwehrschläuche, Kobel zum Schlafen, hängende Wolltaschen, ein Schiff, eine Kokosnuss, Vogelhäuschen und ein Stoffschlauch: Die „Wohnaccessoires“ machen die Voliere zu einem Paradies für die tagaktiven Nager, die nicht in Winterschlaf gehen. Sogar zwei Apfelbäumchen, die schon da waren, hat Reiland integriert.

Mit bis zu 25 km/h sind Eichhörnchen in der Natur unterwegs, ernähren sich von Nüssen, Samen und Früchten. Sonnenblumenkerne, Äpfel, Karotten oder Maiskörner gibt’s natürlich auch täglich am Büffet in Reilands Garten. Und weil die Tiere Handaufzuchten sind, sind Emmi – sie ist die zutraulichste –, Hardy, Tante Ruth, Trump und Barack, wie sie Reiland getauft hat, auch nicht sonderlich scheu.

Paradiesische Zustände: So sieht die Eichhörnchen-Auffangstation in Reilands Garten aus.

Die Auffangstation hat der 58-Jährige mit Tipps des Schutzvereins eigenhändig gebaut und eingerichtet: „Bestimmt 100 Stunden habe ich für den Aufbau und die Einrichtung gebraucht.“ Vorgefertigte Bauteile der Voliere, Dach und Seitenverkleidung aus Plexiglas bilden die Einhausung. 950 Euro gab’s aus dem Topf des Arbeitskreises, den die Gemeinde zur Verfügung stellt. Holz und Rindenmulch hat Landschaftsgärtner Rudi Zeilhofer spendiert, das Fundament legte Bauunternehmer Hermann Hartshauser gratis. Der Bauhof hat die Baumscheiben geschnitten, Mitglieder des AK Gold-achpark haben mitangepackt.

Als Reiland vor einigen Jahren die Schaffung des Goldachparks anstieß, war eines der Ziele, dort auch Eichhörnchen anzusiedeln. „Ich habe damals schon den Landschaftsplaner gebeten, Bäume und Sträucher zu pflanzen, die auf der Nahrungsliste von Eichhörnchen stehen. Die Eichhörnchen bauen dort auch ihre Kobel, sind in ihnen für Feinde wie Fuchs, Marder, Greifvögel, Eulen, Hunde und Katzen unsichtbar.“

Futter vom Chef: Wolfgang Reiland versorgt ein Eichhörnchen, das sich ins Holzhaus zurückgezogen hat.

Zwei Eichhörnchen haben sich tatsächlich im Goldachpark niedergelassen, weiß der AK-Leiter aus eigener Beobachtung. Leider aber bisher ohne Nachwuchs. Eines davon ist nun regelmäßiger Zaungast, seit die Jungtiere eingezogen sind. „Ich hatte sie eine ganze Weile nicht mehr gesehen bis zu dem Zeitpunkt, als die Jungtiere in die Auffangstation eingezogen sind.“ Nun schaut der Nachbar aus dem Goldachpark öfter auf einen „Snack“ vorbei, schnappt sich ein paar Nüsse aus dem Vogelhäuschen, das Reiland an der Außenwand der Voliere für den Gast angebracht hat. Bis Mai werden die Jungtiere in der Voliere leben, dann werden sie ausgewildert und ihren Artgenossen im Goldachpark Gesellschaft leisten.

Eva Oestereich

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