Drei „magische“ Herren
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In Aktion: (v. l.) „Magier“ Felix von Bredow, „Boandlkramer“ Robert Ludewig und „Narr“ Korbinian Goerge.

Theaterprojekt vereint Vorzeitsaga, Traumdeutung und wissenschaftlichen Diskurs

75 besondere Hektar Grünland bei Hallbergmoos: Eine Wiese, die durch die Zeiten reist

Die Senderwiese hat Regisseur Thomas Goerge in den Mittelpunkt eines Theaterprojekts gestellt. 75 Hektar Grünland sind Ausgangspunkt skurriler Geschichten.

Hallbergmoos - Thomas Goerge, ein renommierter, in vielen Schauspielhäusern bekannter Regisseur, lebt in Hallbergmoos: Der Bezug zu seiner Heimat inspiriert ihn – wie schon bei der Siegfried-Saga – zu seinem neuesten Theaterprojekt: An jener Stelle, wo 460 Meter über N.N. der 256 Meter hohe US-amerikanische Sendeturm stand und die „Voice of America“ ausstrahlte. Dort, wo Goerges halbjüdische Großtante Marga sich einst als Kuhhirtin ein Taschengeld verdiente – und der in Moskau aufgewachsene Komponist und Dozent der Hallbergmooser Musikschule auf dem Schoß seines Großvaters Jossif Spinel den Radiosender „Voice of America“ hörte.

Von der Trockenlegung der Sümpfe bis zum Flughafenbau

Heute ist es ein geteerter kleiner Platz inmitten der Graslandschaft. „Am Mittelpunkt der Erde, der heute noch sendet“, wie Goerge es beschreibt. Eine außergewöhnliche, herausfordernde und skurrile Inszenierung über die Geschichte der Wiese. Eine Stilmischung aus Vorzeitsaga, Traumdeutung, historischem und wissenschaftlichem Diskurs. Die Wiese „reist“ durch die Zeiten – von der „Geburt“ der Wiese vor 4,6 Milliarden Jahren über den Äquator bis ins Hier und Jetzt: Dazwischen liegen viele Ereignisse, von der Trockenlegung der Sümpfe in der einstigen Armenkolonie bis hin zu den Flüchtlingsmärschen der KZ-Häftlinge und dem Flughafenbau.

Tänzer in der Zirkusmanege: Einlagen der Eleven der step by step-Ballettschule.

Die Aufführung war „bebildert“: Mit Zeichnungen und Portraitfotos, Einlagen der Eleven der step by step-Ballettschule, die das Entstehen der Blumen tanzten, Artisten des Circus Feraro, die mit Messerwerfern, Feuerschlucker und Lassoschwinger die amerikanische Zeit darstellten und akustisch untermalt vom Hallbergmooser Kammerorchester. Bekannte Schauspieler und Amateure agierten nebeneinander: Der aus dem TV bekannte Felix von Bredow („Magier“) und Karl-Heinz Kirchmann („Kaiser“) beispielsweise. Ein mit Robert Ludewig als „Boandlkramer“ gemeinsam mit Korbinian Goerge („Narr“) wunderbares Duo finden ihre Rollen ebenso wie der ehemalige syrische Flüchtling aus Birkeneck, Saad Rascho Heidi.

Die Besucher durchschritten den „Erchinger Altar“

Hochkarätig die dezentralen Bühnenbilder: Anja von Wins schuf den „Erchinger Altar“, den die Besucher beim Kommen durchschritten. Daniel Angermayr, Allun Turner und Karl Gößmann-Schmitt erbauten das Nord-, Ost- und Südtor. Herausragend der Komponist, Dirigent und Pianist Richard van Schoor, der sich mit eigenen Opern einen Namen gemacht hat und als Solist international konzertiert.

Eva Oestereich

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