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Mit Wasser beregnet werden die Blüten der Obstbäume, um sie vor dem Nachtfrost zu schützen.

Ungewöhnliches Schauspiel im Obstzentrum Hallbergmoos

Glitzernde Eiszapfen beschützen die Blüten der Obstbäume

Wer zuletzt in den Morgenstunden die Obstanlagen des Bayerischen Obstzentrums in Hallbergmoos passierte, dem bot sich ein ungewöhnliches Schauspiel: Die Apfel- und Birnbäume sind über Nacht mit einem dicken Eismantel umhüllt worden. Was ist denn hier passiert?

Hallbergmoos – „Um die zu dieser Jahreszeit schon ungewöhnlich weit entwickelten Blüten der Obstbäume vor dem Erfrieren bei Nachtfrost zu schützen, werden sie die Nacht über mit Wasser beregnet“, berichtet Dr. Michael Neumüller, Leiter des Bayerischen Obstzentrums. „Das Wasser gefriert an den Zweigen und Blütenknospen. Beim Gefriervorgang wird Wärme frei. Diese Wärme wird durch den Eispanzer an die Blüten geleitet und verhindert, dass sie in den Frostnächten Schaden nehmen.“

Erst in den Morgenstunden, wenn die Temperatur wieder deutlich über dem Gefrierpunkt liegt und die Sonne das Eis erwärmt, darf die Beregnung abgeschaltet werden. Ohne die Frostschutzberegnung, wie sie im Fachjargon genannt wird, wäre die diesjährige Apfel- und Birnenernte wohl ganz oder zumindest teilweise ausgefallen: Der Kälteeinbruch, verbunden mit den Nachtfrösten, macht derzeit vielen Pflanzen zu schaffen.

Die Wasserpumpe oder der Traktor, der sie antreibt, darf auf keinen Fall ausfallen

Zum Hintergrund: Man kennt das: Möchte man einen Eiswürfel schmelzen, muss man ihn ordentlich lange in den warmen Händen halten oder noch viel länger bei Raumtemperatur liegen lassen. Man muss also Wärmeenergie zuführen. Umgekehrt ist er aber so, dass beim Gefrieren von Wasser zu Eis eben genau diese Energie freigesetzt wird. Das machen sich die Obstbauern zu nutze: Sie beregnen die Flächen mit Obstbäumen, die sie vor Frost schützen möchten, in der Frostnacht mit Wasser. Das gefriert an den Trieben und Blättern, und bei diesem Vorgang wird Wärmeenergie frei. Dies verhindert, dass die Temperatur an den Blüten zu tief absinkt.

Allerdings muss die ganze Nacht über immer wieder Wasser nachgeführt werden; denn wenn kein Wasser mehr friert, nimmt das Eis sehr schnell die Temperatur der Umgebung an, was dann zu noch größeren Schäden führt, als sie ohne Bewässerung entstanden wären. Die Wasserpumpe oder der Traktor, der sie antreibt, darf also auf keinen Fall ausfallen.

Dass es Ende März/Anfang April nachts Frost gibt, ist nicht ungewöhnlich und macht den Blüten der Obstbäume in dieser Zeit normalerweise nichts aus. Problematisch ist hingegen, dass der Austrieb aufgrund des milden Winters vier Wochen früher als üblich begonnen hat. „Deshalb sind die jungen Blüten schon so weit entwickelt, dass sie bei Temperaturen unter -2 ˚C Schaden nehmen“, sagt Neumüller. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden -8 ˚C in den Obstanlagen gemessen. Die tiefste Temperatur, die zwischen November und Februar gemessen wurde, war - 6˚C. „Ohne geeignete Schutzmaßnahmen ist es nicht mehr möglich, regelmäßig Obst zu erzeugen“, so Neumüller. ft

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