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Brandheißes Spektakel: Am Freitag wurden die Glocken für die Emmauskirche in Passau gegossen. Die „Freunde der Emmauskirche“ waren dabei, Pfarrerin Juliane Fischer spendete den Segen.

Kulinarische Spendenaktion für Geläut

Dank Truthahn der Finanzierung der Kirchturmglocken wieder einen Schritt näher

„Essen bis die Glocken klingen“: Wenn der Förderverein „Freunde der Emmauskirche“ zum Truthahnessen einlädt, hat das nicht nur kulinarische Gründe.

Hallbergmoos – Seit 2003 sammeln die Ehrenamtlichen mit der Aktion Spenden. Zuerst für den Bau des Gotteshauses, nun für die Anschaffung von Kirchenglocken. Man ist auf der Zielgeraden: Noch vor Weihnachten werden die beiden neuen Glocken geliefert.

Vor drei Jahren konnte der Förderverein, der anfangs noch Kirchbauverein hieß, beim Truthahn-Essen den „Schuldenfrei-Sonntag“ feiern: Mit Unterstützung der evangelischen Landeskirche und der Gemeinde Hallbergmoos hatten die Ehrenamtlichen die notwendigen Spenden zusammen, um die (restlichen) Kreditverbindlichkeiten für den 1,4 Millionen Euro teuren Kirchenbau zu tilgen. Nach nur 13 Jahren war die am Pfingstsonntag 2012 eingeweihte Kirche abbezahlt. Das Fundraising des Kirchbauvereins brachte 221 000 Euro ein – eingespielt durch zahlreiche Aktionen: Ehrenamtliche, private Spender, Geschäftsleute sowie namhafte Kabarettisten und Schauspieler, die Benefizvorstellungen gaben, haben in einer tollen Gemeinschaftsleistung den finanziellen Kraftakt gestemmt.

78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn

Die Hände in den Schoß legen wollten die Ehrenamtlichen freilich nicht. Denn das moderne Gotteshaus hat zwar einen Turm und ein wunderschönes Relief der ortsansässigen Künstlerin Roswitha Prehm, doch etwas Entscheidendes fehlt: Die Kirchenglocken. Und da ist man nun auf der Zielgeraden: Vergangenen Freitag, so berichtet Karin Eigeldinger, waren Pfarrerin Juliane Fischer und Mitglieder des Fördervereins hautnah dabei, als das Geläut in der Passauer Glockengießerei Perner Gestalt annahm. Freitag ist seit dem Mittelalter der traditionelle Gießtag der Zunft, in der niederbayerischen Werkstatt hält man Tradition und Handwerk hoch. Aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn entstehen dort im traditionellen Lehmformverfahren, das aus dem 9. Jahrhundert stammt, Schicht um Schicht die Glocken für die Emmauskirche.

Eine aufwändige und brandheiße Handwerkskunst, wie Karin Eigeldinger nun beim Truthahn-Essen noch ganz unter dem Eindruck des Gesehenen berichtete. Die 1000 Grad heiße Bronze fließt nach dem „Anstich“ in die unter der Erde lagernden Formen. Der trockene Lehm isoliert nach dem Guss die Bronze, so kann die Glocke langsam abkühlen und ein möglichst gleichmäßiges Spannungsgefüge aufbauen. „In drei Wochen wissen wir, ob’s geklappt hat“, so Eigeldinger. Mit dem Segen Gottes, den Pfarrerin Juliane Fischer in Passau spendet, sollte es funktionieren.

Noch fehlt „eine Restsumme“

Im November werden die Glocken ihr Ziel erreichen. Sie werden zunächst im Foyer der Emmauskirche ausgestellt. Im Frühjahr werden sie dann installiert. Bis dahin wollen sich die Ehrenamtlichen des Fördervereins noch mal kräftig ins Zeug legen: 60 000 Euro kosten die Glocken (inkl. Glockenstuhl). Eine „Restsumme fehlt noch“, verriet Eigeldinger.EVA OESTEREICH

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