Zwei Frauen, zwei Zöpfe
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Die Zöpfe sind ab: Carina Maier (links) und Daniela Günther nach erfolgreicher „Schnibbelei“.

Der Entschluss stand schnell fest

Und plötzlich ist der 40-Zentimeter-Zopf Geschichte: Warum zwei Hallbergmooserinnen ihre Haare gespendet haben

Daniela Günther und Carina Maier haben es getan – und sich von ihrer „Mähne“ getrennt. 40 Zentimeter haben sie sich abschneiden lassen, um anderen zu helfen.

Hallbergmoos - Vor zwei Jahren hat Daniela Günther einen Bericht im Fernsehen gesehen. Da wurde über die Möglichkeit berichtet, Haare zu spenden. Und ihr Entschluss stand schnell fest: „Das mache ich.“ Die 38-Jährige erzählt ihrer Freundin Carina Maier davon. Auch sie war von der Idee begeistert. Beide Frauen trugen „eigentlich schon immer“, wie sie erzählen, ihre Haare hüftlang. „Ich hatte zuletzt mit 15 kurze Haare und sie nie gefärbt oder eine Dauerwelle“, so Maier. Optimale Voraussetzungen für eine Haarspende.

Meistens trugen beide Frauen die braunen Mähnen ohnehin zum Zopf gebunden. Beide haben kleine Kinder. „Das ist einfach praktischer“, so Maier. „Die Gelegenheit, die Haare offen zu tragen, hat man eher selten. Bei Partys vielleicht einmal.“ Im Sommer könne sich die lange Pracht schon mal „wie ein warmer Pulli“ anfühlen. „Am Schluss ging’s mir echt auf die Nerven. Erst recht seit Corona“, erinnert sich Maier.

Ab 30 Zentimetern Länge profitiert auch die Deutsche Krebshilfe

Bevor beide zur Tat schritten, haben sie sich erst einmal genauestens informiert. Auf der Homepage der Deutschen Krebshilfe stießen sie auf einen Link zur Website www.haare-spenden.de: Er gehört zur Haarmanufaktur Rieswick in Nordrhein-Westfalen. Dort stellt man aus den eingeschickten Zöpfen Echthaarperücken für Menschen mit einer Krebserkrankung oder kreisrundem Haarausfall Echthaarperücken her. Für eine Haarspende mit einer Länge ab 30 Zentimetern erhält die Deutsche Krebshilfe eine freiwillige Spende vom Unternehmen.

„Echthaarperücken sind sehr teuer. Die Krankenkassen übernehmen nur einen Teil davon“, weiß Günther. Und: „Mir war wichtig, dass die Haare direkt bei den Betroffenen ankommen, sie nicht kommerzialisiert oder versteigert werden.“

Und dann wurde die „Mähne“ noch länger

Mindestens 25 Zentimeter müssen es sein, damit sie zu einer Perücke verarbeitet werden können. Günther: „Die Haare kann man selbst beim Friseur abschneiden lassen und dann hinschicken.“ Im Dezember hatte Günther eigentlich schon einen Termin. Doch wegen des Lockdowns musste der verschoben werden. Aber aufschoben ist nicht aufgehoben –und die Haare hatten so noch Zeit, weiter zu wachsen.

Am 11. Juni war’s dann so weit: Die Haare wurden zu zwei Zöpfen geflochten und mit jeweils einem Schnitt gekürzt. 40 Zentimeter kamen ab. 106 Gramm schwer war die Pracht, von der sich Günther trennte. Jetzt hat sie einen schicken Bob. Das Gefühl? „So angenehm!“

„Das steht dir so gut“, hören die Frauen jetzt oft

Carina Maier folgte kurz darauf am 19. Juni. Auch bei ihr reichte es für 40 Zentimeter. Auch sie trägt nun die Haare kinnlang. „Ich hätte es mir sogar noch kürzer vorstellen können. Aber die Friseurin meinte, das reicht.“ Das Feedback in ihrem Umfeld: durchweg positiv. Für ihren Mut, ihr Engagement und auch die Typveränderung: „Das steht dir so gut“, hören die Frauen jetzt oft.

Carina Maier und Daniela Günther wünschen sich, dass viele ihrem Beispiel folgen. Und dass auch mehr Friseure mitmachen – und ihre Kunden auf die Möglichkeit einer Haarspende hinweisen. So würden viel weniger Haare im Müll landen und eine gute Verwendung finden. Die beiden Hallbergmooserinnen können sich durchaus vorstellen, irgendwann wieder Haare zu spenden. Wenn sie wieder lang genug sind.

Eva Oestereich

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