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So dichtgedrängt wie auf diesem Archivfoto werden die Hallbergmooser beim bevorstehenden Christkindlmarkt sicher nicht zusammenstehen. Für ausreichend Adventsstimmung wird aber trotzdem gesorgt sein.

Hallbergmoos verlegt Budenzauber auf Volksfestplatz

Christkindlmarkt an allen vier Wochenenden

Viele Weihnachtsmärkte in der Region sind bereits abgesagt worden. In Hallbergmoos soll’s einen Christkindlmarkt samt Adventsautokino geben – und das länger und größer als zuvor.

Hallbergmoos – Seit Jahren war man es gewohnt, am ersten Adventswochenende auf dem Rathausplatz über den Weihnachtsmarkt der Werbegemeinschaft zu bummeln. Nun will die Gemeinde das Heft in die Hand nehmen und an allen vier Adventswochenenden (Freitag bis Sonntag) auf dem Volksfestplatz an der Predazzoallee den Christkindlmarkt ausrichten. Der Gemeinderat hatte nun darüber zu entscheiden, ob man dafür eine Ausnahme von der Nutzungsordnung macht. Denn sie schreibt vor, dass der Volkfestplatz im Winter vom 1. November bis 31. März nicht vergeben wird.

80 000 Euro sind noch vom Sommer übrig

Geld wäre noch da, heißt es aus dem Rathaus. Nämlich im Topf des wegen Corona weitestgehend ausgefallenen Kultursommers: 100 000 Euro hatte der Ferienausschuss im April für ein „Alternativprogramm“ genehmigt. Rund 20 000 Euro wurden für Konzerte (erstKlassik, Luz Amoi) verwendet. Es wären also noch 80 000 Euro übrig. Freilich gelte aktuell, so heißt es in der Sitzungsvorlage, der Grundsatz des Sparens. Man wolle aber „aufgrund der schwierigen Zeit einen Funken Hoffnung entfachen und eine gewisse Normalität nach außen tragen.“ Ein Konzept wird mit dem Landratsamt abgestimmt.

Wie es aussehen könnte, gab in der Sitzung Anlass zu Diskussionen: 70 000 Euro hat die Kommune für den Markt veranschlagt. Größte Posten sind die Kosten für eine „zentrale Holzhütte“ (33 000 Euro) und eine „Adventsautokino“ (20 000 Euro). Während Kulturreferentin Andrea Holzmann (CSU) die Idee als „Angebot für viele“ – und noch dazu barrierefrei – befürwortete, meldete Robert Wäger (Grüne) massive Bedenken an: „33 000 Euro für eine Hütte: Ist die aus Gold?“ Mit dem Autokino („ein Riesenaufwand“) schaffe man eine „steuerfinanzierte Konkurrenz“ für örtliche, wirtschaftlich ohnehin geplagte Kinos. „Und warum da draußen?“, fragte Wäger. Die Lage des Volksfestplatzes – und ein notwendiger Busshuttle – ziehe weitere Kosten nach sich. Insgesamt wertete Wäger das zwölftägige Vorhaben als „überdimensioniert“. Sich auf zwei Wochenenden zu konzentrieren, würden aus seiner Sicht reichen. Er meldete überdies Zweifel an, „dass sich das für die Aussteller rentiert.“

Christiane Oldenburg-Balden (SPD) war auch nicht überzeugt: „Bis wann kann man abspringen? Wer trägt die Kosten bei einer Absage?“ wollte sie wissen. Auch die Frage eines etwaigen Alkoholverbots stelle sich.

Geschäftsführerin Julia Hollmer und Josef Fischer (FW, 3. Bürgermeister und Volksfestreferent), der das Konzept federführend mit Henn und der Werbegemeinschaft ausgearbeitet hat, gaben Antworten: Mit Rücksicht auf Corona wolle man mit dem zwölftägigen Markt eine „Entzerrung“ bewerkstelligen. Einlasskontrollen und die Begrenzung auf maximal 400 Personen – damit hätte jeder Besucher fünf Quadratmeter Freiraum – inklusive. Auf dem Rathausplatz reicht dafür die Fläche nicht. Fischer weiter: Die bestuhlte, massive Holzhütte (20 auf 20 Meter) sei so groß bemessen, um Abstandsregeln einhalten zu können. Essens- und Getränkeausgabe sind getrennt. Die Hütte koste in jedem Fall ihren Preis, so Fischer: „Egal ob man die eine oder vier Wochen hinstellt“. Fischer weiter: „Alle Verträge stehen unter Corona-Vorbehalt.“ Kosten fielen, so Fischer nur an, „wenn die Hütte bereits steht. Aber 100 Prozent Sicherheit gibt’s nicht“, sagte er mit Blick auf möglicherweise kurzfristig verschärfte Infektionsschutz-Beschränkungen.

Nur vier Räte stimmten letztlich dagegen

Bürgermeister Harald Reents ergänzte: „Das Konzept ist so ausgelegt, dass es auch bei einem etwaigen Alkoholverbot funktioniert.“ Der Hallbergmooser Gemeinderat ließ sich von der Idee überzeugen – und stimmte mit 17:4-Stimmen für eine Ausnahmegenehmigung. Eva Oestereich

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