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Das Jugendwerk Birkeneck gilt als Vorzeige-Einrichtung. Vor zwei Jahren wurde der Erweiterungsbau bezogen.

Wieder eine Gewalttat

Jugendwerk Birkeneck im Schockzustand! Ist Hallbergmoos nicht mehr sicher genug?

Der brutale Überfall dreier Jugendlicher aus Birkeneck auf ein Rentnerpaar ist der schwerste Zwischenfall, seit es die Einrichtung gibt. Gewalttaten aber haben sich in Hallbergmoos zuletzt gehäuft ereignet.

Hallbergmoos - Drei Bewohner des Jugendwerks, 13, 17 und 21 Jahre alt – allesamt deutsche Staatsangehörige – haben am Montagabend ein Rentner-Ehepaar in dessen Wohnung brutal überfallen, ausgeraubt und verletzt. Die Jugendlichen hatten sich nach Gangster-Art mit Sturmhauben und Tüchern maskiert (hier der Bericht auf merkur.de). Sie bedrohten die Eheleute mit einem Messer und einem Schraubenzieher. Kurz nach der Tat waren sie verhaftet worden – wobei der noch strafunmündige 13-Jährige wieder ins Jugendwerk gebracht wurde.

„Solche Nachrichten machen mir Angst“

„Solche Nachrichten machen mir Angst“: Stephanie Reimann (43), Mutter zweier Kinder aus Hallbergmoos, hat der Überfall an der Ludwigstraße sprachlos gemacht: „Ich kann es einfach nicht fassen, dass es in unserer Gemeinde wieder so einen brutalen Übergriff gegeben hat.“ Sie fürchtet um ihre Sicherheit – und um die ihrer Familie. Denn Gewalttaten, die allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Jugendwerk stehen, habe es in Hallbergmoos „in jüngster Vergangenheit leider öfter gegeben“, erinnert sich die 43-Jährige: Da gab es etwa den Fall der 26-jährigen Spanierin, die im Mai 2017 nach einem Volksfestbesuch in Hallbergmoos vergewaltigt wurde, merkur.de berichtete. Oder den Übergriff auf eine Hallbergmooser Hotelangestellte im Juli 2016, die mit einem Stein niedergeschlagen wurde. 

Etwa 500 Meter außerhalb von Hallbergmoos liegt das Jugendwerk (Hintergrund). Die Birkenecker Straße (Foto) führt in den Ort und geht am Standort des Fotografen in die Ludwigstraße über. Dort kam es zu der Tat.

Stephanie Reimann selbst hat auch schon ein Erlebnis hinter sich, das sie so schnell nicht vergessen wird: „Ich wurde abends auf dem Heimweg von einem Unbekannten verfolgt. Seither gehe ich abends nicht mehr allein vor die Tür.“ Reimann wünscht sich, dass sich die Polizei „öfter als bisher in der Gemeinde sehen lässt. Dann würde ich mich wohler fühlen.“

„So etwas ist einfach unfassbar“, sagt Andrea Pietzschke (37). Die berufstätige Mutter wohnt in Goldach, doch ihre Tochter (8) muss jeden Tag in die Grundschule und danach in den Hort: „Angesichts dieser Vorfälle habe ich jedesmal Angst, wenn mein Kind allein unterwegs ist.“

Polizei-Pressesprecher beruhigt: Es sind Einzeltaten

„Es ist nachvollziehbar, dass so ein schreckliches Verbrechen die Bevölkerung beunruhigt“, sagt Hans-Peter Kammerer, Chef der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord. „Trotzdem sollte man sich nicht verunsichern lassen. Die Sicherheitslage in Hallbergmoos ist gut.“ Bei den Vorfällen handle es sich um „Einzeltaten, die in keinerlei Zusammenhang stehen. Die lassen kein Gesamtbild auf die Sicherheitslage in der Kommune zu“. Zudem zeige das schnelle Eingreifen der Kollegen der PI Neufahrn und die Festnahme, dass die Polizei vor Ort „sehr präsent ist“. Kammerer ist sich „sicher, dass sich die Neufahrner Beamten immer den Anspruch setzen, durch hohe Präsenz das Sicherheitsgefühl der Hallbergmooser zu stärken.“

„Die Bestürzung bei uns ist groß“

Dafür hatte sich auch das Jugendwerk Birkeneck in der Vergangenheit stets eingesetzt. Die Einrichtung ist bestens in der Kommune integriert, die Jugendlichen fallen in der Regel nicht negativ auf. Dementsprechend war gestern die Stimmung in Birkeneck: „Die Bestürzung bei uns ist groß. Auch bei unseren Jugendlichen, weil es auf sie zurückfällt, wenn drei von 120 eine solche Tat begehen“, sagte Heimleiter Otto Schittler. Er zeigte sich erschüttert: „An einen solch schwerwiegenden Vorfall mit Birkenecker Jugendlichen kann ich mich nicht erinnern.“ 

Der Geschäftsführer will umgehend mit den Opfern Kontakt aufnehmen und seine Hilfe anbieten. Zwei der drei Täter (17 und 21) befanden sich in einer Ausbildung im Jugendwerk, der 13-Jährige besuchte die Schule. Zumindest den Älteren attestiert Schittler, dass sie in der Jugendhilfeeinrichtung „unauffällig“ gewesen seien, an ihren Zielen gearbeitet und sich gut angepasst hätten. Bis zu dem Überfall haben sich alle drei „weniger als ein Jahr“ in Birkeneck aufgehalten. In der Jugendhilfeeinrichtung finden junge Menschen, für die Jugendämter einen erzieherischen Bedarf sehen, vielfältige Angebote – von erzieherischen Hilfen bis zur sozialpädagogisch begleiteten Berufsausbildung. Einzeltherapien, Anti-Aggressionstraining und Kommunikationstraining werden unter anderem durchgeführt. Der noch strafunmündige 13-Jährige, der vorübergehend wieder in Birkeneck unterbracht ist, wird, wie Schittler zu verstehen gab, sicherlich nicht dort bleiben: Zwar gebe es dort einen geschlossenen Bereich. Doch der sei für eine dauerhafte Unterbringung nicht geeignet.

Bürgermeister gibt dem Jugendwerk Rückendeckung

Volle Rückendeckung für das Jugendwerk kommt von Bürgermeister Harald Reents. Man sei froh, dass es die Einrichtung gibt. „Sie trägt durch ihre Arbeit dazu bei, Gewaltverbrechen zu verhindern, weil junge Menschen von einer sozialen Schieflage auf eine ebene Bahn gebracht werden.“ Dass der Vorfall im Internet mit Zuwanderung und Flüchtlingen in Zusammenhang gebracht wird, ärgert Reents. Es handle sich bei den Tätern weder um Flüchtlinge noch um Migranten. Die Einrichtung einer Sicherheitswacht hält der Bürgermeister für wenig sinnvoll. Wichtiger sei, die Polizei personell zu stärken – und bei den politischen Verantwortlichen darauf hinzuwirken: „Da ist Neufahrn sicher auch eine Baustelle.“     

von Eva Oestereich, Wolfgang Schnetz und Helmut Hobmaier

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