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Ungewöhnliche Anfangsszene: Die Leichen von Romeo und Julia werden auf der Bühne abgeladen.

Integrativer Theaterverein „Udei“

Romeo und Julia in Hallbergmoos: Das tragische Ende macht den Anfang

Mit Romeo und Julia schuf William Shakespeare die berühmteste Liebesgeschichte der Welt. Auch Regisseur Thomas Goerge nahm sich des Stoffs an – mit dem integrativen Theaterverein „Udei“.

Hallbergmoos – „Romeo tot, Julia tot“: Das tragische Ende der Liebesgeschichte macht in Goerges Inszenierung, die im Hallbergmooser Gemeindesaal eine umjubelte Premiere feierte, den Anfang. Der Aufzug der Trauergesellschaft mit den Toten auf dem Arm, Videoprojektionen an der Wand des Gemeindesaals und die ersten Dialoge –„Hashtag keine Ausländer“, „Hashtag ich hasse dieses Nazi-Gesocks“ – machen schnell deutlich: Die Neuinterpretation des Literatur-Klassikers führt weit und tief in die heutige Gesellschaft, zu Einheimischen und Fremden, zwischen rivalisierende Familienclans, Fake-News, Hassposts und gegenseitige Anfeindungen über Herkunft, Sprache und Religion. Vielschichtig, bild- und wortgewaltig, herausfordernd für das Publikum.

Laien- und Berufsschauspielern mit und ohne Handicap

Themen wie Migration, Inklusion und alle Facetten von Fremdheit werden thematisiert, so dass sie alle berühren, betreffen und quasi nebenbei klassischen Erzählstoff vermitteln. Shakespeares Werk hat der Hallbergmooser Regisseur Thomas Goerge stark bearbeitet, ins Moderne übersetzt und es dem jugendlichen Flüchtling Saad Aljafry (19) als Romeo, Lea Bäuerle als Julia sowie Laien- und Berufsschauspielern mit und ohne Handicap in den Mund gelegt.

Genauso vielschichtig wie der Widerstreit der Montagues – dargestellt vom syrischen Friedenschor – mit den verfeindeten Capulets, in dem das Liebespaar auf der Bühne nie einen (Sitz-)Platz findet, ist auch die Musik, die das Kammerorchester unter Leitung von Vladimir Genin intoniert: Renaissance steht für die Capulets, den Gegenpart, die Montagues, spielt der Friedenschor mit arabischer Musik. Musikalisches Leitmotiv der Liebe ist Schostakowitschs Walzer Nr. 2, der Freisinger Musiker Tom Appel spielt mit der E-Gitarre die Todesmelodie.

Michael Grimm in einer besonderen Rolle

Das Fürstenhaus Veronas, die flankierenden allegorischen Figuren (Tod, Amor, Euphrosyne), Klerus – den komödiantischen Part verkörpert Korbinian Goerge als Bruder Lorenzo. Die Erzähltexte, mit denen der großartige Film- und Theaterschauspieler Michael Grimm in der fast zweistündigen Vorstellung ein bisweilen surreales Bild vom Ausbruch der Pest zeichnet, hat Goerge selbst geschrieben. Ein unglaublich wichtiges Element, so sagt er selbst. Sorgt es doch dafür, dass Julias Botschaft ihren geliebten Romeo nicht erreicht – und die Liebesgeschichte so tragisch enden lässt. Fazit: Thomas Goerge hat ein imponierendes Theater-Kunstwerk geschaffen.

Weitere Aufführungstermine sind am Samstag, 12. Oktober, um 19.30 Uhr in der Grundschule Hörgertshausen sowie am Freitag, 25. Oktober, um 19.30 Uhr in Freising beim Furtner. EVA OESTEREICH

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