Urkundenfund

Heimatforscher belegt: Hallbergmoos ist älter als bislang gedacht

Die Gemeindegeschichte muss wohl umgeschrieben werden: Heimatforscher Heinz Zenker hat Urkunden gefunden, die belegen: Hallbergmoos wurde schon 1828 gegründet. 

Hallbergmoos – Muss die Gemeindegeschichte umgeschrieben werden? Mit einem klaren „Ja“ beantwortet Karl-Heinz Zenker diese Frage. Der Heimatforscher hat akribisch recherchiert und bisher unbeachtete „Geburtsurkunden“ der Kommune ausgegraben. Sie belegen, dass Hallbergmoos nicht im Jahr 1830, sondern bereits 1828 gegründet wurde. Diese Einschätzung stützen auch Historiker. Die erste urkundliche Erwähnung von Hallbergmoos gibt, wie Zenker im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt ausführt, letztlich den Ausschlag für das Gründungsdatum. Und das wäre dann der 21. Mai 1828. Er ärgert sich über die Untätigkeit von Bürgermeister Harald Reents, dem er bereits vor drei Jahren, die tatsächliche „Ortsgründungsurkunde“ vorgelegt hatte.

Nun hat sich der Vorsitzende des Heimat-Traditionsvereins selbst an die Arbeit gemacht – und „in einer Sisyphusarbeit“ weitere Belege gesammelt. Fündig wurde Zenker in einer Biografie von Wolter von Egan-Krieger („Zwischen Weitsicht und Widersinn“) über Theodor Freiherr von Hallberg-Broich, die auf einige Dokumente zur Ortsgründung verweisen.

Die Geschichtsbücher von Hallbergmoos müssen nach seiner Entdeckung neu geschrieben werden: Heinz Zenker kann belegen: Hallbergmoos wurde nicht 1830, sondern bereits 1828 gegründet.


Im Bayerischen Staatsarchiv hat der Heimatforscher sich das Material besorgt, darunter zwei Schreiben aus den Jahren 1828 und 1829 des Innenministeriums, die sich mit der Namensgebung befassen. Im Jahr 1827 habe König Ludwig die Benennung der Kolonie mit dem Namen „Ludwigsburg“ abgelehnt. Am 21. Mai 1828 teilt die Staatsregierung dem Freiherrn von Hallberg mit, er möge mit dem Landgericht Freising ins Benehmen setzen, „dass diese Ansiedlung zur Erinnerung an die wohltätige Gesinnung des Freiherren zu Hallberg“ den Namen Hallbergmoos erhalten solle.

Schriftstücke Historikern zur Überprüfung vorgelegt

Als weitere Belege für die Ortsgründung anno 1828 hat Zenker unter anderem eine notarielle Urkunde über eine geplatzte Verlosung und den späteren Verkauf eines Hauses vorliegen. Ferner findet sich in der Hallberg-Biografie ein Hinweis auf eine Gedenkmünze mit der Aufschrift „Dem König Ludwig die Kolonie Hallberg 1828“. Und auch Ortspfarrer Schnell erwähnt in seiner Chronik, dass die Kolonie anno 1829 „erst einige Monate alt“ war.

Zenker hat die Schriftstücke Historikern nun zur Überprüfung vorgelegt: Dr. Wolfgang Pledl, Leiter der Kontaktstelle für Heimatforschung (Bayr. Landesverein für Heimatpflege) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Für mich besteht kein Zweifel, dass die Kolonie Hallbergmoos am 21. Mai 1828 gegründet wurde“, urteilt er in seiner schriftlichen Stellungnahme. „Als die ersten Siedler 1830 nach Hallbergmoos kamen, zogen sie ja nicht in ein Niemandsland, sondern in einen Ort, der den Namen Hallbergmoos trug. Also haben nicht sie durch ihre Ankunft den Ort gegründet, sondern 1828 der Freiherr von Hallberg mit Zustimmung des Königs.“ Diesem Urteil schlossen sich Wolfgang Jahn vom Haus der bayerischen Geschichte und Kreisheimatpfleger Bernd Feiler an. Damit hätte man am 21. Mai 2018 das 190-jährige Ortsgründungsjubiläum

Eva Oestereich

Rubriklistenbild: © Symbolkarte: Bayerische Vermessungsverwaltung / Foto: Oestereich

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