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Lediglich 3,2 Millionen Euro kostet die Teilstabilisierungsmaßnahme, mit der die Kläranlage nun erweitert wird.

Erweiterung der Hallbergmooser Kläranlage

Klimafreundlichere Variante verschoben

Die Gemeinde wächst – und mit ihr die Abwässer der Bevölkerung. Auf 12 500 Einwohnerwerte ist die kommunale Kläranlage momentan ausgelegt. Weil das nicht reicht, müssen die Kapazitäten erweitert werden. Bloß wie?

Hallbergmoos – Im Rat rang man um die Grundsatzfrage, was wichtiger ist: Klimaschutz oder den Verbraucher so wenig wie möglich zur Kasse zu bitten. 2015 hatte sich der Rat für eine Kläranlagenerweiterung mittels anaerober Schlammfaulung ausgesprochen, um die notwendigen 20 000 Einwohnerwerte zu erreichen. Dann aber änderte Bayern – als einziges Bundesland – die Richtlinien zur Schlammbehandlung und gestattete eine höhere Belastung von Kläranlagen. Hallbergmoos legte die fertige Konzeption daraufhin auf Eis und rechnete nach. Das Ergebnis: Es würde reichen, über einfache Instandsetzungsmaßnahmen und eine Teilstabilisierung ohne solare Schlammtrocknung die staatlichen Vorgaben zu erfüllen. Dafür müsste die Kommune „nur“ 3,2 Millionen Euro investieren, so die Berechnung des Ingenieurbüros. Der Abwasserpreis – derzeit 1,95 Euro pro Kubikmeter – stiege dabei um etwa 16 Cent.

Einen deutlich größeren Gebührensprung, nämlich 41 Cent, müssten Verbraucher hinnehmen, wenn man auf die klimafreundlichere Variante – Faulung mit Co-Vergärung und solarer Schlammtrocknung – für rund 6,8 Millionen Euro umrüstet. Ökologisch betrachtet ist die teurere „Faulung“ die weitaus bessere Lösung: Sie ist umweltfreundlich, CO2- und Geruchsneutral. Die gewonnene Energie kann in der Kläranlage wiederverwertet werden. Bei der „billigen“ Variante muss Klärschlamm zur Verbrennung alle zwei, drei Tage abtransportiert werden. Dies verursacht Kosten für Schlammentsorgung, Transporte und Energie. Und, so Experte Helmut Aigner, es ist mit „Geruchsemissionen“ zu rechnen.

Die Gemeinde hat sich in ihrem Autarkie-Beschluss der Nachhaltigkeit verschrieben. Daran erinnerten die Fürsprecher der zwar „teuren“, aber umweltschonenderen Erweiterungsoption. „Wir müssen etwas für das Klima. Und zwar jetzt“, unterstrichen Sabina Brosch (Grüne) und Martina Wilkowski (FW) unisono. „Wir verschieben nur die Verantwortung nach hinten“, betonte Robert Wäger (Grüne). Heinrich Lemer (FW) kam mit Blick auf die Jahreswerte – pro Jahr und Verbraucher zwei gegenüber zehn Euro mehr – ins Grübeln. „Das ist keine Größe, die so enorm relevant ist.“ Zumal, wie Wäger hervorhob, die laufenden Kosten bei der Faulung niedriger sind: „Die Gebühren würden also wieder sinken.“ „Mit der billigeren Lösung verbauen wir uns aber nichts“, argumentierte Stefan Kronner (SPD). Auch Bürgermeister Harald Reents plädierte dafür, zunächst nur auf Instandhaltungsmaßnahmen – sprich: „eh da-Kosten“ – und in einem späteren Schritt auf zukunftsträchtige Technologien zu setzen. Die Monoverbrennung beispielsweise, die allerdings nach Expertenangaben und Entwicklungstand nur für große Klärwerke ab 400 000 Einwohnerwerten in Frage kommt.

Nach anderthalbstündiger Diskussion erteilte der Rat mehrheitlich (12:5) der sofortigen Umsetzung der klimafreundlicheren Variante eine Absage. Man setzt zunächst auf die kostengünstigere Teilstabilisierung (ohne Schlammtrocknung), will aber die spätere Erweiterung mittels moderner Verbrennungstechnologien prüfen.

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