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Zum Finale des Hallberger Kultursommers

Der Nibelungen-Siegfried im Ringertrikot

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Er ist mit Sicherheit der untypischste „Siegfried“, den es bisher gab. Laiendarsteller Paul Rentz im Ringertrikot mit deutschen Nationalfarben, auf Styroporplatten geschnallt, um die heldenhafte Größe eines deutschen Hünen zu erreichen. Nicht einmal blond war er. Hervorragende Unterhaltung bot die Inszenierung allemal und darf sich durchaus Höhepunkt des Hallberger Kultursommers nennen.

Hallbergmoos – Ob Wagner applaudiert hätte ist nicht wichtig. Die gut 130 Besucher, die zu den beiden Aufführungen auf die Seebühne im Sportpark Hallbergmoos kamen, wurden bestens unterhalten. Der vom Verein udei e.V. inszenierte Siegfried war eine bunte Mischung in vielerlei Hinsicht: Laiendarsteller des SVS agierten mit renommierten Darstellern, viele unterschiedlicher nationaler Herkunft und Ethnie. Dazu eingespielte Original-Wagnerarien neben Vhs-Trommlern und einem von Marcus Tronsberg zusammengebauten Musikapparat, der aus Mixer, Staubsauger und Luftpumpe bestand.

Der seit sieben Jahren in Hallbergmoos wohnende Regisseur Thomas Goerge verwendete die Handlung der deutschen Heldensaga als Grundlage und übertrug beim Schreiben der Texte vieles in die Gegenwart: der gerissene Alberich (Erwin Aljukic), dem es gelingt den Nibelungen-Schatz zu stehlen, schwenkt in seiner diebischen Freude vom Raub des Nibelungenringes auf den Koltan-Abbau und die damit einhergehende Ausbeutung Afrikas. Siegfried wäre, so Goerge, in der heutigen Zeit ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, der von den Rheintöchtern salopp mit „Hi Siegfried“ angesprochen wird und mit „Hei, wie cool!“ antwortet.

Goerge hat das Wagnerianische aus dem Stück entfernt, um gerade den Laiendarstellern vom SV Siegfried, dem Haus Chevalier in Birkeneck sowie den Musikschülern genügend Raum zu lassen. Der Iraker Saad (18) kam vor eineinhalb Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Er hat sich sofort gemeldet, wollte unbedingt mitmachen – heraus kam die Rolle des Riesen Fasolt.

Die Idee für das Stück kam Goerge beim Joggen. Durchs Turnhallenfenster hat er einen Kampf verfolgt, das Logo SV Siegfried gesehen. „Da war die Idee da: Ich inszeniere Siegfried!“ Für die Profis wie Michael Grimm, Tobi Zettelmeier, Erwin Aljukic und Lionel Somé war es durchaus harte Arbeit. „Ich habe zwar schon mit Laien, aber noch nicht an so einem Ort gespielt“, so Aljukic. „Das bedeutet, sich ungemein zu konzentrieren. Die Ernsthaftigkeit des Stückes soll ja gewahrt sein und bleiben, der Ring ist ja ein Riesending.“

Lionel Somé, Kameramann aus Burkina Faso, fand es „einfach unglaublich. Gerade der Workshop im Juli mit den Kindern war wahnsinnig kreativ.“ Und die Schülerinnen Emma (10) aus Kirchdorf, Jana (13) und Annalena (11) aus Attenkirchen – die drei Rheintöchter – , fanden es „stressig, witzig, interessant und einfach nur supertoll.“ Sandra Dichtl, Vorsitzende von udei und Thomas Goerge haben schon neue Ideen. „Ein Stück für 2018 reift gerade in unseren Köpfen!“

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