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Agraringenieur Michael Neumüller.

Wintereinbruch in Bayern

Obstbauern besorgt: „Die Ernte ist zerstört“

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Hallbergmoos - Der späte Wintereinbruch bereitet Bayerns Obstbauern Sorgen. Sie fürchten um ihre Ernte.

Auf Frühlingswetter vor Ostern folgte ein Wintereinbruch. Die Kälte lässt Winzer, Obst- und Gemüsebauern um ihre Ernten fürchten. Michael Neumüller, Leiter des Bayerischen Obstzentrums in Hallbergmoos (Kreis Freising), blickt mit Sorge auf die voraussichtlichen Erträge.

Wie schlimm wirkt sich der Frost der vergangenen Tage auf die Ernte im Herbst aus?

Michael Neumüller: Massiv. Bei uns in der Münchner Gegend hat vor allem die Nacht von vergangenem Donnerstag auf Freitag mit Temperaturtiefstwerten von minus 4,1 Grad gravierende Schäden besonders bei Kirschen und Birnen verursacht. Ich vermute, dass wir dort mit einem kompletten Ernteausfall in diesem Jahr rechnen müssen. Bei Äpfeln gehe ich davon aus, dass etwa 60 Prozent der Blüten, bei Zwetschgen 40 bis 50 Prozent der Blüten geschädigt sind. Wenn beim Äpfel noch 40 Prozent der Blüten vital sind, reicht das, damit man im Herbst die Hälfte des erhofften Ertrags hat.

Wie können Bauern das Obst vor Kälte schützen?

Neumüller: Im idealen Fall kann ein Obstbauer die Kronen der Bäume bewässern, damit sich eine Eisschicht über den Blüten bildet, unter der die Temperatur nicht unter minus 0,5 Grad fällt. In Südtirol sind solche Bewässerungsanlagen standardmäßig installiert. Hier in Bayern gibt es das nur selten, weil solch ein Spätfrost in unseren Regionen kaum vorkommt. Was man ansonsten tun kann, ist, das Gras ganz kurz zu schneiden und die Erde feucht zu halten, damit der Boden nachts mehr Wärme an die Bäume geben kann. Allerdings hilft das nicht viel, wenn die Temperaturen sehr tief in den Keller gehen.

Was bedeutet das für die Obstbauern?

Neumüller: Bauern, die sich auf nur Kirschen oder Birnen spezialisiert haben, sind eher selten, sodass zumindest noch Äpfel angebaut werden, die weniger stark vom Frost geschädigt wurden. Doch in jedem Fall bedeutet der Ausfall einer Kultur massive Ertragseinbußen. Denn nur weil Bäume heuer keinen Ertrag bringen, müssen sie natürlich trotzdem weiter gepflegt werden, müssen geschnitten, gedüngt, vor Schädlingen geschützt werden. All diese Aufwendungen bringen Kosten, ohne dass irgendein Erlös erwirtschaftet werden kann.

Stellen sich Obstbauern schon auf solche ertragsarmen Jahre ein – oder ist das sehr ungewöhnlich?

Neumüller: Was nicht normal ist, ist, dass der März so warm war. Normalerweise hätten wir eine spätere Blüte. Das ist untypisch. Dadurch, dass die Vegetation früher als gewöhnlich beginnt, setzt auch das Stadium, in dem die Frostempfindlichkeit der Blüten steigt, früher ein. Der Spätfrost vernichtet dann die Blüten und jungen Früchte. Man muss damit rechnen, dass das in Zukunft häufiger vorkommt. Bei den Äpfeln, der Hauptkultur, war die Schädigung Gott sei Dank nicht ganz so schlimm. 

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