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Wohin damit? Klaus Zöllner wollte die Plakate über die Müllabfuhr entsorgen. Die nahm sie aber nicht mit.

Hallbergmooser fühlt sich in die falsche Ecke gedrängt

„Plakat-Attacke“ nach Leserbrief

In einem Leserbrief hatte Klaus Zöllner (Name geändert) für Demokratie und Meinungsfreiheit geworben – und ist damit völlig unvermittelt zur Zielscheibe einer „Plakat-Attacke“ geworden. Der 75-Jährige hat Strafanzeige erstattet.

Hallbergmoos – „Ich bin entsetzt, dass in unserem liberalen und freiheitlichen, demokratischen Lande eine offene Kommunikation, besonders im Wahlkampf, anscheinend nicht mehr möglich ist. Seit Tagen beobachte ich hier in Hallbergmoos, dass Wahlplakate übersprüht, geschwärzt und abgerissen werden. Nach Austausch der Plakate am anderen Morgen das gleiche Spiel wieder. Dies geht absolut nicht! Man kann ja gerne eine andere politische Meinung vertreten, aber man muss im Wahlkampf dem politischen Gegner gleiche Chancen und Fairness einräumen: Dies ist wirkliche Demokratie! Der Wähler entscheidet dann im September ohnehin. Alles andere ist wirklich kriminell“, schrieb Zöllner in einem Leserbrief (FT 26./27. August).

Daneben hatte das Freisinger Tagblatt ein Foto von beschmierten AfD-Plakaten abgedruckt: Darunter stand zu lesen: „Hier hat es die AfD erwischt. Nicht nur in Hallbergmoos werden zurzeit immer wieder Plakate beschmiert und abgerissen.“

Augenscheinlich nicht richtig gelesen oder nicht kapiert haben Zöllners Zeilen, die sich Partei-unabhängig gegen Schmierereien richten, Unbekannte: Sie luden in der Nacht zum Montag sechs Doppel-Plakatträger der AfD vor der Haustür des Leserbriefschreibers ab. Ein Zufall? Daran mag Zöllner nicht glauben: „Die müssen ja an mehreren Stellen abmontiert, gesammelt und hierher gebracht worden sein.“

Um 6 Uhr hat Zöllners Frau, als sie die Zeitung aus dem Briefkasten holte, die Plakate entdeckt. Zöllner ist umgehend zur Polizei nach Neufahrn gefahren und hat dort Anzeige erstattet.

Wie jemand auf die Idee kommt, Zöllner mit der AfD in Verbindung zu bringen, bleibt rätselhaft: „Ich bin gegen jede Art von Extremen – sei es von rechts oder links. Und ich bin beileibe kein AfD’ler“, betont der Hallbergmooser. Er habe lediglich zum Ausdruck bringen wollen, dass man Meinungsfreiheit zulassen müsse. Letztlich entscheide der Bürger bei der Wahl.

Zöllner ist, das wird im Gespräch deutlich, politisch interessiert und ernsthaft besorgt über die zunehmende Verrohung. Wegschauen oder sich einschüchtern lassen will er auch in Zukunft nicht. Zu seinem Schutz hat das FT seinen Namen geändert. „Man weiß ja nicht, was solchen Leuten im Kopf rumgeht.“ Wie Zöllner die Plakate los wird, weiß er noch nicht: Die Müllabfuhr hat sie jedenfalls nicht mitgenommen.

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