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Warum den Hallbergmooser Bürgermeister „die Bürokratie manchmal nervt“

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Bei der Arbeit: Josef Niedermair
In schweren Zeiten hat Josef Niedermair auf dem Bürgermeister-Sessel Platz genommen. Aber den Optimismus lässt er sich nicht nehmen. © Oestereich

Der Hallbergmooser Rathauschef Josef Niedermair blickt auf 2021 zurück - und wirft im Interview mit dem Tagblatt aber auch einen Blick nach vorne.

Herr Niedermair, nun sind Sie seit neun Monaten Rathauschef. Sie haben das Amt in schwierigen Zeiten angetreten – nach dem Tod ihres Amtsvorgängers und mitten in der Corona-Krise. Wie haben Sie die letzten Monate persönlich in Erinnerung?

Natürlich war es beruflich und privat eine große Veränderung – verbunden mit einer Lernkurve. Jetzt hab’ ich den richtigen Modus gefunden und den Ehrgeiz, in meiner Amtszeit möglichst viel zu bewegen. Meine Erfahrungen aus 36 Jahren politischer Arbeit sind da Gold wert.

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Sie haben bei Ihrem Amtsantritt am 26. April 2021 einige Baustellen vorgefunden – und rasch auch „heiße Eisen“ angepackt: den kommunalen Wohnungsbau, die Feuerwehrhäuser, den Badeweiher und den Schulhaus-Anbau. Sind Sie mit dem bisher Erreichten zufrieden?

In der Kommune läuft alles etwas langsamer als im Privaten. Aber es läuft. Die Bürokratie nervt mich manchmal. Aber ich bin schon sehr zufrieden und muss dem Gemeinderat ein großes Kompliment aussprechen, für das was wir erreicht haben. In der Herbstklausur haben wir 16 wichtige Projekte vorbesprochen. Alles ist auf dem Weg oder schon umgesetzt.

Sie haben definitiv „nur“ fünf Jahre Amtszeit. Welche Projekte sähen Sie heuer, welche bis 2026 gerne abgeschlossen?

Ganz oben stehen der kommunale Wohnungsbau in der Predazzoallee, der Badeweiher und der Feuerwehrstandort in Goldach. Da laufen die Planungen. Der Grundschulanbau wird im Herbst fertig. Außerdem sind 2022 das Wohnbaugebiet in der Birkenecker Straße-Süd und das Gewerbegebiet Nord-Ost überplant. Hallbergmoos-Mitte, also die Verlängerung der Predazzoallee in Richtung der Theresienstraße, ist mir persönlich extrem wichtig. Was die Realisierung angeht, reden wir da eher von 2023 oder 2024. Andere Projekte werden noch Zeit brauchen – auch, weil uns die personellen Kapazitäten im Rathaus fehlen. Wir haben wie viele Kommunen das Problem, dass wir offene Stellen nicht besetzen können.

Stichwort: Kommunaler Wohnungsbau. Vom Wohnhaus an der Predazzoallee, wo die Kommune preisgünstigen Wohnraum schaffen wird, war viel zu hören. Um das Mehrgenerationen-Wohnen im Tassiloweg ist es ein wenig still geworden.

Da sind wir eigentlich so weit wie mit keinem anderen Projekt. Die Zuschusszusage der Regierung gilt noch bis Mitte 2022. Diese neun Millionen sollten wir möglichst abschöpfen. Hier steht aber wieder das „Aber“ im Raum, dass wir die Kapazitäten im Rathaus nicht haben. Das ist die einzig deprimierende Situation und macht eine rasche Realisierung schwierig.

Wie sieht es mit der zweiten Grundschule in Goldach aus? Liebäugelt man vielleicht sogar mit einer weiterführenden Schule? Würde sich ja dort doch anbieten, oder?

Da stehen wir noch am Anfang bei der Bedarfsermittlung. Aber so viel kann ich sagen: Der Bau einer zweiten Grundschule fällt bestimmt nicht mehr in meine Amtszeit. Eine weiterführende Schule wäre schön. Aber darüber entscheidet der Kreis.

Die Sanierung der Hauptstraße in Goldach lässt auf sich warten. Woran liegt’s?

Es wird Ende März, Anfang April 2022 mit der Brückensanierung losgehen. Für den Ausbau sind noch nicht alle Zuschüsse genehmigt. Es wird wohl nicht vor 2023 weitergebaut.

Kann die Gemeinde das alles langfristig finanzieren? Gibt’s eine Corona-Delle?

Wirtschaftlich war das Jahr 2021 gar nicht so schlecht. Wir rechnen mit 26 Millionen Euro Gewerbesteuer, eingeplant hatten wir 17 Millionen. Mit großen Einbrüchen rechne ich vorläufig nicht –wenn wir unsere Hausaufgaben machen.

Hallbergmoos ist gerade dabei, sich als Standort für Biotech-Standort anzubieten. Warum?

Es geht in erster Linie darum, dass kein wirtschaftlicher Stillstand entsteht. Die Ausweisung neuer Gewerbegebiete und die Ansiedlung von Unternehmen hat Priorität. Biotech ist ein neues Standbein, das gut zu uns passt und boomt. Es haben sich schon einige Unternehmen angesiedelt, die beispielsweise neue Medikamente entwickeln.

Reden wir über „die Welle“: Der Spatenstich für Surftown MUC war eigentlich für vergangenen Herbst angekündigt.

Für Surftown MUC und den Bürokomplex Hybrid One mussten die Planungen noch aufeinander abgestimmt werden. Deshalb hat sich der Spatenstich etwas verzögert. Die Verantwortlichen halten am Termin für die Fertigstellung Mitte 2023 fest. Sobald es die Wetterlage erlaubt, soll der Spatenstich sein. Also voraussichtlich im Frühjahr 2022.

Wie ist das Verhältnis zum „Nachbarn“ Flughafen?

Wir pflegen ein gutes Miteinander – in allen Belangen. Wir haben eine gute Gesprächskultur, die FMG ist Partner beim Vereinssponsoring. Aktuell sind wir gerade in Verhandlungen über ein Bauprojekt: Die FMG will in der Ludwigstraße etwa 300 Wohnungen bauen. In dem begleitenden Mobilitätskonzept ist auch ein FMG-finanzierter Bus im Gespräch, der durch Hallbergmoos zum Flughafen fährt. Das käme unseren Bürgern zugute.

Wie stehen Sie zur Event-Arena?

Ich bin dafür. Es bringt für die Anrainerkommunen einen erheblichen Mehrwert. Es wird die Gegend, die Hotels und Gastronomie beleben. Sie wäre genauso ein Gewinn wie die Surftown MUC –vorausgesetzt, es wird eine vernünftige Erschließung gebaut. Wir fordern ja schon lange den vierspurigen, S-Bahn-nahen Ausbau der B 301.

Wenn Sie einen Wunsch für 2022 frei hätten: Welcher wäre das?

Eigentlich sind es drei Wünsche: Beruflich wäre mein größter Wunsch, neue Mitarbeiter fürs Rathaus zu finden. Und privat, genügend Zeit für die Familie zu haben. Und dass die Pandemie endlich ein Ende hat.

Das Gespräch führte Eva Oestereich

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