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Gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen wehrt sich die BIF Hallbergmoos - sie feierte vor Kurzem ihr 20-jähriges Bestehen.

Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Hallbergmoos

Seit 20 Jahren kämpft die BIF Hallbergmoos gegen Fluglärm und die dritte Startbahn

„Wie die Zeit doch vergeht!“ Bei der BIF – der Bürgerinitiative gegen Fluglärm – staunt man selbst ein wenig, dass man nun schon 20 Jahre „auf dem Buckel hat“. 1998 formierte sich die Gruppe. Ein Rückblick.

HallbergmoosAuslöser für die Neugründung der BIF 1998 waren zunehmende Lärmbelastungen durch den Airport. Denn nach der Flughafen-Eröffnung 1992 war der Widerstand der „alten BI“ erlahmt.

Der Elan ist geblieben: Die Männer der ersten Stunde von BIF widerlegen mit Fakten die Prognosen des Flughafenbetreibers (v. l.) Richard Moosburger, Dr. Helmut Schmidt, Karl-Heinz Zenker, Georg Schu und Jürgen Steiner.

Die BIF Hallbergmoos-Goldach bereitete einer neuen Generation von BI den Weg: Am 3. Dezember 1998 taten sich jene Männer zusammen, die noch heute den harten Kern der BIF bilden: Dr. Helmut Schmid, Richard Moosburger, Karl-Heinz Zenker, Richard Oertli, Werner Groth (verstorben), Georg Schu – zunächst Vorsitzender – und Jürgen Steiner, der seit gut zehn Jahren das Sprachrohr ist.

„Wir sind keine Feinde des Flughafens, wollten aber dessen Belastungen minimieren“

Südabflugroute, Nachtflugregelung, Fluglärmgesetz, dritte Startbahn waren und sind die Schwerpunktthemen der BIF. Mit Kompetenz, Akribie und – wie deren Sprecher Jürgen Steiner unterstreicht – mit Sachlichkeit knien sich die Aktiven in jedes Thema. Man legt Wert auf die Feststellung, „unpolemisch, unpolitisch und bestechlich“ zu sein. Allerdings wollte man nie Fundamentalopposition betreiben: „Wir sind keine Feinde des Flughafens, wollten aber dessen Belastungen minimieren“, betont Steiner.

Damals wie heute scheut man aber nicht die sachliche Auseinandersetzung mit politischen Mandatsträgern, Vertretern der Flugsicherung, Verkehrsministerium, Lokalpolitikern und Flughafen München Gesellschaft. Die Südabflugroute war 1998 und ist 2018 ein wichtiges Thema: „Viele Leute sprechen uns derzeit darauf an, dass es immer lauter wird.“

Die BIF hat nun die aktuellen Lärm-Messungen des Flughafens analysiert. „Und siehe da, es wird tatsächlich lauter“, so Steiner. Die ungleiche Lärmverteilung geht im Umland zu Lasten der Gemeinde Hallbergmoos: Da wolle man demnächst wieder „zur Tat schreiten“.

Mit Gerhard Polt sangen sie gegen die Nachtflugregelung an

Vielleicht nicht ganz so spektakulär wie damals als Gerhard Polt und die Biermösl Blosn anno 2000 gemeinsam mit der BIF und dem Aktionsbündnis Aufgemuckt gegen die neue Nachtflugregelung „ansangen“: 10 000 Mark spielte der Auftritt in der Alten Ringerhalle seinerzeit in die Kassen der Aktivisten, die beachtliche 28 000 Einsprüche – mehr als einst gegen den Flughafen – und Geld für die gerichtliche Auseinandersetzung sammelten. Steiner selbst trat als Musterkläger auf. Als alle Klagen letztinstanzlich abgewiesen wurden, verlegte sich die BIF darauf, Verstöße zu dokumentieren und sie öffentlich zu machen.

2004 brachte das neue Fluglärmgesetz neue Arbeit für die BIF: Der „zulässige Lärm“, bis dato an tatsächlichen Flugbewegungen festgemacht, wurde durch ein Lärmkontingent ersetzt, das die Berechnung und den Nachweis von Verstößen erschwert, erläutert Helmut Schmidt. Und es gibt zunehmend Ausnahmen und „sonstige Flüge“, sagt Moosburger.

„Die dritte Bahn wird kommen.“ Als Flughafen-Geschäftsführer Michael Kerkloh dies 2003 ankündigte und die Bayerische Staatsregierung im Landesentwicklungsprogramm das „Vorranggebiet Flughafenerweiterung“ auswies, schrillten die Alarmglocken. Die BIF verlagerte ihre Aktivitäten mehr und mehr auf das Aktionsbündnis Aufgemuckt. 

Im Planfeststellungsverfahren sammelt man 70 000 Einsprüche gegen die dritte Piste. Den Bürgerentscheid – 55 Prozent der Münchner sprechen sich gegen das Vorhaben aus – feiert man als Erfolg, denn gegen die Stimme des Mitgesellschafters kann die dritte Start- und Landebahn nicht gebaut werden.

Gegen die dritte Startbahn: „Elf Jahre gab es keinen Zuwachs an Flugbewegungen“

„Aufgemuckt hat kräftig mitgeholfen, die dritte Startbahn bis heute zu verhindern. Wir müssen schauen, was nach der Landtagswahl passiert“, so Steiner. Der Bedarf für die dritte Piste, so belegt es die Auswertung der BIF, ist jedenfalls nicht gegeben. Die Zahl der jährlichen Flugbewegungen (404 505) liegt aktuell (Stand 2017) mal auf dem Niveau von 2005. Elf Jahre habe es keinen Zuwachs gegeben, die Prognosen des Flughafenbetreibers seien widerlegt, sagt Steiner.

Die weiteren Veranstaltungen der BIF 

Auch wenn die Aktiven der BIF in Ehren ergraut sind, ihr Elan ist geblieben: Am 22. September planen sie eine „Überraschungsaktion“ zur Landtagswahl in Hallbergmoos. Und am 6. Oktober findet auf dem Königsplatz eine Großdemo gegen die dritte Startbahn statt. Von Eva Oestereich

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