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Applaus für den Kandidaten: 100 Prozent Zustimmung erhielt Thomas Henning von den FW-Mitgliedern. Ein Umstand, der ihn nach eigenen Worten beflügelt.

Wahlkampf unter Freunden

Thomas Henning will in Hallbergmoos seinen Freund Harald Reents als Bürgermeister ablösen

Die Freien Wähler haben einen geschichtsträchtigen Ort gewählt, um Thomas Henning zum Bürgermeister-Kandidaten zu nominieren: Das gerade sanierte Gasthaus „Otto zu Wittelsbach“ (Alter Wirt), das nun zum neu eröffneten Holiday Inn Hotel gehört.

Hallbergmoos An historische Erfolge der Parteifreien, die vier Jahrzehnte lang den Gemeindechef stellten, will der 53-Jährige nun auch anknüpfen. Es ist Henning nicht entgangen, dass im Ort getuschelt wird – über den Umstand, dass ausgerechnet er dem Amtsinhaber Harald Reents den Posten streitig macht. Deshalb schickte Henning vor 36 Mitgliedern eines vorweg: „Ja, der amtierende Bürgermeister und ich sind gute Freunde. Nein, wir haben nicht die gleiche politische Ansicht über die Entwicklung und Führung der Gemeinde. Und ja: Das darf in einer freien demokratischen Gesellschaft sein, dass zwei politische Gegner privat gute Freunde sind.“

60 Millionen Rücklagen: Geld, das auf den Konten liegt, bringt den Bürgern nichts 

Reents gegen Henning, Beamter gegen Unternehmer: Dass Henning als selbständiger Geschäftsmann, Meister und Sachverständiger mit eigenem Betrieb andere Vorstellungen als der Amtsinhaber davon hat, wie man eine Gemeinde erfolgreich führt, machte er in seiner Antrittsrede deutlich: Hallbergmoos sei eine extrem dynamische Gemeinde. „Im Gegensatz hierzu steht, dass die Gemeinde in den letzten Jahren von angesetzten 100 Prozent an Entwicklungsmaßnahmen im Schnitt pro Jahr nur rund ein Viertel bis ein Drittel umgesetzt hat.“ Daraus resultierten „viel zu hohe Rücklagen“ von über 60 Millionen Euro. „Geld, das auf den Konten liegt, nutzt den Bürgerinnen und Bürgern nicht.“

Dass in den letzten sechs Jahren etliche Projekte umgesetzt wurden, wollte Henning gar nicht bestreiten. Aber: „Das waren zum Teil Visionen aus den vorherigen Legislaturperioden. Ich sage hier nur Nordumgehung und Buslinie nach Erding.“ Wie damals beim Sport- und Freizeitpark gelte es nun, neue Visionen zu entwickeln. „Die Weichen müssen wir jetzt stellen.“

Nicht die Gutachter sollten Entscheidungen treffen, sondern die Bürger und der Gemeinderat

Kritik richtete Henning auch an den Entscheidungsprozessen im Rathaus: Sie sollten nicht durch Gutachter getroffen werden, sondern in Abstimmung mit Bürgern und Gemeinderat: „Das beschleunigt Vorgänge und nimmt die Bürger bei der Umsetzung mit.“ Die Kommune sieht er vor allem beim sozialen Wohnungsbau in der Pflicht. Er sprach sich auch gegen eine überbordende Verbotspraxis aus, forderte neue, digitalisierte Konzepte für die Parkraumbewirtschaftung. Visionäres Handeln sei, so Henning, auch beim Gewerbepark angezeigt, will man die Steuern (24 bis 30 Mio. Euro jährlich) weiterhin so üppig sprudeln sehen. Nicht aus dem Auge verlieren dürfe man allerdings den örtlichen Mittelstand. Vor allem müsse man dem Einzelhandelssterben in der Ortsmitte entgegenwirken: „Schaut’s euch nur an, wie viele Einzelhändler hier schon aufgegeben haben. Wir müssen es vorleben, dass man nicht jedes Kleidungsstück, Semmeln oder Brezen im Internet kauft.“

FW-Landratskandidat Helmut Petz unterstützt Henning voll und ganz: „Er ist gewohnt, erfolgreich Entscheidungen zu treffen. Thomas Henning zeichnet ein starker Gestaltungswille aus.“ Die beiden örtlichen parteifreien Wählervereinigungen, Freie Wähler und Einigkeit, rief er zur Geschlossenheit und Unterstützung Hennings auf. Sein Herzenswunsch sei es, alte Gräben zu überwinden: Petz spielt dabei auch auf den Kommunalwahlkampf von 2002 an, wo er als gemeinsamer Kandidat von Einigkeit, CSU und SPD gegen Bürgermeister Klaus Stallmeister (FW) angetreten war.

Alt-Bürgermeister Stallmeister trat unterdessen Gerüchten entgegen, er sei die treibende Kraft hinter Hennings Kandidatur gewesen. Heinrich Lemer unterstrich: „Das wurde in Vorstandskreisen besprochen, Klaus Stallmeister war nicht involviert.“

Eva Oestereich

Hier finden Sie eine Übersicht über alle Bürgermeisterkandidaten im Landkreis Freising

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