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Wartet lieber noch ab: Steven Keller, der mit dem Tasty Gorilla in Hallbergmoos’ Sportpark eingezogen ist.

Gemeinde-Gastro und Corona

Vermögen durch Corona verloren: Der Hallbergmooser Gorilla bleibt noch ein bisschen liegen

Wie sieht es aus in der Gemeinde-Gastro von Hallbergmoos und Eching? Wann wird aufgesperrt? Die Wirte fahren unterschiedliche Strategien.

Eching/Hallbergmoos – Wirt gesucht! Es ist ein landläufiges Phänomen: Gemeinden tun sich schwer, einen Pächter für ihre Gaststätten zu finden. Und das nicht erst seit Corona. Das war in Eching so, wo man lange Jahre keinen Wirt fürs Bürgerhaus fand. In Hallbergmoos haben in der Gaststätte im Sport- und Freizeitpark Gastronomen reihenweise das Handtuch geworfen. Inzwischen haben beide Kommunen glücklicherweise neue Betreiber gefunden. Dann kam der Lockdown, die geplanten Neueröffnungen im April: Geplatzt. Aber jetzt ist ein Ende der Durststrecke in Sicht.

„Wir möchten zum 1. Juni eröffnen, vielleicht klappt es auch schon am 28. Mai“, kündigt Monika Kretsch an. Die neue Pächterin der Echinger Bürgerhaus-Gastronomie und ihr Geschäftsführer Benjamin Gütt haben alles vorbereitet, warten nun nur noch auf das Okay von Lebensmittelkontrolle und Brandschutz. Kretsch hat einigen Aufwand betrieben, damit alles passt: Den Umzug von Ismaning haben sie geschultert, zwischenzeitliche Lieferengpässe aus Italien überwunden. Die Küche und Kühlhäuser sind komplett neu hergerichtet, tagelang wurde gemessen und neu justiert. Eine neue Leitung für die Bar und die Espresso-Anlage ist verlegt, fehlende Regale wurden ergänzt.

Das Hygiene-Konzept steht

„Da war neun Jahre lang keine Gastronomie drin. Da gab’s viel zu tun“, berichtet Kretsch. Und natürlich musste man Corona-bedingt zusätzliche Hygiene-Konzepte entwickeln. Es gehe um unzählige Details, schildert sie. Ein Beispiel: Die Klemmbretter aus Echtholz, die so gut ins Ambiente des Lokals gepasst hätten, gehen in der Corona-Krise so gar nicht. Die Speisekarten müssen nun foliert werden. Trennwände, die Tischanordnung innen, im Garten und auf der Terrasse, damit die Gäste in ausreichendem Abstand sitzen. Auf der etwa 100 Quadratmeter großen Terrasse werden erst einmal, so schätzt Kretsch, nur 30 oder 40 Gäste Platz nehmen können. Vor Corona wären es wohl 80 gewesen. Die Pächterin weiß, dass andere Wirte noch zögern, ihre Lokale jetzt schon wieder aufzusperren. Ihr, so erläutert sie, kommt der Umstand zugute, dass man gut gewirtschaftet und einen Puffer habe. Und ein zweites Standbein: Das Gavesi-Event- und Catering, wo man sehr stark aufgestellt sei. Zwar seien geplante Hochzeiten und Firmenevents verschoben worden. Aber mit Klein-Catering und Mittagessen-Lieferungen habe man, so die Geschäftsfrau, den zweimonatigen Lockdown einigermaßen heil überstanden. „Wir haben die Zeit genutzt, unsere Homepage überarbeitet und neue Konzepte entwickelt“, unterstreicht Kretsch.

Der Tasty-Gorilla-Chef will noch abwarten

„Noch abwarten“ lautet indes bei Steven Keller die Devise. Auch er wollte eigentlich im April seinen Tasty Gorilla im Hallbergmooser Sport- und Freizeitpark eröffnen. Einen Tag hatte er für einen Probelauf beim Indoor-Cup Anfang März die Gaststätte im Sportforum geöffnet – und wurde von den unerwartet vielen Gästen förmlich überrannt. Dann kam Corona. Am 18. Mai hätte Steven Keller nach den Corona-Lockerungen zumindest den Biergarten der Sportpark-Wirtschaft aufsperren dürfen, in der kommenden Woche dann das Lokal drinnen. Hergerichtet ist alles, doch der Gastronom verzichtet darauf. „Ich will unbedingt aufsperren, dafür arbeite ich mit ganzer Kraft“, schickt er voraus. Aber das wirtschaftliche Risiko für eine Neueröffnung ist Keller momentan zu groß. Da gibt es für ihn einfach zu viele Ungewissheiten: „Ich habe durch die Corona-Krise ein Vermögen verloren und kaum schnelle Hilfen vonseiten des Staats bekommen“, schildert er seine Situation.

Deshalb habe er sich entschlossen, zunächst seine drei Lokale in Eggenfelden, Holzkirchen und Mühldorf am Inn wieder „hochzufahren“. In Hallbergmoos, wo in der Großküche derzeit Burger, Street- und Mexican-Food für die anderen Tasty Gorilla-Lokale vorproduziert werden, will Keller das Lokal „erst aufsperren, wenn ich sehe, dass es keine Komplikationen gibt“. Jetzt zu öffnen und neuerliche Corona-bedingte Schließungen in Kauf zu nehmen, komme nicht in Frage. Anfang bis Mitte Juni, so denkt der Wirt, könnte der Tasty Gorilla in Hallbergmoos loslegen.

Eva Oestereich

Lesen Sie auch: In Hallbergmoos haben Jugendliche eine Corona-Party gefeiert. 

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