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Heinz Kotzlowski ist Insektenkundler und hat Erschreckendes beobachtet.

Bürgerantrag

Die Vision von einem pestizidfreien Hallbergmoos

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln trägt wesentlich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei. Deshalb verzichten in Deutschland bereits viele Städte und Kommunen auf die Verwendung von Pestiziden. Dieses Ziel hat auch ein Bürgerantrag, der am Dienstagabend auf den Ratstischen in Hallbergmoos liegt.

Hallbergmoos –  Initiatoren des Projekts sind Heinz Kotzlowski, Annya Suffa-Hänsel und Dietmar Knoch. Sie haben gut 350 Unterschriften gesammelt, um ihr Anliegen auf die kommunalpolitische Bühne zu bringen – und dem Beispiel von etwa 200 deutschen Städten und Gemeinden, die sich bereits zum Pestizidverzicht verpflichtet haben, folgen. Für die Initiative gibt es einen konkreten Anlass. Heinz Kotzlowski ist Hobby-Entomologe. In seiner Freizeit erforscht der Insektenkundler vornehmlich Nachtfalter: 1100 Arten gibt es schätzungsweise. Als Raupe und Falter stellen sie den überwiegenden Teil der Nahrung von Vögeln, Fledermäusen und Kleintieren dar. Somit sind sie, wie der Insektenkundler ausführt, Bio-Indikatoren für den Zustand der Umwelt. „In den letzten zehn Jahren musste ich registrieren, dass sowohl ihre Anzahl stark zurückgegangen ist als auch einige Arten ganz verschwunden sind.“ Kotzlowski führt den Rückgang auf die hohe Pestizidbelastung zurück. Denn Nachtfalter ernähren sich von Gräsern, Flechten, Moosen und Baumsäften. „Sinkt ihr Bestand, ist dies ein Indiz dafür, dass sich die Raupen nicht entwickeln können, weil die Verschmutzung von Natur und Umwelt zugenommen hat.“ Zwar setzt die Kommune selbst keine Pestizide ein, wohl aber – so seine Wahrnehmung – deren Subunternehmer, Landwirte und Privatleute. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren und für einen Verzicht gewinnen“, so Kotzlowski. „Denn schließlich wollen wir doch alle in einer gesunden Umgebung leben.“ In diesem Zusammenhang haben Kotzlowski und seinen Mitstreiter noch einen weiteren Bürgerantrag gestellt: Unter dem Titel „Öffentliche Grünanlagen“ setzen sie sich die drei Verantwortlichen für die Verbesserung der Wohnqualität in der Kommune ein. Dabei haben sie ein ganz konkretes Ziel vor Augen: Die Ausweisung eines Parks nördlich des Tannenwegs. „Im Flächennutzungsplan von 2002 ist dort eine Grünfläche von etwa zwei Hektar vorgesehen. Wir beantragen, dass eine Parkanlage dort realisiert wird.“ Das Trio hat bereits Gestaltungsideen gesammelt: Man könnte sich einen Aussichtsturm, natürliche Kletterbäume, ein Schwalbenhaus, einen kleinen Teich, Informationstafeln, Ruhezonen mit künstlerisch gestalteten Bänken, Bäumen, Sträuchern und Blumenwiesen der heimischen Flora gut vorstellen. Die erste formale Hürde sollen beide Bürgeranträge heute Abend im Gemeinderat nehmen: Das Gremium muss zunächst, die Zulässigkeit der Bürgeranträge (nach Art. 18 b der Gemeindeordnung) anerkennen, um sich später inhaltlich mit dem Thema zu befassen. Das notwendige Quorum – der Bürgerantrag muss von mindestens einem Prozent der Gemeindeeinwohner unterzeichnet sein – hat man erreicht. Am Tag der Einreichung des Bürgerantrags (21. März) hatte die Gemeinde Hallbergmoos 11 519 Gemeindeeinwohner. Das erforderliche Quorum für den Antrag beträgt damit 116.

Eva Oestereich

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