Der Stimmzettel bei der Briefwahl
+
Sie hatten die Wahl: Und die nutzten 10,75 Prozent der stimmberechtigten Hallbergmooser, indem sie im unteren Teil des Stimmzettels kreative Ideen entwickelten.

Die interessantesten Alternativvorschläge der Bürgermeisterwahl

Warum nicht Max Mustermann, Hansi Flick oder ein Virologe als Hallbergmooser Rathauschef?

Eine Reihe interessanter Namen fand sich auf den Stimmzetteln bei der Bürgermeisterwahl in Hallbergmoos. Einige davon wurden sogar als gültig gewertet.

Hallbergmoos - Am 18. April hat Hallbergmoos Josef Niedermair (CSU) zum neuen Bürgermeister gewählt. Er war der einzige Kandidat und erhielt 89,26 Prozent der Stimmen. Stellt sich nun die Frage: Wo sind eigentlich die restlichen 10,75 Prozent geblieben? Wahlleiter Michael Kirmayer und eine Eigenheit des bayerischen Wahlrechts geben darauf eine Antwort.

Tritt nur ein Bewerber zur Wahl an, kann man seinen Namen auf dem Stimmzettel ankreuzen – oder aber einen anderen Namen handschriftlich eintragen. So sieht es das Gemeinde- und Landkreiswahlgesetz vor. Und davon haben die Hallbergmooser Wählerinnen und Wähler – mehr oder weniger ernsthaft – auch Gebrauch gemacht: 99 Namen von Personen, die sich gar nicht offiziell beworben hatten, hat Wahlleiter Michael Kirmayer offiziell bestätigt.

Henning und Brosch auf den Rängen 2 und 3

Darunter sind etliche Gemeinderäte: Die meisten Stimmen erhielten Thomas Henning (76 Stimmen) und Sabina Brosch (32), Fraktionssprecher von den Freien Wählern bzw. den Grünen. Beide kandidierten 2020 noch für das Bürgermeisteramt, verzichteten nun aber aus beruflichen Gründen auf eine neuerliche Kandidatur. Ihnen folgt SPD-Fraktionschef Stefan Kronner (24). Freilich konnten sie damit den Wahlsieger Josef Niedermair (2803 Stimmen) nicht ernsthaft gefährden.

Weit hinter sich gelassen hat Niedermair auch prominente Zeitgenossen: Ministerpräsident Markus Söder (1 Stimme), Noch-FC-Bayern-Trainer Hansi Flick (1), den Virologen Dr. Christian Drosten und Liedermacher Hans Söllner (1). Die Stimmen für diese vier Herren wurden übrigens als gültig gewertet.

Hindafings Rathauschef wurde aussortiert

Nicht gelten lassen konnte Wahlleiter Kirmayer dagegen Stimmen für den Oster Hasen (1), Micky Maus (1) und Hermine Granger (1), eine Protagonistin aus der Harry-Potter-Romanreihe. Alfons Zischl, Bürgermeister in Hindafing, erscheint zwar auf den ersten Blick kompetent, ist aber auch nur eine fiktive Person aus der gleichnamigen BR-Fernsehserie.

Richtig viel Mühe gemacht haben sich Wahlleiter Kirmayer und seine Stellvertreterin Sonja Perzl offensichtlich bei der Recherche in Sachen „Max Mustermann“. Sie fanden heraus: Ihn gibt es tatsächlich. Ein 18-Jähriger aus dem niedersächsischen Quakenbrück trägt diesen Namen. „Allerdings hat der Stimmzettel den Vermerk ‚Beispiel’ getragen“, so Kirmayer. Deshalb musste auch er ausgemustert werden. Insgesamt waren 86 der 3224 abgegebenen Stimmen ungültig.

Eva Oestereich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare