Großer Kegel-Fan: Bürgermeisterkandidat Josef Niedermair
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Eine ruhige Kugel schieben kann der aus dem politischen (Vor-)Ruhestand zurückgeholte Josef Niedermair erst mal nicht. Ist seine Wahl als neuer Hallbergmooser Bürgermeister über die Bühne, wird er allerdings als Spartenchef der VfB-Kegler abtreten.

Briefwahl in Hallbergmoos läuft - am Sonntag gibt‘s das Ergebnis

„Frag den Sepp“: Josef Niedermair setzt auf Wahlkampf ohne CSU-Logo

Josef Niedermair (CSU) ist der einzige Kandidat der Hallbergmooser Bürgermeisterwahl. Trotz seiner überparteilichen Ausrichtung vermisst er die Unterstützung der Konkurrenz.

Hallbergmoos - Exakt 8217 Wahlberechtigte sind aktuell aufgerufen, einen neuen Hallbergmooser Bürgermeister zu wählen. Zum ersten Mal in der Gemeindegeschichte werden die Wähler nicht persönlich zur Urne gerufen: Die Wahl findet corona-bedingt ausschließlich per Brief statt. Und: Auf dem Stimmzettel steht nur ein Name: Josef Niedermair (CSU).

Erst „Frag den Sepp“, dann „Such den Sepp“

Obwohl er keine Konkurrenz fürchten muss, hat der ehemalige Vize-Bürgermeister der Kommune einen engagierten Wahlkampf gemacht: Der 63-Jährige, der auf Bitten aller Fraktionen aus dem politischen (Vor-)Ruhestand zurückgekehrt ist, hat einigen Aufwand betrieben – um für sich zu werben und vor allem Wähler zu mobilisieren. Unter dem Motto „Frag den Sepp“ hat Niedermair 24 Stunden lang auf Instagram Bürgerfragen beantwortet.

Am Ostermontag hieß es dann „Such den Sepp“: Wer Niedermair auf seinem Spaziergang durch den Ort traf und ein Selfie – mit Abstand versteht sich – mit ihm machte, nahm an einer Verlosung von Essensgutscheinen teil. An Kinder wurden 1000 Kugeln Eis verteilt. Die Bevölkerung fand Blöcke, Kugelschreiber und Visitenkarten im Briefkasten. Er hat Wahlplakate eigenhändig mit seinem Team, dem er besonders Dank, aufgehängt.

Kein einziger Wahlaufruf der anderen Parteien

Auf keinem der Werbeträger, die Laura Behrendts gestaltet hat, findet sich bemerkenswerterweise ein CSU-Logo: Darauf hat Niedermair ganz bewusst verzichtet. Weil er sich, wie er immer betont hat, als überparteilicher Bürgermeister-Kandidat versteht. „Ich denke, ich habe alles getan, wie es sich für einen ordentlichen Wahlkampf gehört“, bilanziert Niedermair. Ein wenig enttäuscht ist er aber schon, dass so wenig Unterstützung von den anderen Parteien kam. Schließlich sei er als Konsenskandidat auf Bitten aller angetreten. Doch Unterstützung oder wenigstens ein Wahlaufruf der Parteien: Fehlanzeige.

Dabei wäre es aus seiner Sicht schon wichtig gewesen: Denn er habe oft den Satz zu hören bekommen: „Du wirst es ja sowieso, da brauche ich ja gar nicht erst wählen zu gehen“, berichtet er. Sein Credo ist ein anderes: „Ihr habt eine Wahl, also nutzt sie“, so sein Appell. Schließlich besteht die Möglichkeit, einen anderen als ihn namentlich auf den Wahlzettel zu schreiben oder Niedermair zu streichen. Dem 63-Jährigen ist es aber wichtig, dass eine echte Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter ihm als künftigem Bürgermeister steht.

Rund 2000 Wähler haben bereits ihre Stimme abgegeben

Wie die Wahlbeteiligung aktuell ist, kann Wahlleiter Michael Kirmayer vorläufig grob abschätzen: An 8217 Wahlberechtigte wurden die Unterlagen verschickt. Schätzungsweise 2000 Briefwähler haben – Stand: 14. April – bereits ihre Stimme abgegeben. „Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Tagen noch einige dazu kommen werden. Bis Sonntag, 18. April, 18 Uhr müssen die Wahlbriefe im Rathaus eingetroffen sein.“ Damit käme man auf eine Wahlbeteiligung von etwa 30 Prozent – und genau das Limit, das sich Niedermair insgeheim gesetzt hat. „Das gibt mir ein gutes Gefühl und stärkt meine Position als Bürgermeister. „ Natürlich, das weiß Niedermair, wird es auch Menschen geben, die ihn streichen oder einen anderen Namen eintragen.

Wenn am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale schließen, werden anschließend die zehn Briefwahl-Bezirke von etwa 60 Wahlhelfern ausgezählt. Die Auszählung ist öffentlich, wie Wahlleiter Kirmayer erläutert. Niedermair wird, wie er sagt, vorbeischauen. Die Tribüne der Dreifachturnhalle am Hallberg-Platz wird in jedem Fall für interessierte Beobachter geöffnet sein. Auch im Internet sollen, wenn möglich, die Auszählungsergebnisse live veröffentlicht werden. „Da arbeitet unsere IT-Abteilung gerade fieberhaft daran“, so Kirmayer. Das vorläufige amtliche Wahlergebnis wird dann im Rathaus – voraussichtlich gegen 19.30 Uhr – verkündet.

Eva Oestereich

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