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In der Mittelschule ist die Mittagsbetreuung untergebracht. Dort werden 65 Kinder im Grundschulalter betreut.

Änderung der Abholregelung verärgert Hallbergmooser Eltern

Zoff um die Mittagsbetreuung

Mehr Plätze, mehr Personal und ein neues pädagogisches Konzept: Die jüngsten Meldungen aus der Mittagsbetreuung klingen erfreulich. Doch hinter den Kulissen knirscht es gewaltig. Um staatliche Zuschüsse einzustreichen, will die Kommune die Betreuungszeiten in ein starres Korsett pressen – und das treibt Eltern nun auf die Barrikaden.

Hallbergmoos – Ludwig Ossiander, von der angekündigten Regeländerung betroffener Vater und Vize-Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, hat den Knatsch nun öffentlich gemacht – in einem Leitartikel auf der Homepage der Sozialdemokraten: Es gehe nicht an, erklärte er auf FT-Nachfrage, dass die Gemeindeverwaltung Politik macht und am Bedarf vorbeiplant, so der 41-jährige, der selbst Verwaltungsleiter in einem Garchinger Forschungsinstitut ist. Wenn der Gemeinderat sich mit dem Thema befasst, sollte er umfassend und ungefiltert informiert sein – und auch die Nöte der Eltern kennen. Ziel müsse es sein, eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Stein des Anstoßes ist die Änderung der Betreuungszeiten, die die Gemeinde als Träger in einem Elternbrief angekündigt hat: Entgegen bisher geübter Praxis sollen Eltern nun ihr Kind nicht vor Ablauf der gebuchten Betreuungszeit – 14, 15.30 oder 16 Uhr – abholen dürfen. Soll heißen: ein bis 15.30 Uhr angemeldetes Kind, darf nicht schon um 14.45 Uhr die Mittagsbetreuung verlassen. Wenn aber Musikunterricht oder Fußballtraining um 15 Uhr beginnen, stehen Eltern vor einem Problem. Nur aus wichtigem Grund, etwa ein rechtzeitig angekündigter Arztbesuch, sind Ausnahmen erlaubt.

Begründet wird dieser Schritt mit der Zuschusslage: Denn die Förderung durch den Freistaat hängt von der Dauer der Betreuung ab: Zwischen 3300 Euro und 9000 Euro jährlich gibt es für jeweils eine Gruppe (mit mindestens zwölf Kindern) je nach Länge der Verweildauer. In der Mittagsbetreuung sind 65 Kindern angemeldet. Es geht also, so hat Ossiander überschlägig ausgerechnet, um einen jährliche Staatszuschuss von 27 500 Euro. Die Umwandlung eines Kann- in ein Muss-Angebot platzte mitten ins laufende Schuljahr und habe die Eltern für schier unlösbare Probleme gestellt, beklagt der Vater. Viele hätten die beruflichen und familiären Planungen auf die bislang geltenden flexiblen Abholzeiten abgestimmt. „Viele Kinder nutzen das Sportangebot der örtlichen Vereine oder Angebote der musikalischen Bildung am Ort.“ Die Regeländerung sei überdies von der Satzung für die Mittagsbetreuung nicht gedeckt.

Der Unmut entlud sich kürzlich bei einem turbulenten Elternabend. Dabei schien die Situation nach einer schriftlichen Stellungnahme des zuständigen Abteilungsleiters Michael Kirmayer schon befriedet: Er hatte wissen lassen, dass man Eltern und Kinder zu nichts zwingen wolle und die Refinanzierung der Gemeinde durch Zuschüsse nicht die vordringlichste Zielrichtung sei. Beim Elternabend prallten die Fronten nichtsdestotrotz aufeinander: Wenngleich er mehrfach betont, dass man die Sachbearbeiterin nicht an den Pranger stelle wolle, stellt Ossiander fest: „Das Auftreten der Vertreterin der Gemeindeverwaltung war kommunikativ schlicht ein Desaster, in der Sache teilweise einfach falsch und alles andere als lösungsorientiert.“ Wieder ging es nur um die Zuschüsse, nicht aber um die Bedürfnisse von Eltern und Kindern, geschweige denn um das geplante pädagogische Konzept. Auf eine Elternumfrage will man sich im Rathaus nicht einlassen.

Silvia Edfelder, beim Elternabend anwesende Gemeinderätin (CSU) und Schulreferentin, hat das Thema bei der Klausurtagung des Gemeinderats zur Sprache gebracht: ohne Ergebnis. Auch die Vorsprache Ossianders und einer anderen Mutter bei Bürgermeister Harald Reents (CSU) brachte vorerst keine Bewegung in die Sache. Es wird also wohl darauf hinauslaufen, dass der Gemeinderat darüber entscheidet, ob künftig starre Betreuungszeiten gelten sollen. Auf Nachfrage führte die Schulreferentin aus, dass man derzeit nach einer Lösung sucht, die sowohl die gesetzlichen Vorgaben erfüllt als auch Eltern die gewünschte Flexibilität in den Abholzeiten gibt. Momentan zeichnet sich allerdings ab, so Ossiander, dass die staatlichen Zuschüsse verloren gehen. Denn etliche Eltern hätten nun die Buchungszeiten auf ein Minimum reduziert: „Gewonnen ist also nichts. Und Ruhe kehrt auch keine ein. Sehr schade. So fördert man Politikverdrossenheit!“

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